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Frauenfussball

Der Traum vom DFB-Pokalfinale wird wahr

Angelika Söder aus der Neumarkter Schiedsrichter-Vereinigung leitet am Samstag das Endspiel der Frauen – eine einmalige Ehre.
Von Thorsten Drenkard

Wenn Angelika Söder nicht gerade das DFB-Pokalfinale der Frauen pfeift, ist sie auch in der Regionalliga der Herren als Unparteiische im Einsatz.
Wenn Angelika Söder nicht gerade das DFB-Pokalfinale der Frauen pfeift, ist sie auch in der Regionalliga der Herren als Unparteiische im Einsatz. Foto: Eibner

Neumarkt.Eigentlich hat sie es nicht so gerne, wenn sie im Mittelpunkt steht. Am liebsten ist es Angelika Söder sowieso, wenn erst gar nicht groß über sie geredet wird – denn das bedeutet schließlich, dass die 27-Jährige ihre Arbeit gut gemeistert hat.

Die Ochenbruckerin gehört seit 14 Jahren der Schiedsrichter-Vereinigung Neumarkt an und ist in der umsichtigen Leitung von Fußballspielen derart umsichtig, dass sie am Samstag das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen dem SC Sand und dem VfL Wolfsburg (15 Uhr) in Köln pfeifen darf – eine einmalige Gelegenheit in der Karriere eines jeden deutschen Unparteiischen.

Das weiß auch Söder. „Es ist eine große Ehre und Freude für mich. Es ist das größte Spiel für einen Schiedsrichter, das man in Deutschland haben kann und ich werde versuchen, meine bestmögliche Leistung abzurufen.“

Live-Übertragung im Fernsehen

Zudem wird die Partie live im Fernsehen (ARD) übertragen und im Stadion von mehr als zehntausend Fans verfolgt. Keine Frage für die freundliche, 1,68 Meter große Unparteiische: „Ein Höhepunkt in meiner Karriere.“

Und diese verläuft seit ihrem ersten geleiteten Spiel steil nach oben. Dank ihrer unaufgeregten, umsichtigen Art auf dem Platz hat es die studierte Psychologin in schwindelerregender Kürze in die Schiedsrichterinnen-Elite geschafft – national und international.

„Es ist das größte Spiel für einen Schiedsrichter, das man in Deutschland haben kann.“

Angelika Söder

Mit 18 Jahren leitete die Mittelfränkin bereits Spiele in der zweiten Liga der Frauen. Seit 2008 führt sie Partien in der Frauen-Bundesliga, zudem ist sie seit vier Jahren in der Regionalliga Bayern der Männer als Unparteiische im Einsatz. Im Januar 2015 dann der internationale Ritterschlag: Am 1. Januar wurde Söder zum altersbedingt frühestmöglichen Zeitpunkt zur FIFA-Schiedsrichterin ernannt – der vierten deutschen überhaupt neben Riem Hussein, Marija Kurtes und Bibiana Steinhaus.

Panne bei der Premiere

Dabei hatte ihre Karriere 2002 mit einem peinlichen Fauxpas begonnen, wie Söder verrät. Die damals 13-Jährige hatte bei ihrer Premiere ein D-Jugendspiel der Jungen in Pilsach zu leiten.

„Ich hatte mir im Vorfeld extra eine schöne neue Stoppuhr gekauft“, erinnert sich Söder. Diese feine Uhr habe sie auch während des Spiels getragen, allerdings „hatte ich vergessen, drauf zu drücken“, amüsiert sich Söder über ihr jugendliches Ungeschick von einst.

Ein Fehler wie dieser ist Söder, die bei der Caritas in Ingolstadt arbeitet, seither nicht mehr passiert. Das aus Schiedsrichter-Sicht perfekte Spiel sei freilich bis heute auch noch nicht dabei gewesen. „Denn das würde heißen, dass ich keinen Fehler gemacht habe.“

Zur Person

  • Mit sechs Jahren

    fing Angelika Söder beim TSV Ochenbruck das Fußballspielen an, das sie bis 16 im Verein betrieb.

  • Später folgte sie

    mit 13 Jahren ihren älteren Geschwistern Wolfgang und Christiane nach und wechselte ins Schiedsrichterwesen.

  • Mit 13 Jahren war

    sie zum ersten Mal als Schiedsrichterin ihres Heimatvereins im Einsatz, fünf Jahre später pfiff sie bereits eine Zweitligabegegnung der Frauen.

  • Am 3. Juni wird sie

    ihr erstes Frauen-EM-Qualifikationsspiel zwischen Mazedonien und Slowenien leiten.

Aber das sei schlichtweg unmöglich, schließlich seien Fehler menschlich – und Söder ist ein angenehm umgänglicher, uneitler Mensch, der keinerlei Anspruch auf Unfehlbarkeit erhebt. Wenn schon Patzer, dann sollten diese aber „so wenig und klein wie möglich sein“.

Um auf dem stetig steigenden Spielniveau ihre durchweg guten Leistungen bringen zu können, geht Söder viermal pro Woche für je eineinhalb Stunden Joggen und ins Fitnessstudio. Schließlich reißt sie pro Partie zwischen acht und zehn Kilometer herunter.

Doch Ausdauer allein macht noch keine Ausnahme-Schiedsrichterin. „Das A und O ist des selbstbewusste Auftreten auf dem Platz.“ Aber nicht zu verwechseln mit Arroganz, wie Söder betont. Kommunikation mit den Spielern – bis zu einem gewissen Punkt – seien wichtig, um Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären.

Mehr Gesprächsbedarf bei Frauen

Bei Frauen-Spielen herrsche da schon mal längerer Gesprächsbedarf nach einem Pfiff als bei den Herren der kickenden Zunft, weiß Söder. Akzeptanzprobleme habe sie bei keinem der beiden Geschlechter. Auch die männlichen Regionalliga-Kicker treten ihr für gewöhnlich respektvoll gegenüber, versichert Söder. „Dabei kann es schon auch eine Rolle spielen, dass ich eine Frau bin“, mutmaßt sie.

Ob Schiedsrichter oder Schiedsrichterin, ob Männer- oder Frauenfußball, entscheidend ist am Ende immer die Leistung. Wer mies und fehlerhaft pfeift, der bekommt Probleme. Nicht so Söder, sie erhält vor allem Lob.

Die 27-Jährige pfeift seit ihrem 13. Lebensjahr als Schiedsrichterin.
Die 27-Jährige pfeift seit ihrem 13. Lebensjahr als Schiedsrichterin. Foto: Eibner

Das kommt unter anderem von Oliver Johannes, Schiedsrichter-Obmann des Kreises Neumarkt, dem Söder angehört. Er ist freilich stolz auf den Werdegang seines Schützlings. „Sie ist seit Jahren unser Aushängeschild und ein absoluter Vorzeige-Mensch“, sagt Johannes, der Söder zudem attestiert, immer bodenständig geblieben sowie stets für die Kollegen aus Neumarkt erreichbar zu sein. Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass wir sie bei der nächsten oder übernächsten WM oder EM als Unparteiische sehen werden.“

Für Söder wäre die Leitung bei einer Weltmeister- beziehungsweise Europameisterschaft „natürlich ein Traum“, keine Frage. Zunächst seien aber Geduld und weiterhin Konstanz in ihren Leistungen gefragt. „Das ist ein Prozess, alles Schritt für Schritt.“

Genau, und der nächste ist bereits Samstagnachmittag in Köln, wenn Angelika Söder im DFB-Pokalendspiel in ihre Pfeife bläst.

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