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Vergleich

Duell der Traditionsvereine in Liga zwei

Am Montagabend erwartet der 1. FC Nürnberg mit dem Hamburger SV einen Verein, mit dem man nicht nur Negatives gemeinsam hat.
Von Daniel Frasch

Im DFB-Pokal trafen die beiden Mannschaften zum letzten Mal aufeinander. Foto: Christian Charisius/dpa
Im DFB-Pokal trafen die beiden Mannschaften zum letzten Mal aufeinander. Foto: Christian Charisius/dpa

Nürnberg.1. FC Nürnberg gegen Hamburger SV: Im deutschen Vereinsfußball hat so ein Duell einen besonders guten Namen. Zwei Dinos treffen dabei immer aufeinander. Doch noch nie seit Einführung der Bundesliga hat es dieses Duell in der Zweiten und nicht in der Ersten Liga gegeben. Beim Montagsspiel des zweiten Spieltags der neuen Saison 2019/2020 (ab 20.30 Uhr im Max-Morlock-Stadion) ist das der Fall. Die Mittelbayerische hat beide Mannschaften verglichen.

Trainerrauswürfe sind normal

Im vorigen Oktober schien Dieter Hecking fester denn je im Trainersattel von Borussia Mönchengladbach zu sitzen. Damals siegten seine „Fohlen“ bei Bayern München mit 3:0. Zum Saisonende heuer kam die Trennung. Foto: Tobias Hase/dpa
Im vorigen Oktober schien Dieter Hecking fester denn je im Trainersattel von Borussia Mönchengladbach zu sitzen. Damals siegten seine „Fohlen“ bei Bayern München mit 3:0. Zum Saisonende heuer kam die Trennung. Foto: Tobias Hase/dpa

Sonderlich bequem konnten es sich die verschiedenen Trainer des 1. FC Nürnberg in den vergangenen zehn Jahren nicht machen auf ihrem Trainerstuhl. Elf Fußballlehrer versuchten in diesem Zeitraum ihr Glück, mit höchst unterschiedlichem Erfolg. Am wenigsten vorzuweisen hatte Boris Schommers: Der Leverkusener, der den Abstieg in der vergangenen Saison nicht mehr verhindern konnte, erzielte im Schnitt nur 0,54 Punkte pro Partie. Nur geringfügig besser agierten Gertjan Verbeek (0,91) und Valerien Ismael (1,0).

Dieter Hecking kennt beide Vereine, denn in beiden hat er das Traineramt bekleidet: Beim HSV tut er es heuer neu und beim Club war er es (wie hier am Emblem zu sehen) in der Erstliga-Saison 2012/2013. Foto: Nigel Treblin/dpa)
Dieter Hecking kennt beide Vereine, denn in beiden hat er das Traineramt bekleidet: Beim HSV tut er es heuer neu und beim Club war er es (wie hier am Emblem zu sehen) in der Erstliga-Saison 2012/2013. Foto: Nigel Treblin/dpa)

Den mit Abstand längsten Atem hatte der Mann, der heute beim kommenden Club-Gegner Hamburger SV arbeitet: Dieter Hecking. In 1098 Tagen bestritt der heute 54-Jährige 112 Partien (1,33) an der Nürnberger Seitenlinie, nur Heinz Höher (167 Partien) und Klaus Augenthaler (119 Partien) hielten sich seit 1945 länger beim 1. FC Nürnberg.

Auch in Hamburg kamen und gingen die Trainer in schöner Regelmäßigkeit. Seit der Saison 2009/10 versuchten sich 15 verschiedene Fußballlehrer, rechnet man die Interimstrainer Rodolfo Cardoso, Peter Knäbel und Frank Arnesen mit ein, waren es sage und schreibe 18 Trainer in zehn Jahren ergibt.

Am längsten durch hielt Thorsten Fink: Der frühere Bayern-Profi stand in 68 Pflichtspielen an der Seitenlinie, gefolgt von Markus Gisdol (52) und Bruno Labbadia. Der ehemalige Trainer von Greuther Fürth heuerte zwei Mal an der Elbe an, insgesamt kommt Labbadia auf 100 Partien als HSV-Cheftrainer. Den besten Punkteschnitt weist hingegen Christian Titz auf (1,79 pro Partie) auf. Hoffnungsträger Hannes Wolf musste nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg in der vergangenen Saison gehen. Mit Dieter Hecking (Foto: Treblin/dpa) steht nun ein in Franken alter Bekannter in der Verantwortung.

Fussball

Der große FCN-Check vor dem Saisonstart

Rund sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter dem 1. FC Nürnberg. Die Mittelbayerische analysiert, wo die Franken stehen.

Finanziell ist FCN besser dran

Groß war die Erleichterung unter den ansässigen Mitgliedern, als der ehemalige kaufmännische FCN-Vorstand, Michael Meeske (Foto: Ropohl), im Oktober 2018 in der Jahreshauptversammlung die aktuellen Geschäftszahlen vorlegte. In der Aufstiegssaison 2017/18 erwirtschafteten die Franken einen Jahresüberschuss von 2,7 Millionen Euro. Erstmals konnte ein Teil der Verbindlichkeiten getilgt werden, die sich damit auf 17,4 Millionen Euro verringerten.

Verein und Fans haben Michael Meeske zu verdanken, dass er die finanzielle Gesundung des 1. FC Nürnbergs vorangebracht hat. Mittlerweile ist er Vergangenheit. Foto: Ropohl
Verein und Fans haben Michael Meeske zu verdanken, dass er die finanzielle Gesundung des 1. FC Nürnbergs vorangebracht hat. Mittlerweile ist er Vergangenheit. Foto: Ropohl

Stillstand gibt es aktuell bei der geplanten Ausgliederung des Profifußballs in eine Kapitalgesellschaft, um auf diesem Weg mittel- und langfristig neue Kapitalflüsse generieren zu können. Nils Rossow, der seit September 2018 die wirtschaftlichen Geschicke beim Club leitet, hat nach wie vor viel Arbeit vor sich. Fakt aber ist: Der 1. FCN befindet sich auf dem Weg der finanziellen Gesundung.

Davon kann beim Hamburger SV keine Rede sein. Zwar schrumpfte der Schuldenberg im vorigen Geschäftsjahr um 20 Millionen Euro, noch immer aber betragen die Verbindlichkeiten satte 85,5 Millionen Euro. Um auch im zweiten Zweitligajahr in Folge liquide zu sein, wurden die Verantwortlichen erfinderisch: Der HSV platzierte eine Fan-Anleihe. Rund 5000 Anleger investierten zwischen 100 und 500 000 Euro. Insgesamt kamen 17,5 Millionen Euro zusammen, mit denen die bis September laufende alte Anleihe abgelöst werden kann. Ein Muss, um beim nächsten Lizenzierungsverfahren der DFL grünes Licht zu erhalten.

Nicht zu vergessen die immer wiederkehrenden Finanzspritzen von Klaus-Michael Kühne. Dem Unternehmer aus Hamburg, dessen Vermögen auf 12,97 Milliarden Euro geschätzt wird (vermoegenmagazin.de), gehören 20 Prozent des Vereins. Seine bisherigen Investitionen liegen bei über 50 Millionen Euro.

Nürnberg startete besser

Nach dem ersten Spieltag bereits Schlüsse über das Leistungsvermögen der beiden Traditionsvereine zu ziehen, ist freilich kaum möglich. Bei beiden Mannschaften war der Umbruch im Sommer groß, sowohl der Club als auch der HSV drehten ordentlich am Personalkarussell.

Während die Franken bis dato neun Neuzugänge verzeichneten, schlug der HSV zwölf Mal auf dem Transfermarkt zu – und verpflichtete mit Tim Leibold und Ewerton auch zwei FCN-Spieler. Die Franken investierten dabei rund sechs Millionen Euro in neue Spieler; der HSV rund 12 Millionen Euro.

Die Club-Fans haben den HSV-Fans eins voraus: Sie durften am ersten Spieltag schon mal sich über einen Sieg freuen. Foto: Archiv Röhrl
Die Club-Fans haben den HSV-Fans eins voraus: Sie durften am ersten Spieltag schon mal sich über einen Sieg freuen. Foto: Archiv Röhrl

Doch die Auftaktpartien machten deutlich, dass beide Mannschaften nach wie vor in der Findungsphase stecken. Zwar siegte der 1. FC Nürnberg dank des Kopfballtores durch Neuzugang Nikola Dovedan mit 1:0 in Dresden, konnte dabei aber insbesondere im ersten Durchgang noch nicht überzeugen. Zu viele leichte Ballverluste leistete sich die Mannschaft von Trainer Damir Canadi im Spielaufbau; zu harmlos präsentierte sich die fränkische Truppe in des Gegners Hälfte. „Wir wollten die Führung zu sehr verwalten und haben die Konter nicht gut ausgespielt“, kritisierte Canadi seine Mannschaft im Anschluss an die Partie.

Anders als der Club verpasste der Hamburger SV einen Auftaktsieg und kam zuhause nur zu einem späten 1:1-Unentschieden gegen Darmstadt 98 – der Ausgleich per Strafstoß fiel dabei in der 98. Spielminute. „Wir haben vieles richtig gemacht, aber wir müssen noch mehr Zielstrebigkeit und Entschlossenheit zeigen“, bilanzierte Dieter Hecking nach dem ersten Saisonspiel. Auch wenn beide Mannschaften zum engeren Kreis der Aufstiegsfavoriten zählen, ist davon auszugehen, dass sie ihr gesamtes Leistungsvermögen erst in einigen Wochen auf den Platz bringen.

Der HSV ist beliebter

Enorme Anziehungs- und Strahlkraft besitzen beide Vereine. Und das trotz – oder vielleicht auch gerade – ob ihres überschaubaren und inkonstanten sportlichen Erfolgs. Der Slogan der Club-Fans, „Liebe, Glaube, Leidenschaft“ trifft auf die Anhänger beider Klubs gleichermaßen zu.

Die eindrucksvolle Wand mit erwerbaren Club-Schals darf über eines nicht hinwegtäuschen: Deutschlandweit hat der Hamburger SV mehr Zugkraft. Foto: Archiv Röhrl
Die eindrucksvolle Wand mit erwerbaren Club-Schals darf über eines nicht hinwegtäuschen: Deutschlandweit hat der Hamburger SV mehr Zugkraft. Foto: Archiv Röhrl

Auf der einen Seite der liebenswerte „Depp“ aus Nürnberg (Foto: Archiv Röhrl), der als amtierender Deutscher Meister 1969 und amtierender Pokalsieger 2008 aus der Bundesliga abstieg. Auf der anderen Seite der „Bundesliga-Dino“, der 2018 nach 55 Jahren erstmals den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste und den Rekord der längsten Bundesligazugehörigkeit ausgerechnet an den ewigen Rivalen Werder Bremen abtreten musste.

Doch Zahlen belegen, dass beide Vereine über ein Fan-Umfeld verfügen, welches sich viele Bundesligisten wünschen würden. 25 000 HSV-Anhänger legten sich auch im zweiten Zweitligajahr eine Dauerkarte zu. Das Nürnberger Max-Morlock-Stadion werden in dieser Saison 20 700 Stammgäste besuchen. Die Franken konnten dank einer großangelegten Marketingstrategie in der Vergangenheit ihre Mitgliederzahl auf 23 677 (Stand: 3. August) anheben. Sehr passabel, aber noch lange nicht auf Augenhöhe mit dem HSV, der aktuell über 88 200 Mitglieder besitzt.

Auch in den sozialen Netzwerken agieren beide auf sehr hohem Niveau: So gefällt die facebook-Seite der Hamburger über 783 000 Menschen, die des Club immerhin rund 332 000 Personen. Ähnlich beeindruckend lesen sich die Zahlen bei twitter: Hier outeten sich über 282 000 Menschen als FCN-Follower, über 714 000 sind es gar beim Hamburger SV. Die Online-Aktivitäten des HSV auf Instagram verfolgen 276 000 Abonnenten, beim Club sind es 110 000. Bei der Beliebtheit gilt: Vorteil HSV.

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