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Badminton

Estin ist für Freystadt ein Glücksgriff

Kristin Kuuba spielt für den TSV in der Bundesliga – ihr Einsatz am Wochenende wackelt aber. Ihr Traum: Der Olympia-Start.
Von Thorsten Drenkard

Kristin Kuuba ist ein Volltreffer für den TSV Freystadt.
Kristin Kuuba ist ein Volltreffer für den TSV Freystadt.

Freystadt.Kristin Kuuba hat verloren. Ihr Auftaktmatch am Freitagvormittag beim internationalen Turnier in Estland war zugleich ihr letztes: 19:21, 15:21 hieß es nach nur 38 Minuten aus Sicht der 21-Jährigen gegen die Ukrainerin Maria Ulitina. Für die ambitionierte Estin eine bittere Enttäuschung, war sie doch bei ihrem Heimturnier an Nummer eins gesetzt.

Bei den Verantwortlichen des TSV Freystadt hält sich der Ärger über die unerwartete Niederlage ihrer Topspielerin in schmalen Grenzen. Schließlich ist dadurch die Hoffnung auf einen Einsatz der Weltranglisten-76. (Einzel) am Sonntag im 1. Bundesligaspiel ab 13 Uhr in Wipperfeld urplötzlich sprunghaft gestiegen. So schizophren kann Badminton sein: Die eigene Spielerin verliert und der Verein profitiert.

Um ein Flugticket bemüht

Der rührige TSV-Teammanager Stephan Pistorius versichert kurz nach dem Ausscheiden Kuubas jedenfalls, sich umgehend mit Freystadts bockstarker Neuverpflichtung in Verbindung setzen zu wollen. Sein Ziel: Ein Ticket auf den Namen Kristin Kuubas zu buchen, mit dem die Badmintonspielerin im Flugzeug von Tallin nach Düsseldorf fliegen kann.

Ob die Last-Minute-Aktion von Erfolg gekrönt sein wird und die junge Estin am Ende noch ein Boardingticket erhalten hat, wird sich spätestens am Sonntag bei der Zusammenstellung des Freystädter Teamkaders gegen Wipperfeld zeigen. Pistorius ist am Freitag aber zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass es mit einem Einsatz von Kristin klappen wird.“

Die Erfolgschancen des Tabellenfünften aus der Oberpfalz würden sich mit der Estin in den eigenen Reihen deutlich erhöhen. Denn für den TSV ist die 21-Jährige, die als Nachfolgerin der finnischen Olympionikin Nanna Vainio vor der Saison verpflichtet wurde, „ein toller Glücksgriff“, so Pistorius.

Rasant und angriffslustig

Abseits des Feldes „ist Kristin eine ruhige, zurückhaltende und höfliche junge Frau, die sich sehr gut ins Team eingefügt hat“. Auf dem Court pflegt sie indes ein rasantes Angriffsspiel.

Das unstete Leben einer ambitionierten Badmintonspielerin gefällt der Studentin. Kuuba: „Ich kann viel reisen und spiele auf Turnieren rund um die Welt. Dabei treffe ich viele interessante Menschen und sehe etwas von der Welt – das mag ich sehr!“, schreibt sie auf Email-Anfrage am Donnerstagnachmittag aus dem Baltikum in die Oberpfalz.

Alles Kuuba, Kuba oder Cuba, oder was?! Kristin Kuuba zeigt auf Instagram Humor:

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Found my brother #cuba

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Nun zählt auch das Fleckchen Erde in Freystadt zu einer ihrer regelmäßigen Stationen auf der Abenteuerreise durch den internationalen Badmintonzirkus. Im Gegensatz zur ihrer vorherigen Station in Mailand, wo sie im vergangenen Jahr wenig Freude am Spiel in der italienischen Liga hatte, findet Kuuba nur warme Worte für ihren neuen Verein.

Kristin Kuuba kam als Ersatz für die Finnin Nanna Vainio. Foto: Mehlich
Kristin Kuuba kam als Ersatz für die Finnin Nanna Vainio. Foto: Mehlich

Es seien die vielen kleinen Dinge, die den TSV Freystadt für sie besonders machten. „Die Spieler, die Verantwortlichen, die Stimmung in der Halle und die Tatsache, dass sich der Verein wirklich um seine Spieler kümmert“, sagt Kuuba und bindet ihrem neuen Klub einen verbalen Blumenstrauß. Sie spüre: „Hier lebt man den Badmintonsport.“

So ist es in Freystadt üblich, dass die ausländischen Spieler – egal ob Kristin Kuuba, Jenny Moore, Fikri Hadmadi, Max Flynn oder Jason Anthony Ho-Shue – an Wochenend-Spieltagen von einem Vereinsvertreter (meist Stephan Pistorius) vom Flughafen abgeholt und nach Freystadt gefahren werden, wo sie im Haus des Teammanagers übernachten.

Gerade diese familiäre Atmosphäre, dieses Aufeinander achten und Füreinander da sein, das ist es, was Kuuba in Freystadt imponiert. Und was sie offensichtlich zu sportlichen Höhenflügen in der Liga antreibt. Denn die Estin ist die Erfolgsgarantin des TSV, die zu den Topspielern der gesamten Bundesliga zählt.

Kristin Kuuba und Annabella Jäger sind zwei Freystädter Erfolgsgaranten. Foto: Jessen
Kristin Kuuba und Annabella Jäger sind zwei Freystädter Erfolgsgaranten. Foto: Jessen

In zwölf Matches (Einzel sowie Doppel) griff die 1,76 Meter große Studentin bislang für den TSV zum Schläger – zwölf Mal ging sie allein oder mit ihren Doppelpartnerinnen Annabella Jäger oder Jenny Moore als Siegerin vom Feld. Eine 100-prozentige, rundum perfekte Siegquote.

Kuuba, die mit sieben Jahren mit dem Badminton begann, ist von der eigenen Unbezwingbarkeit in der 1. Bundesliga selbst verblüfft. „Dass ich alle Matches gewonnen habe, überrascht mich schon ein wenig. Ich werde versuchen, meinen Lauf fortzusetzen“.

Das Match Kristin Kuubas gegen Maria Ulitina im Video:

Mit dem TSV will sie in dieser Saison noch „so erfolgreich wie möglich spielen und die bislang beste Platzierung des Vereins erreichen“. Für sich selbst hat die estnische Nationalspielerin die Olympischen Spielen 2020 in Tokio als strahlendes Ziel vor Augen. „Es ist mein Traum, mein Land bei Olympia vertreten zu dürfen. Dafür werde ich alles tun“, versichert Kuuba in ihrer Email.

Fikri Hadmadi spielt eine starke Saison für Freystadt. Fotos: Mehlich (2)
Fikri Hadmadi spielt eine starke Saison für Freystadt. Fotos: Mehlich (2)

Beim Bundesligisten TSV Freystadt, der mit vergleichsweise niedrigem Etat bislang eine starke Saison in Deutschlands bester Badmintonliga spielt, würden sie sich freilich freuen, sollte sich Kuuba ihren Traum erfüllen. Wohlwissend, dass es für den Verein dadurch deutlich schwerer wird, die im Einzel und Doppel flexibel einsetzbare Angriffsspielerin über die laufende Saison an sich zu binden. Da ist sie wieder, die Zerrissenheit im Badmintonsport.

Und so freut sich Pistorius auch für seinen TSV, dass Jenny Moore ebenfalls bereits in Estland die Koffer packen musste und am Sonntag zum Rückrundenstart „sicher für uns spielen wird“. Um nicht in den Strudel des Abstiegskampfs zu geraten, wollen die Oberpfälzer in Wipperfeld unbedingt punkten.

Am liebsten auch mit Kristin Kuuba, ihrem Glücksfall aus Estland.

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