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FCN: Ein Punkt, viele Aufreger

Nach dem 1:1-Remis zwischen dem Club und Leverkusen herrschte viel Redebedarf. Vier besondere Aspekte im Überblick.
Von Daniel Frasch

Nürnbergs Tim Leibold (l) kämpft mit Leverkusens Lars Bender (r) um den Ball. Foto: Nicolas Armer/dpa (2)
Nürnbergs Tim Leibold (l) kämpft mit Leverkusens Lars Bender (r) um den Ball. Foto: Nicolas Armer/dpa (2)

Die Wasserschlacht: Der Anpfiff des Spiels war fragwürdig:

„Ich hätte die Partie nicht angepfiffen“, schimpfte Rudi Völler im Anschluss an das 1:1 zwischen dem Club und Bayer 04 bei Eurosport. Nein, diese Meinung hatte Leverkusens Sportdirektor nicht exklusiv. Völler sprach aus, was viele der 32238 Zuschauer im Max-Morlock-Stadion dachten.

Vor allem um und in den Strafräumen blieb der Ball häufig abrupt in Wasserpfützen liegen, eine sichere Einschätzung, welche Richtung und Geschwindigkeit der Ball nehmen würde, war den Spielern nicht möglich. Leverkusens Trainer Heiko Herrlich sprach gar von „irregulären Bedingungen“, die seiner Mannschaft „Geschwindingkeits- und Technikvorteile nahmen“.

Reaktionen auf Twitter zum Dauerregen während des Spiels:

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus sah dies anders, ihrer Meinung nach war der Rasen bespielbar. Erinnerungen wurden wach an die Partie zwischen dem FCN und dem VfL Wolfsburg 2008. Damals hatte der Unparteiische Jochen Drees die Partie bei sehr ähnlichen Platzbedingungen zur Pause abgebrochen. Drees‘ Begründung damals: „Der Ball blieb liegen oder wurde bei Pässen unberechenbar schnell. Die Spieler hatten keinen festen Stand mehr, normale Laufwege waren nicht mehr möglich, weshalb ich die Partie daraufhin abbrechen musste.“

Die Schiedsrichterin: Keine glückliche Figur von Bibiana Steinhaus:

Auch wenn ihr keine groben oder gar spielentscheidenden Schnitzer unterliefen, so wirkte Bibiana Steinhaus in ihrem achten Bundesligaspiel alles andere als souverän. Zögerliche Pfiffe sorgten für Verwirrung auf den Rängen, Vorteilsauslegungen waren teilweise nicht nachvollziehbar. Ebenso wie ihre Entscheidung, die Partie trotz des Dauerregens in Franken überhaupt anzupfeifen. Insbesondere in den beiden Sechzehnern nahm die Rutschbahn des Balles immer wieder nicht vorhersehbare Änderungen an. Schüsse blieben abrupt vor den Torhütern liegen, ansehnlicher Fußball war unter diesen Bedingungen unmöglich.

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wollte nicht diskutieren.
Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wollte nicht diskutieren.

Die 39-Jährige hatte trotzdem Grund zur Freude: Nach 2013, 2014 und 2017 wurde sie bei der Abstimmung der International Federation of Football History & Statistics (IFFHS) bereits zum vierten Mal zur Weltschiedsrichterin des Jahres gekürt. „Ich bin unglaublich dankbar für dieses positive Feedback und möchte diesen Award mit all den Menschen teilen, die mich Woche für Woche fördern und coachen. Für diese Unterstützung möchte ich mich ausdrücklich bedanken“, ließ sich die Polizeibeamtin auf der Internetseite des DFB zitieren.

Der Fanboykott: Die Nordkurve verlieh den Zielen Nachdruck:

Die Stimmung in den ersten 45 Minuten gegen Bayer Leverkusen passte zu diesem verregneten und ungemütlichen Montagabend. Große Teile der Nürnberger Nordkurve blieben bis zur Pause ebenso leer wie der Leverkusener Gästeblock über die gesamte Spielzeit. Die Protestaktion war lange angekündigt und wurde durchgezogen, obwohl es kurz zuvor von Seiten der Deutschen Fußball Liga das Bekenntnis gab, ab der Spielzeit 2021/22 die Montagspiele wieder abzuschaffen.

„Natürlich will die DFL damit der drohenden Protestwelle Wind aus den Segeln nehmen und gleichzeitig das bundesweite Fanbündnis möglichst deppert dastehen lassen“, heißt es dazu in einem Kommentar des Magazins Nürnberger Fankultur yabasta, der fortführt: „Aber wir werden uns nicht von solchen Lippenbekenntnissen blenden lassen. Bis der neue TV-Vertrag nicht unterschrieben und veröffentlicht ist, dürfen wir von diesen Herren nichts glauben oder erwarten.“

Die Fans machten Gebrauch von ihrem Recht, für ihre Interessen zu kämpfen und diesen durch Protestaktionen Nachdruck zu Verleihen. Wie sehr der Club-Mannschaft jedoch die Unterstützung fehlte, machte der zweite Durchgang deutlich, als die Franken mit den Fans im Rücken druckvoller, mutiger und angriffslustiger nach vorne spielten.

Das Startelf-Debüt: Durchwachsener Auftritt von Goden:

Rund drei Monate musste Kevin Goden auf seinen zweiten Profi-Einsatz für den Club warten: Anfang September schnupperte er beim 1:1 gegen Mainz die ersten beiden Minuten Bundesligaluft, gegen Leverkusen brachte Trainer Michael Köllner den 19-Jährigen gleich von Beginn an. Nach der Verletzung von Enrico Valentini und der Gelb-Rot-Sperre von Robert Bauer kam Köllner auf der Rechtsverteidigerposition nicht um den Sommerneuzugang des 1. FC Köln herum.

Kevin Goden (FCN) gab sein Startelf-Debüt. Foto: ISPFD/EIBNER
Kevin Goden (FCN) gab sein Startelf-Debüt. Foto: ISPFD/EIBNER

Dem deutschen U-19-Nationalspieler war die Nervosität insbesondere im ersten Durchgang deutlich anzumerken. So auch in der 29. Spielminute, als er mit seinem Fehlpass die Leverkusener Führung durch Kai Havertz (29.) einleitete. Auch nicht berauschend sahen die Statistiken des gebürtigen Bonners aus: Nur 33 Prozent gewonnener Zweikämpfe und eine Passquote von 42 Prozent lassen nicht gerade von einem gelungenen Startelfdebüt sprechen, wenngleich natürlich die Rahmenbedingungen der Partie keine einfachen waren.

„Ich habe mich sehr gefreut, dass ich heute erstmal von Beginn an spielen durfte“, sagte Goden hernach sichtlich erleichtert über den Punktgewinn.

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