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Sport aus Neumarkt
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Stadion Nürnberg

Grundig oder Max Morlock?

Das Stadion in Nürnberg bekommt einen neuen Namen. Seit heute steht fest: Der Vertrag mit dem neuen Sponsor Grundig läuft bis 2017. Fans hätten lieber ein Max-Morlock-Stadion.
von Gerd Schlittenbauer

Das Nürnberger Stadion bekommt einen neuen Sponsor und wird Grundig-Stadion heißen.

Nürnberg. Nach langwierigen Verhandlungen hat das Nürnberger Stadion einen neuen Namen. Seit gestern heißt das einstige Frankenstadion nun offiziell Grundig-Stadion. Nach Gesprächen mit zuletzt vier Interessenten hat die zuständige Stadion Nürnberg Betriebs GmbH der Nürnberger Firma Grundig Intermedia den Zuschlag gegeben.

„Die Partnerschaft gilt ab sofort“ sagte Stadion-Hausherr Alfred Diesner. Den Ausschlag für die Entscheidung habe die „Regionalität und das positive Image von Grundig“ gegeben. Grundig ist Gerätehersteller für Unterhaltungselektronik und neuerdings auch von Haushaltshelfern. Der Vertrag beginnt – trotz der sofortigen Umbenennung – offiziell erst am 1. Juli und gelte zunächst für vier Jahre.

Grundig war Trikotsponsor

Die Firma Grundig war bereits in den 70er Jahren Trikot-Sponsor des 1. FC Nürnberg. Nun habe sich die Nachfolgegesellschaft des 2003 Pleite gegangenen TV- und Radioherstellers, die Grundig Intermedia, für das Sponsoring des Stadionnamens entschieden.

Hinter den Kulissen ist von rund 800.000 Euro pro Saison die Rede, die allerdings keiner offiziell bestätigen wollte. Intermedia-Chef Murat Sahin, nach eigenen Angaben selbst schon Clubfan, engagiert sich bereits seit 2011 mit Bandenwerbung und technischer Ausstattung.

Mit dabei war auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. Er erinnerte daran, dass in manchen Fan-Kreisen „grundsätzlich die Kommerzialisierung von Stadionnamen beklagt“ werde. Dem könne er „vom Herzen zustimmen, der Kopf sagt aber nein“.

Um die Umbaukosten zur damaligen WM zu stemmen, habe die Stadt „keine Sozialbudgets“ umgewidmet, sondern das Stadion müsse die Kosten selbst tragen. Zwar habe die einstige Insolvenz von Grundig „die ganze Region in eine depressive Stimmung versetzt“. Umso schöner sei es nun, dass sich Grundig Intermedia nun das Namenssponsoring leisten könne.

Die Fans, die wir zum neuen Namen befragten, liebäugeln alle mit dem Namen „Max-Morlock-Stadion“. Sie sehen allerdings auch ein, dass es bei diesem Thema rein um finanzielle Aspekte geht, auch wenn der Löwenanteil wohl der Stadion-Betriebs-GmbH und der Stadt Nürnberg zugute kommt und weniger dem Verein 1. FC Nürnberg. So lud die Betreibergesellschaft gestern auch zu der Pressekonferenz, Vertreter des 1. FC Nürnberg waren lediglich anwesend. „Wir sagen sei jeher: Wir gehen zum Club raus“, sagt Michael „Jackson“ Meyer, Vorsitzender des FCN-Fanclubs Zappa 98 Rohr und Beisitzer in der Vorstandschaft der Fanclub-Betreuung im Bezirk 6. Dabei sei es immer ziemlich unerheblich gewesen, ob es Frankenstadion, Städtisches Stadion oder easyCredit-Stadion geheißen habe. Meyer hat in seinem Ehrenamt viel mit den Fans zu tun und sagt: „Ich verstehe auch die Aktivisten, wenn sie die Legende Max Morlock weiterleben lassen wollen, es ist ein verdienter Spieler“. Der finanzielle Aspekt hingegen sei „eine andere Geschichte“. Meyer hätte es als „tolle Geschichte“ gesehen, wenn ein „altehrwürdiger Spieler“ zu solchen Ehren gelangt wäre, allein: Er hat „die Hoffnung aufgegeben“. Die vielen Demos hätten keinen Sinn, weil die Verantwortlichen nichts davon hören wollten.

Die Aktivisten hätten die Idee gehabt, 1,50 Euro pro Zuschauer zu verlangen. Michael Meyer weiß, dass der Club pro Saison rund 700000 Zuschauer hat, die – wenn sie alle den Obolus berappen würden, wie es die Aktivisten vorschlagen – annähernd dieselbe Summe aufbrächten als ein Namenssponsor. Der Haken ist nur: Alle Zuschauer müssten die 1,50 Euro zusätzlich berappen – und dies sieht Meyer als unrealistisch: „Das wäre ein Problem. Ich glaube kaum, dass viele Zuschauer bereit wären, mehr zu zahlen. Ein Stadionbesuch ist sowieso schon recht teuer, zudem mit Familie und die Gruppierung der eigentlichen Aktivisten ist wohl doch verhältnismäßig klein“.

Den Namen „Grundig-Arena“ findet Michael Meyer nicht schlecht: „Dabei denkt man doch in erster Linie an Nürnberg, das ist glücklicher als easyCredit. Wenn es schon nur ums Geld geht, dann finde ich es noch die beste Lösung“.

„Es ist eben ein reiner Geschäftsprozess“, sagt Martin Feßmann, Vorsitzender des FCN-Fanclubs Stammtisch 2004 Neumarkt. „Der Name Max Morlock hat wenig Chancen und kommt wohl nicht durch. Da bringt man nicht genug Geld zusammen“. Feßmann hätte lieber ein „Frankenstadion“ oder „Max-Morlock-Stadion“ gehabt. Allerdings sieht er den Namen „Grundig“ „ein bisschen verträglicher“ als easyCredit: „Das hat wenigstens etwas mit Franken zu tun“. Letztendlich sei der Name aber vielen Leuten „wurscht“: Man gehe eben einfach „zum Club“.

„Zwei Herzen in einer Brust“ schlagen bei Lothar Baierschmidt vom Fanclub in Berching: „Ich finde es okay, dass es eine Initiative für Max Morlock gibt, die hat aber keine Chance. Einerseits sollte der Club an der Tradition festhalten, andererseits „braucht er aber so viel Geld“. Schlißlich gebe es nicht nur Stimmen für Max Morlock – auch der Name Heiner Stuhlfauth wurde für das Stadion schon gefordert.

Und außerdem gäbe es noch die Möglichkeit „Stadion am Dutzendteich“. Bei dem Namen Grundig identifiziere man sich immerhin mit Nürnberg, „das klingt gut – easy Credit war für Franken ein Problem“. Grundig sei ja erst der zweite Namensgeber überhaupt, früher sei man lange Jahre ins „Städteische Stadion“ gefahren. Ein wenig scherzhaft meint Lothar Baierschmidt: „Wenn wir in der Tabelle wieder einmal vor der Allianz-Arena stehen würden, wäre es mir egal, ob als Grundig Arena oder als Max-Morlock-Stadion!“.

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