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Wichtiger Schub fürs Kegeln in Neumarkt

Zwar sind viele Aktive älter als 50 Jahre, in Berg gibt es aber derzeit einen Jugendtrend und beim ASV Neumarkt Spitzensport.
Von Thorsten Drenkard

Beim DJK-SV Berg hat sich erstmals seit Jahrzehnten eine Jugendmannschaft zusammengefunden. Eine Entwicklung, die nicht nur den Verein selbst freut. Foto: Stepper
Beim DJK-SV Berg hat sich erstmals seit Jahrzehnten eine Jugendmannschaft zusammengefunden. Eine Entwicklung, die nicht nur den Verein selbst freut. Foto: Stepper

Neumarkt.Zuletzt hat sich Oliver Durin ärgern müssen. In einem Bericht einer großen Tageszeitung mit vier Buchstaben wurde wieder einmal ein Abgesang auf den von ihm so sehr geliebten Kegelsport angestimmt.

Der Sportwart des Kegelbezirks Mittelfranken und die Sportkegler im Kreis Altdorf, in dem sich die Mehrzahl der Neumarkter Vereine messen, sind es mittlerweile fast schon gewohnt, dass über ihren Sport in unregelmäßigen Abständen immer im Zusammenhang mit dem Wort „Krise“ berichtet wird.

Bevor die Nachwuchskegler zu den Kugeln greifen dürfen, wird gedehnt. Foto: Stepper
Bevor die Nachwuchskegler zu den Kugeln greifen dürfen, wird gedehnt. Foto: Stepper

Doch dieser jüngste Artikel empörte Durin besonders. „Das war einfach nicht recherchiert. Da wurde Gesellschafts- mit Sportkegeln zusammengeworfen“, kritisiert der Chef des heimischen Kegelbezirks – doch das seien zwei nicht vergleichbare Kegelwelten.

Durin ist es leid, sich und seine Kegelkollegen den immer gleichen Vorurteilen ausgesetzt zu sehen. Er kennt die nervigen Sprüche aus leidiger Erfahrung. „Da heißt es dann gerne: Bei Euch wird doch eh nur gefeiert, getrunken und gesungen – aber das stimmt einfach nicht. Sportkegeln ist ein Leistungssport!“, insistiert Oliver Durin entschieden.

Alkohol ist verboten

Alkohol sei beim Sportkegeln, im Gegensatz zum geselligen Kegeln in feierfreudiger Arbeitskollegenrunde, ein Tabu. Saufen und auf höchstem Niveau kegeln – das passt schließlich nicht zusammen, so einfach und logisch. Körperliche Fitness und Konzentration seien für einen erfolgreichen Kegler unentbehrlich, weiß Durin.

Was ebenfalls für das langfristige Bestehen des Sportkegelns unverzichtbar ist, sind Kinder und Jugendliche, die sich auf die Bahnen in den Sportheimen und Gaststätten der Region begeben und dort mit Begeisterung ihre Kugeln auf Hölzer schieben. Davon gibt es aber in ganz Deutschland seit Jahren immer weniger, auch im Kegelbezirk Mittelfranken.

Wissenswertes zum Sportkegeln im Bezirk:

Sportkegeln im Bezirk

  • Der Bezirk Mittelfranken

    ist in sechs Kreise aufgeteilt, zu dem der Kreis Altdorf zählt, in dem die Neumarkter Vereine kegeln.

  • Derzeit kegeln rund

    1900 Sportkegler im Bezirk Mittelfranken in t etwa 60 Frauen-, 200 Männer- und 50 gemischten Teams.

  • Etwa neun Prozent

    der aktiven Mitglieder sind Jugendliche bis 18 Jahre, rund 50 Prozent im Alter zwischen 18 und 50 Jahre und gut 40 Prozent sind über 50 Jahre alt. Knapp 20 Prozent aller Sportkegler sind Mädchen und Frauen.

  • Die am höchsten

    spielenden Mannschaften: Die Frauen des FSV Erlangen-Bruck kegeln in der 1. Bundesliga, die Herren vom ASV Neumarkt sind jüngst in die 1. Bundesliga aufgestiegen.

Das sei ein Umstand, der sich zwar nicht gravierend von anderen Sportarten unterscheide, so Durin, ändere aber nichts daran, dass sich gerade hier etwas zum Besseren ändern muss. Denn ohne Nachwuchs gibt es keine Zukunft, das ist simple Mathematik.

Neben den insgesamt 310 Erwachsenen-Mannschaften im Bezirk (Herren, Damen, Gemischt) gibt es 22 Jugendteams, aufgeteilt in die Altersklassen U18 und U14 in einem Jugendspielbetrieb. Weiterhin betreiben 13 Jugendliche im Alter bis zehn Jahre diesen Sport auf Turnierbasis.

Wissenswertes rund ums Kegeln:

Wissenswertes rund ums Kegeln

Acht davon haben sich mittlerweile beim DJK-SV Berg zusammengefunden, dem das seltene Kunststück gelungen ist, Kinder und Jugendliche für das Sportkegeln zu begeistern. „Das ist natürlich eine Entwicklung. über die wir uns freuen“, sagt der Bezirks-Boss Durin. Auch beim DJK-SV sind sie stolz, erstmals seit Jahrzehnten wieder Kinder an das Kegeln heranzuführen.

Es ist das Ergebnis hartnäckiger Werbung und Arbeit, unter anderem von den beiden Abteilungsleitern Hubert Kerschensteiner und Johann Stepper. Nun ist es gelungen, eine B-Jugend-Mannschaft zu gründen, die im Herbst an der Punkterunde im Bezirk Mittelfranken teilnehmen wird.

Hubert Kerschensteiner, Abteilungsleiter beim DJK-SV Berg Foto: Stepper
Hubert Kerschensteiner, Abteilungsleiter beim DJK-SV Berg Foto: Stepper

René Wolf und Mathias Skupien, die beide in der ersten Berger Herren-Mannschaft (Bezirksliga Mittelfranken, Gruppe Süd) kegeln, und Birgit Pruy (Spielführerin des Damen-Bezirksoberliga-Teams) haben die Jugendlichen bei den Trainingsabenden unter ihren Fittichen.

Johann Stepper erklärt: „Diese Kinder und Jugendlichen sollen in einigen Jahren, wenn wir älteren Spieler von der Kegelbühne abtreten, die Kegelsparte im DJK-Sportverein Berg weiter führen.“ 420 bis 450 Holz kegeln derzeit in 120 Schüben der „Youngster“ Jason Kocaalp (neun Jahre), die beiden zwölfjährigen Simon Pruy und Sebastian Blomeier, Lorenz Stepper (13) sowie Christoph Schraufl (14 Jahre). In den zurückliegenden Wochen hat sich die Gruppe der Nachwuchskegler auf acht junge Sportler vergrößert.

Die Jugendlichen sind mit großem Einsatz dabei. Foto: Stepper
Die Jugendlichen sind mit großem Einsatz dabei. Foto: Stepper

Der Tenor der Berger Abteilungsleiter: „Ein Verein oder eine Abteilung, die keinen Nachwuchs hat, muss sich früher oder später auflösen.“

Sollte das stimmen, sind die Aussichten für die Kegler des ASV Neumarkt – sowie die Mehrzahl der Vereine im Landkreis Neumarkt – schlecht, denn: Dort hat man schlicht keine Jugendteams.

Warum das beim ASV Neumarkt so ist, dessen erste Mannschaft am Wochenende den Aufstieg in die 1. Bundesliga klar machte, weiß Abteilungsleiter Dominik Danzl ganz genau: „Weil es schlicht brutal aufwendig ist eine Jugend aufzubauen, zusammenzuhalten und zu trainieren. Man muss es im Schulsport anbieten, an Ferienprogrammen teilnehmen. Aber dazu braucht es Leute, die das machen.“

Dominik Danzl und sein ASV Neumarkt sind in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Archivfoto: Danzl
Dominik Danzl und sein ASV Neumarkt sind in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Archivfoto: Danzl

Und von denen gibt es schlichtweg nicht genug – weder beim ASV Neumarkt, noch bei den meisten anderen Kegelabteilungen im Landkreis. Dass sich durch den Aufstieg in die erste Liga daran etwas ändern wird, zumindest beim ASV, darf bezweifelt werden.

Die Konkurrenz ist groß

Zudem muss das Sportkegeln mit einer Vielzahl an Sport- und Freizeitangeboten konkurrieren, die es den Kegelvereinen nicht leichter macht, Jugendliche für ihren Sport zu begeistern. Dabei ist es auch nicht hilfreich, dass so manche holzvertäfelten Bahnen in Sportheimkellern wenig einladend, dafür umso mehr wie aus längst vergangener Zeit wirken.

Dass ihrem Kegelsport nicht gerade die Prädikate „cool“ und „modern“ anhaften, das weiß auch Sportwart Oliver Durin. Man arbeite daran, das Image des Sportkegelns aufzuwerten. Die Umstellung vor Jahren zum 120 Wurf-Spiel, das mehr Spannung und kürzere Spielzeiten mit sich gebracht hat, sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Weitere sollen, müssen folgen, damit das Sportkegeln wieder einen Schub bekommt.

Verdient hätte es diesen allemal, findet Durin, denn beim Sportkegeln würden körperliche Fitness, Kondition, Konzentration, Körperbeherrschung, Disziplin sowie mentale Stärke gefordert und gefördert. „Bei einer Serie im Wettkampf von 120 Wurf werden so mehrere Tonnen an Gewichten ,gestemmt‘, was vielen gar nicht bewusst ist, und deshalb das Kegeln auch unterschätzt wird“, so Durin.

Er weiß auch: Bis sich konstante Erfolge einstellen, ist es ein langer Weg. Viel Training ist unabdingbar. Aber auch das zeichne Kegeln aus. Oder wie es Kegelfreund Dominik Danzl bewusst provokant sagt: „Wäre Kegeln einfach, wäre es Fußball.“

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