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Eisstockschiessen

Kohlmann prangert Fehlentwicklung an

Der Neumarkter Weitenschütze Thomas Kohlmann enttäuscht bei der DM – und übt Kritik an einem Trend in seiner Sportart.
Von Thorsten Drenkard

Thomas Kohlmann blieb hinter seinen Erwartungen zurück – wohl auch wegen der eingesetzten Laufsohle während des Wettkampfs im Weitschießen. Foto: Riess/DESV
Thomas Kohlmann blieb hinter seinen Erwartungen zurück – wohl auch wegen der eingesetzten Laufsohle während des Wettkampfs im Weitschießen. Foto: Riess/DESV

Neumarkt.Thomas Kohlmann ist angefressen. Auch einen Tag nach der Deutschen Meisterschaft (DM) im Eisstock-Weitenwettbewerb in Unterneukirchen sitzt der Frust beim Neumarkter Stockschützen tief. „Ach, hör mir auf“, winkt der 27-Jährige verbal ab, als er auf sein sportliches Abschneiden während der vier Tage bei der Bayerischen und Deutschen Meisterschaft in Oberbayern angesprochen wird.

Jeweils unter die besten sechs Schützen hatte er in beiden Wettkämpfen kommen wollen – eigentlich. Am Ende reichte es bei der Bayerischen Meisterschaft (BM) aber nur für Platz zwölf, bei der Deutschen Meisterschaft (DM) musste Kohlmann sich mit Rang neun zufrieden geben.

Schwache Ergebnisse für den ehrgeizigen Eisstockschützen des ESC Berching, der dadurch letztlich auch den erhofften Qualifikations-Lehrgang des Deutschen Eisstock-Verbands für die Europameisterschaft in Italien verpasst hat.

Zu sauber geschossen

Zum Verhängnis auf der überdachten, 133 Meter langen Asphaltbahn in Unterneukirchen wurde Kohlmann ausgerechnet seine extrem saubere Schusstechnik – so absurd das klingt.

Doch in der Vorrunde der DM am Sonntag wurde eine verhältnismäßig weiche Laufsohle (14 S orange 57 Sh. D) für die Eisstöcke der Schützen gewählt, die mit dem technisch feinen Wurfstil des kernigen Neumarkters schlecht korrespondierte.

Verständlich, dass dem Oberpfälzer diese Wahl nicht gefiel. Vor allem, da man sich im Vorfeld des Wettkampfs mit einer härteren Laufsohle eingeschossen habe, so Kohlmann.

Laut Matthias Winkler, als Wettkampfleiter zuständig für die Entscheidung, sei aber eben jene, vom gastgebenden SV Oberbergkirchen zur Verfügung gestellte Platte, „defekt gewesen“. Deshalb schließlich der Griff zur alternativen, weicheren Sohle. „Insgesamt war das nicht ganz ideal“, räumt Winkler zwar ein. Aber alles sei allemal regelkonform gewesen.

Satt aufgelegt und sauber geschossen

Thomas Kohlmann habe „extrem satt aufgelegt und sauber geschossen“, erinnert sich Winkler. „Aber das war auf dieser Bahn der falsche Schuss“. Die Laufsohle habe auf dem Asphalt in Unterbergkirchen besser zu einem unruhigen, wackligen Schuss gepasst – also genau dem Gegenteil von dem, was Thomas Kohlmann anbot.

Und genau das ärgert den jungen Familienvater. Thomas Kohlmann, mit seinen 27 Jahren ein erfahrener Eisstock-Veteran, zählt sich selbst zu jener Schule von Stockschützen, denen einst vor allem das blitzsaubere Auflegen des Stocks auf die Eis- beziehungsweise Asphaltoberfläche beigebracht und antrainiert wurde. Sauber gleich gut, so die simple Erfolgsformel von damals.

„Wenn wir so weiter machen, dann sind wir in zwei Jahren beim Speerwerfen.“

Thomas Kohlmann

Doch Kohlmann beobachtet seit geraumer Zeit einen Trend im Weitenwettbewerb, der weniger auf präzise Technik denn auf brachiale Urgewalt setze, wie er findet. „Wenn wir so weiter machen, dann sind wir in zwei Jahren beim Speerwerfen, weil wir die Stöcke nur noch weit nach vorne schmeißen“, übt sich Kohlmann in sarkastischer Kritik an der seiner Meinung nach jüngsten Fehlentwicklung im Weitenwettbewerb des Stocksports. Er ist der Ansicht: „Das kann es für unseren Sport doch nicht sein.“

Matthias Winkler stimmt ihm dahingehend zu, dass „auf vielen der neueren Bahnen unruhigere Schüsse von Vorteil sind“. Ganz anders aber als auf Kunsteis, wo Kohlmanns satt aufgelegte Würfe weiter das Ideal darstellten.

Mit diesen Zielen fuhren die Kohlmann-Brüder zu den Wettkämpfen nach Unterneukirchen.

Kohlmann will an diesem Montag nicht den schlechten Verlierer geben und erst gar nicht behaupten, dass er sich mit einer härteren Platte ins DM-Finale tags zuvor geschossen hätte, „denn die Jungs haben alle Top-Leistungen gezeigt. Das wäre schwer geworden“. Aber seine Chancen wären wohl spürbar größer gewesen, mutmaßt Kohlmann. Umso bitterer für Kohlmann, der letztlich 104,77 Meter schoss: Im Finale der besten Sechs sei mit der von ihm bevorzugten, härteren Laufsohle geschossen worden. „Das ärgert mich noch einmal zusätzlich“.

Für seinen zwei Jahre älteren Bruder Michael Kohlmann (ESC Berching), im Vorjahr noch Sechster der DM, war der Familienausflug gen Unterbergkirchen aus sportlicher Sicht gar bereits am Freitag vorbei. Als 13. der Bayerischen Meisterschaft verpasste er mit 115,96 Metern die Qualifikation für die DM am Sonntag um einen Platz. Noch so eine herbe Enttäuschung für einen Kohlmann an diesem Wochenende. Thomas Kohlmann war als BM-Zwölfter (117,24 Meter) wenigstens noch als letzter Teilnehmer ins DM-Feld gerutscht.

Das ist Eisstock-Weitschießen

Auch wenn das Wochenende aus sportlicher Sicht für das Neumarkter Bruderpaar Kohlmann ein Flop war, so war es laut Thomas Kohlmann dennoch „ein schöner Kurzurlaub“. Denn er war nicht nur mit seinem Bruder im verschneiten Oberbayern. Er hatte auch seine Frau Bianca und Töchterchen Paula dabei. „Das war prima!“.

Aus den frustrierenden Sportergebnissen der jüngsten Tage zieht Thomas Kohlmann vor allem eines – enorme Motivation: „Ich möchte jetzt noch einmal richtig angreifen.“ Der Satz klingt entschlossen, beinahe wie eine Drohung. Seine Ziele sind ehrgeizig.

Bei der Bayerischen sowie der Deutschen Meisterschaft nächstes Jahr „möchte ich jeweils auf‘s Stockerl“. Dafür werde er hart trainieren. Ebenso für die WM 2020, für die er sich unbedingt qualifizieren will. „Denn wenn ich etwas mache, dann ganz oder gar nicht“, sagt Kohlmann.

Er hört sich nun nicht mehr angefressen, sondern wild entschlossen an.

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