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Crossfit

Mit Cindy, Helen und Fran bis ans Limit

Crossfit kombiniert Gewichtheben, Turnen und Ausdauer. Ein Trio bringt die härteste Trainingsmethode der Welt nach Neumarkt.
Von Thorsten Drenkard

Kopfüber ins Abenteuer: Markus Tischler (v.l.), Katja-Marina Hilgart und Patrick Zoremba wollen die erste Crossfit-Box in Neumarkt eröffnen.
Kopfüber ins Abenteuer: Markus Tischler (v.l.), Katja-Marina Hilgart und Patrick Zoremba wollen die erste Crossfit-Box in Neumarkt eröffnen. Foto: Drenkard

Neumarkt.Patrick Zoremba warnt: „Crossfit lässt dich nicht mehr los. Es macht schon irgendwie süchtig“, sagt der 27-Jährige. Er lächelt wissend. Katja-Marina Hilgart (28 Jahre) und Markus Tischler, seine Geschäftspartner, stimmen ihm mit Kopfnicken zu.

Das freundliche Trio erweckt aber nicht den Anschein, als litte es darunter, ein ambitionierter, kräftiger Teil der boomenden Fitnesstraining aus den USA zu sein – im Gegenteil: Wohldefinierte Waschbrettbäuche, muskulöse Arme und Beine zeugen eindrucksvoll von der Wirksamkeit des Crossfit-Virus. Der 47-jährige Tischler stieß vor drei Jahren zum Crossfit. Heute sagt er: „Es hat mein Leben verändert.“ Gewiss nicht zum Schlechten.

Hilgart, Tischler und Zoremba leben Crossfit – und wollen es künftig auch arbeiten: Am Sonntag eröffnen sie um 10 Uhr die erste Crossfit-Box (Trainingshalle) in Neumarkt. Seit Mai schuftete das Trio für seinen Traum – bohrte, hämmerte und strich. Schwitzen für den gemeinsamen Traum.

„Es hat mein Leben verändert.“

Markus Tischler über Crossfit

Der ehemalige Turner Greg Glassmann entwickelte in den 80er-Jahren das Crossfit-Konzept, Mitte der 90er eröffnete die erste Box in Santa Cruz. Crossfit war anfangs vor allem als Fitnesstraining für Polizisten gedacht.

Der anspruchsvolle Drill ist eine extreme Variante des Zirkeltrainings, in dem unter anderem Trainingsmethoden aus dem Gewichtheben, Turnen oder der Leichtathletik angewandt werden. Das Ziel: Die ganzheitliche Fitness des Crossfitters, dessen Ausdauer, Schnellkraft und Maximalkraft durch das Training gleichermaßen erhöht werden sollen. „Crossfit-Training ist hoch intensiv. Bei den Übungen sollte man immer an sein Limit, an die Kraft-, Ausdauer- und Kraftausdauergrenzen gehen“, sagt Crossfit-Trainer Zoremba.

Das Crossfit-Trio freut sich darauf, seine Kunden rundum ins Schwitzen zu bringen.
Das Crossfit-Trio freut sich darauf, seine Kunden rundum ins Schwitzen zu bringen. Foto: Drenkard

Trainingsübungen (Work-outs) wie beispielsweise Kreuzheben, Kniebeugen mit Hanteln, Klimmzüge werden in Runden, auf Zeit oder in Intervallen ausgeführt. Die Work-outs dauern nur zwischen acht bis 20 Minuten – und dennoch gilt Crossfit als das härteste Training der Welt. Auch von Polizei-, Feuerwehr- und militärischen Organisationen wird es als Teil ihres Fitnessprogramms eingesetzt.

Manche Work-outs tragen verführerische Namen wie Cindy, Helen oder Fran. Dabei sind die Damen mörderisch. Sie verlangen den Crossfittern Schweiß und Qualen ab, erst dann sind sie zufrieden. Eine Cindy fordert beispielsweise fünf Klimmzüge, zehn Liegestütze und 15 Kniebeugen – und das bei so vielen Wiederholungen wie in 20Minuten möglich. Autsch!

Doch beim Crossfit ist man nicht allein. Die ganze Schufterei teilt man mit seinen verschwitzten Leidensgenossen. Die Gemeinschaft, die Community, ist beim Crossfit extrem ausgeprägt – der Zusammenhalt groß. Aber auch die Competition, der Vergleich untereinander, ist ausgeprägt.

Pistol (einbeinige Kniebeuge): Dadurch trainiert man Kraft, Balance, Koordination und Flexibilität. Ankerpunkt ist der am Boden stehende Fuß. Besonders durch das Vorbeugen während der Übung verschiebt sich der Körperschwerpunkt.
Pistol (einbeinige Kniebeuge): Dadurch trainiert man Kraft, Balance, Koordination und Flexibilität. Ankerpunkt ist der am Boden stehende Fuß. Besonders durch das Vorbeugen während der Übung verschiebt sich der Körperschwerpunkt. Fotos: Hilgart

Tischler: „Man baut Freundschaften auf. Es schweißt einfach zusammen, wenn man sich gemeinsam quält.“ Hilgart gefällt auch, dass „man sich bei den Work-outs gegenseitig anfeuert“. Was wiederum weniger Tischlers Sache ist: „Ich will nicht angefeuert werden – das bedeutet, dass ich der Letzte bei einer Übung bin.“ Er lacht und meint es dennoch ernst. Denn wer Crossfit betreibt, ist nicht nur Generalist, der in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance und Koordination überdurchschnittlich fit ist. Crossfitter sind auch ehrgeizig. Aufgeben?! Keine Chance!

Diese Erfahrung hat auch Alfred Bechthold gemacht. Der 76-Jährige ist kein Crossfitter, hat nie eine Box betreten. Aber er kennt sich bestens mit Kraftsport aus, trainiert seit Jahrzehnten erfolgreich die Gewichtheber des ASV Neumarkt. Und die ASV-Bayernliga-Riege verstärken seit vier Jahren auch Benjamin Gehrmann und Christoph Betz, die beide vom Crossfit zum Gewichtheben gekommen sind.

Bechthold schätzt sich glücklich, das Duo in seinen Reihen zu wissen – denn: „Unsere beiden Crossfitter sind furchtbar nette Kerle, aber auch besonders ehrgeizig. Die kann man nicht tot machen.“ Bechthold adelt Crossfit als „aktuell wohl das beste Fitnesstraining“, weil es eben nicht einseitig, sondern ganzheitlich den Körper trainiere.

Ringdips (Ringe): Beim Absenken müssen die Schultern unterhalb der Spitze des Ellbogens sein (Ellbogen mindestens 90 Grad abgewinkelt), beim Strecken müssen die Ellbogen vollkommen ausgestreckt sein und die Ringe Nahe am Körper.
Ringdips (Ringe): Beim Absenken müssen die Schultern unterhalb der Spitze des Ellbogens sein (Ellbogen mindestens 90 Grad abgewinkelt), beim Strecken müssen die Ellbogen vollkommen ausgestreckt sein und die Ringe Nahe am Körper.

Apropos Training: Mit gewöhnlichen Fitnessstudios haben die Crossfit-Boxen wenig gemein. So auch die 290 Quadratmeter große Halle in der Goldschmidtstraße 54 in Neumarkt, in der sich das Trio seinen Crossfit-Traum verwirklichen will. Schnickschnack wie Fitnessräder mit Fernseher, Wandspiegel oder Wellness- und Saunabereiche findet man in keiner Box weltweit – auch nicht in Neumarkt. Crossfit ist rustikal, auf das Wesentliche reduziert: Klimmzugstangen, Hanteln, Medizinbälle, Kletterseile, Ringe und Rudergeräte, das ist die schlichte Basis für die sportlichen Grenzerfahrungen.

Das Neumarkter Trio verspricht: „Beim Crossfit merkt man schnell Resultate.“ Nach vier Wochen stellten sich spür- und sichtbare Verbesserungen ein. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt der schweißtreibenden, hoch intensiven Plackerei: „Man lernt sich dabei selbst besser kennen“, findet Tischler.

„Jeder führt auf seinem jeweiligen Level den selben Workout durch.“

Markus Tischler über Crossfit

Im Vergleich zu anderen Fitnessmethoden habe Crossfit vor allem eines voraus: Sämtliche Übungen sind skalierbar. Sie können sowohl im Kraftbereich, als auch in der ausgeführten Geschwindigkeit auf die individuelle Leistungsfähigkeit des Crossfitters zugeschnitten werden. Wie ein maßgeschneiderter Anzug, der perfekt am Träger sitzt. „Jeder führt auf seinem jeweiligen Level den selben Workout durch.“ Deshalb könne jeder, mit einer gewissen Grundfitness, crossfitten.

Immer mehr Menschen schließen sich dieser globalen Fitness-Bewegung an. Es gibt mittlerweile einen weltweiten Wettkampf der Fittesten unter den Fitten – die Crossfit Games, die zuletzt in den USA ausgetragen wurden.

Auch immer mehr Deutsche wollen ihre Körper durch den knallharten Fitness-Drill stählen. Hierzulande versechsfachte sich die Zahl der Crossfit-Boxen in den vergangenen vier Jahren. Aktuell schinden sich mehr als 23000 Crossfitter in mehr als 190 Boxen in der Republik. Jetzt kommt in Neumarkt eine weitere dazu.

Crossfit, eine geschützte Marke

Crossfit ist auch ein lukratives Business, die Marke ist geschützt. Wer unter ihrem Namen eine Box eröffnen möchte, so wie es das Neumarkter Trio tut, muss jährlich 3000 US-Dollar an das US-Unternehmen zahlen.

Crossfit ist nicht billig, soll es auch nicht. „Wir bieten ein Premium-Produkt an“, sagt Zoremba. Wer dreimal wöchentlich an den Work-outs teilnehmen möchte, zahlt 90 Euro, ein Monatsvertrag kostet 30 Euro. Für jeden, der einmal hineinschnuppern möchte, bietet die Neumarkter Crossfit-Box einen Gratiseinheit an.

Slamball (Medizinball): Man hebt den Ball über den Kopf und schmettert ihn mit Schwung auf den Boden. Die Füße stehen schulterbreit auseinander und beim Hochheben des Balles werden die Arme bis über den Kopf gestreckt.
Slamball (Medizinball): Man hebt den Ball über den Kopf und schmettert ihn mit Schwung auf den Boden. Die Füße stehen schulterbreit auseinander und beim Hochheben des Balles werden die Arme bis über den Kopf gestreckt.

Dafür erlernen die Crossfitter in Neumarkt das Kreuzheben, Kniebeugen und Klimmzüge unter der fachlichen Anleitung der lizenzierten Crossfit-Coaches Zoremba und Tischler.

In den anfänglichen Grundlagenkursen (On Ramp-Kurse) wird das A und O im Umgang mit den Geräten und Gewichten sowie die richtige Technik bei den Übungen erlernt. Statt gleich zur gewichtbepackten Langhantel zu greifen, übt der Unerfahrene zunächst mit einem Besenstiel in der Hand. Schließlich sollen die Übungen sauber ausgeführt, Verletzungen dadurch vermieden werden.

Aber Vorsicht: Schon der Griff zum Besenstiel birgt ein gewisses Risiko – Suchtgefahr!

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Übungen beim Crossfit

  • Row (Rudern):

    In dieser zyklischen Bewegung sollte in der hinteren Position der Rücken in einem 100-Grad-Winkel zur Hüfte sein. Durch Streckung der Beine und das Heranziehen der Arme wird das Ruder dann an den Körper herangezogen.

  • Slamball (Medizinball):

    Man hebt den Ball über den Kopf und schmettert ihn mit Schwung auf den Boden. Die Füße stehen schulterbreit auseinander und beim Hochheben des Balles werden die Arme bis über den Kopf gestreckt.

  • Pistol (einbeinige Kniebeuge):

    Dadurch trainiert man Kraft, Balance, Koordination und Flexibilität. Ankerpunkt ist der am Boden stehende Fuß. Besonders durch das Vorbeugen während der Übung verschiebt sich der Körperschwerpunkt.

  • Ringdips (Ringe):

    Beim Absenken müssen die Schultern unterhalb der Spitze des Ellbogens sein (Ellbogen mindestens 90 Grad abgewinkelt), beim Strecken müssen die Ellbogen vollkommen ausgestreckt sein und die Ringe Nahe am Körper.

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