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Bogenschiessen

Neumarkter schießt bei der WM in Dublin

Oliver Obst startet bei den Titelkämpfen im Feldbogenschießen in Dublin. Der MZ verriet er, was eine ruhige Hand ausmacht.
Von Thorsten Drenkard

Egal, ob beim Feldbogen- oder dem olympischen Schießen: Oliver Obst zielt seit Jahren – hier vor drei Jahren in der Liga für Neumarkt – ganz genau.
Egal, ob beim Feldbogen- oder dem olympischen Schießen: Oliver Obst zielt seit Jahren – hier vor drei Jahren in der Liga für Neumarkt – ganz genau. Foto: Lerzer

Neumarkt.Herr Obst, sie sind bei der am 27. September startenden Weltmeisterschaft im Feldbogenschießen in Dublin dabei. Was bedeutet das für Sie?

Es ist für mich eine sehr schöne Bestätigung meiner Leistungen und eine besondere Herausforderung.

Was haben Sie sich für die Titelkämpfe vorgenommen, welche Erwartungen haben Sie?

Wenn ich bei der WM meine Leistung abrufen kann, dann stehen die Chancen nicht so schlecht, dass ich die Vorrunde überstehe und in die Finals reinkomme. Dann werden die Karten sowieso neu gemischt. Eine Ringzahl von 700 zu erreichen, wäre gut. Bei der WM-Ausscheidung habe ich 706 geschossen, bei den Deutschen Meisterschaften 710. Mein Ziel ist es, über die 700 Ringe zu kommen.

Sie haben sich viel vorgenommen?

Na ja, der Wettkampf soll ja nicht schon nach zwei Tagen für mich vorbei sein – das wäre doch schade.

Liebäugeln Sie mit einer Medaille?

Ich denke, dass die Konkurrent an der absoluten Weltspitze dafür doch zu stark ist.

Wer finanziert den Trip nach Dublin?

Die Anreise, den Flug, die Unterkunft und den Start zahlt komplett der Deutsche Schützenbund. Ich muss in diesem Fall tatsächlich nichts zahlen.

Zur Person

  • Deutsche Meisterschaft:

    Im August dieses Jahres zielte der 24-jährige Oliver Obst bei den deutschen Meisterschaften (DM) im Feldbogenschießen am besten und holte sich die Goldmedaille. Im Jahr zuvor gewann er bei den DM die Silbermedaille.

  • Aktiv:

    Oliver Obst schießt seit 2002 aktiv als Bogenschütze in Neumarkt. Seit dem Jahr 2007 ist er fester Bestandteil der ersten Mannschaft des Neumarkter Vereins. Vor drei Jahren wechselte er zudem vom olympischen Bogenschießen zum Feldbogenschießen.

Was ist der Unterschied zwischen Feldbogenschießen und dem olympischen Bogenschießen?

Beim olympischen Wettbewerb dauert der Wettkampf einen halben Tag und man schießt immer aus 70 Metern Entfernung aus selber Position auf die selbe Scheibe. Beim Feldbogenschießen ist man zwei Tage lang von morgens bis abends im Feld beziehungsweise Wald unterwegs und schießt auf unterschiedlich große Scheiben, die sich in einer Entfernung von zehn bis 60 Metern befinden. Nur bei der Hälfte der Scheiben weiß man tatsächlich, wie weit sie entfernt sind. Manche der 24 Scheiben eines Parcours stehen auch schräg. Es geht hier also viel mehr um Ausdauer. Außerdem muss man sich Scheibe für Scheibe neu einstellen, da muss gleich der erste Schuss passen, während in der Olympischen Disziplin vor allem der Rhythmus im Vordergrund steht.

Wenn Sie den ganzen Tag bei einem Wettkampf im Wald unterwegs sind, was haben Sie denn da so alles an Gepäck und Verpflegung dabei?

Ich habe einen Rucksack dabei, auf den man sich auch draufsetzen kann – das ist zwischendurch mal ganz gut. Ansonsten habe ich eine Regenjacke, Unterzieher, Handwärmer und eine Mütze dabei. Zum Essen meist ein Schinkenbrot, kleine Salamis und Nüsse. Und eine Flasche Wasser.

Und was ist, wenn man mal muss? Geht es dann einfach in den Wald, oder gibt es auf den Parcours Toiletten?

Normalerweise sind zwei Toiletten aufgestellt. Man muss also nicht in den Wald.

Wie viele Pfeile feuern Sie pro Woche ab?

Das ist unterschiedlich. Momentan trainiere ich wegen meines Studiums in Kassel leider nicht so oft, wie ich eigentlich müsste. Das geht wegen meines Maschinenbaustudiums, in dem ich momentan Prüfungen habe, leider nicht. Aber pro dreistündiger Einheit sind es mal 100, mal 200 Pfeile. Ich schieße lieber weniger, dafür muss die Qualität der Schüsse stimmen.

Wie klappt bei Ihnen der Spagat zwischen Sport und Studium?

Es ist immer ein Zwiespalt. Einerseits weiß man, dass man für seinen Sport mehr machen sollte. Andererseits hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich für die Klausuren zu wenig lernen würde.

Das Studium hat im Vergleich zum Bogenschießen die Nase vorne?

Nun ja, irgendwann muss ich auch mal Geld verdienen und mit dem Bogenschießen wird das nix. Davon kann man in Deutschland nicht leben.

Sie schießen seit Jahren auch für die Neumarkter Bogenschützen nach den olympischen Richtlinien. Sie sind mit dem Neumarkter Team heuer wieder in die Bundesliga aufgestiegen – was ist da in dieser Saison möglich?

Gott sei Dank sind wir wieder aufgestiegen. Wenn wir heuer unter die ersten vier Teams kommen würden und zum Finale fahren, wäre das schon ganz gut.

Wie sehen Sie das Neumarkter Bundesligateam aufgestellt?

Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Leuten. Mein Bruder Fabian hat sich im vergangenen Jahr sehr gut eingefügt, da hat er mich sehr positiv überrascht. Insgesamt haben wir in der Mannschaft viel Potenzial.

Oliver Obst (M.) greift in dieser Saison wieder mit den Bogenschützen Neumarkt in der Bundesliga an.
Oliver Obst (M.) greift in dieser Saison wieder mit den Bogenschützen Neumarkt in der Bundesliga an. Foto: Seibold

Klingt ambitioniert?

Nur das Ziel auszugeben, die Klasse halten zu wollen, ist nicht sehr ehrgeizig. Man sollte zwar keine utopischen Ziele formulieren, aber größere, für die man sich anstrengen muss, um sie zu erreichen.

Dann sind Sie eher sehr ehrgeizig, oder?

Ja, ich bin ehrgeizig. Wenn ich im Wettkampf antrete, dann möchte ich auch das Beste dabei herausholen.

Und wenn das einmal nicht nach Ihren Vorstellungen klappt, sind Sie dann auch Ihr größter Kritiker?

Wenn ein paar Schüsse daneben gehen, dann bin ich schon schnell unzufrieden.

Ihr jüngerer Bruder Fabian schießt mit Ihnen in der Bundesliga-Mannschaft des ASV Neumarkt. Gibt es da auch ein Duell unter Brüdern?

Dass mein kleiner Bruder in einem Wettkampf besser schießt als ich, das geht gar nicht (lacht). Im vergangenen Jahr war er am ersten Wettkampftag bis zur Hälfte tatsächlich besser als ich, da musste ich dann zulegen und ihm zeigen, wer der Bessere ist (lacht).

Was macht einen guten Bogenschützen aus, worauf kommt es an?

Entscheidend ist, was sich im Wettkampf im Kopf abspielt – das ist das Allerwichtigste. Wenn man vom Kopf her nicht bereit ist zu treffen, dann wird es auch nichts. In der Spitze gibt es bei den besten Schützen kaum einen Unterschied in der Technik. Am Ende kommt es darauf an, wer am besten seine Nervosität im Griff hat.

Im August holte sich Oliver Obst (r.) den deutschen Meistertitel im Feldbogenschießen.
Im August holte sich Oliver Obst (r.) den deutschen Meistertitel im Feldbogenschießen. Foto: Lerzer

Sind Sie beim Wettkampfschießen nervös?

Na klar, aber das merkt man als Außenstehender nicht.

Wie werden Sie Herr über Ihre Nervosität?

Wichtig ist, dass man die Nervosität in etwas Positives ummünzt. Also keine Angst hat und denkt, ich darf diesen Schuss jetzt nicht verfehlen. Stattdessen sollte man sich darauf freuen zu treffen und sich sagen, dass man den Pfeil genau ins Ziel schießt.

Was ist das Schöne am Bogenschießen?

Man kann dabei, vor allem im Training, völlig abschalten, vergisst, das man vielleicht gerade für das Studium lernen müsste und ist ganz bei sich in seiner eigenen Welt.

Wann und warum der Wechsel vom WA-zum Feldbogenschießen?

Ich habe vor drei Jahren zum Spaß angefangen. Wie’s für mich mit dem Feldbogenschießen weitergeht, wird man sehen, ich habe da jetzt keine speziellen Ziele, werde aber erstmal weiter Feldbogen schießen.

Waren Sie beim Spielen als Kind eher der Cowboy oder der Indianer?

Puh, das ist so lange her, das weiß ich gar nicht mehr (lacht).

Haben Sie selbst als Kind Pfeil und Bogen gebastelt?

Mit acht Jahren habe ich mit dem Bogenschießen im Verein angefangen. Davor war ich schon mit meinem Papa und meinem jüngeren Bruder Fabian im Wald und habe Haselnussstecken zurecht geschnitzt und daraus Bogen gebaut.

Was ist der größte Feind eines Feldbogenschützen?

Das ist die falsche Ausrüstung. Wenn man zum Beispiel nicht warm genug angezogen ist, friert und kalte Hände bekommt, kann man am Ende seine Leistung nicht abrufen.

Wie weit können Sie mit Ihrem Feldbogen schießen?

Das habe ich noch nie ausprobiert. Es wäre sehr weit, genau weiß ich es aber nicht. Ich will ja auch genau treffen und nicht besonders weit schießen. Das Weiteste auf dem Platz sind 90 Meter an Entfernung, da kann man noch vernünftig drauf zielen. Generell sollte man besser nicht testen, wie weit so ein Bogen schießt – das wäre zu gefährlich.

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