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Personalie

Paukenschlag: Gerd Klaus kommt zum SVS

Der 48-Jährige wechselt im Juli für zwei Jahre ins Kloster. Coach Baumgart vermisst den Respekt und stellt sein Amt infrage.
Von Thorsten Drenkard

Gerd Klaus Foto: Eibner-Pressefoto
Gerd Klaus Foto: Eibner-Pressefoto

Seligenporten.Mit dieser überraschenden Personalie sorgt der SV Seligenporten für Aufsehen im Amateurfußball.

Die Klosterer einigten sich am Freitag mit Gerd Klaus auf eine zweijährige Zusammenarbeit. Ab 1. Juli wird der Eckentaler demnach den SVS trainieren und damit Hendrik Baumgart nachfolgen, der seit dieser Saison hauptverantwortlich den Bayernligisten trainiert und keinen neuen Vertrag erhält.

Hendrik Baumgart muss gehen. Archivfoto: Weller
Hendrik Baumgart muss gehen. Archivfoto: Weller

Karl-Heinz Tischer, Geschäftsführer der SVS Fußball GmbH, erklärte auf Nachfrage: „Durch die Verpflichtung von Gerd Klaus wollen wir uns im Verein noch professioneller aufstellen.“ Weiterhin sei die Verpflichtung Klaus‘ aber nicht als Kritik an Baumgarts Arbeit als SVS-Coach zu verstehen, so Tischer. „Hendrik leistet seit Jahren hervorragende Arbeit für den Verein. Was er aus der Mannschaft gemacht hat, die er zu Beginn der Saison übernommen hat, ist ganz hervorragend“.

Baumgart war nach dem kurzfristigen Abschied Roger Prinzens zu Saisonbeginn zum Chefcoach aufgestiegen und hatte zu Saisonstart kaum elf Spieler im ausgedünnten Bayernligakader des SVS zur Verfügung. Nach einer anfänglichen Durststrecke hat sich der SVS längst im oberen Tabellendrittel etabliert und ist derzeit Fünfter.

Für eine Weiterbeschäftigung beim SVS hat das aber nicht gereicht. Spätestens im Sommer wird Klaus übernehmen, mit dem man sich „relativ kurzfristig geeinigt“ habe, wie Tischer erklärt.

Klaus ist kein Unbekannter

Baumgart erfuhr am Freitagabend nach dem 1:0-Sieg seiner Klosterer gegen Eltersdorf von den unerwarteten Planungen des SVS. „Er war natürlich von der Nachricht nicht begeistert“, räumt Tischer auf Nachfrage der MZ ein – und untertreibt damit deutlich.

Denn im Telefonat am Sonntagnachmittag ist der Trainer des SV Seligenporten immer noch verärgert. Nicht zwingend darüber, dass der Verein sich für Klaus als künftigen Trainer statt seiner entschieden hat, das sei legitim. Vielmehr empört den Übungsleiter, „die Art und Weise, wie das Ganze gelaufen ist – das ist überhaupt nicht in Ordnung“, findet Baumgart.

Schließlich habe er bis zuletzt potenzielle Neuzugänge für den Verein umworben, einen neuen Co-Trainer ins Kloster gelotst, stets im Glauben, auch kommende Saison die Bayernliga-Mannschaft zu trainieren. Dass er nun von den Vereins-Verantwortlichen derart übergangen und unvorbereitet vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei, „das geht so überhaupt nicht“.

Baumgart prangert Respektlosigkeit an

Schließlich falle eine derart gewichtige Entscheidung nicht von einem Tag auf den anderen. „Dass man mit mir dann nicht offen darüber geredet hat, dass man etwas anderes plant, mich nicht informiert hat, das ist in der Art und Weise respektlos“, so ein enttäuschter Baumgart.

Laut Tischer hätte sich die Geschäftsleitung der SVS-Fußball GmbH vergangene Woche zusammengesetzt und entschieden, etwas auf dem Trainerposten verändern zu wollen. Eine Darstellung, die Gerd Klaus im MZ-Gespräch bestätigt.

„Das war eine ziemlich kurzfristige Geschichte, die innerhalb von einer Woche über den Tisch gegangen ist“, verrät der Übungsleiter. Demnach hätten er und Noch-SVS-Geschäftsführer Walter Eisl am Dienstag nach Ostern „sehr lang und gut miteinander geredet“. Am Freitag setzte Klaus schließlich seine Unterschrift unter einen Zwei-Jahres-Vertrag, der am 1. Juli seine Gültigkeit hat.

Tatsächlich hat nach MZ-Informationen bereits seit Wochen ein loser Kontakt zwischen Klaus und dem SVS bestanden, der vergangene Woche konkretisiert wurde und in der künftigen Zusammenarbeit mündete.

„Ein bisschen Stolz und Anstand hat man ja auch.“

Noch-SVS-Trainer Hendrik Baumgart

Trotz der für ihn so enttäuschenden Entwicklung will Hendrik Baumgart seinen Vertrag erfüllen und das Team bis Saisonende coachen. Baumgart: „Die erste Reaktion wäre sicherlich gewesen, sofort aufzuhören“, so der 41-Jährige. Allerdings: „Ein bisschen Stolz und Anstand hat man ja auch.“ Also: „Im Gegensatz zu dem wie man mit mir umgegangen ist, bringe ich die Dinge so zu Ende, wie es sich gehört.“ Also werde er die verbleibenden drei Ligaspiele noch als Coach betreuen.

Danach wird Klaus übernehmen.

Der 48-jährige Klaus ist im Kloster kein Unbekannter, trainierte er den Verein doch bereits schon einmal. Zwischen Juli 2005 und Februar 2007 fungierte er als Coach der Landesligamannschaft in Seligenporten. Sein Ausscheiden bei den Klosterer war einst beinahe so plötzlich wie seine jetzige Rückkehr.

Kurzfristig vor die Tür gesetzt

Weil Klaus im Winter 2006 beim direkten Konkurrenten FSV Erlangen-Bruck bereits einen Vertrag für die darauffolgende Spielzeit unterschrieben hatte, setzten ihn die wenig amüsierten SVS-Verantwortlichen um Walter Eisl kurzentschlossen vor die Tür. Jener Eisl war es nun auch, der Klaus die Pforten zum Kloster-Verein abermals öffnete und den erfahrenen Trainer umwarb.

Zuletzt war Klaus beim Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 äußerst erfolgreich. Er führte in seinen sechs Jahren als Coach den damaligen Bayernligisten nicht nur in die Regionalliga, sondern gewann mit den Unterfranken auch zweimal den Landespokal, wodurch die „Schnüdel“ zweimal im DFB-Pokal starten durften.

Zu Beginn der aktuellen Saison wechselte er in Schweinfurt vom Trainer- auf den Sportdirektorposten, den er aber Mitte September räumte. Der Grund: Im Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers war nicht die vom Verband vorgeschriebene Anzahl an U23-Kickern im Kader aufgelistet, weshalb der überraschende Sieg der Schweinfurter gegen die Kickers in ein 1:3 umgewandelt wurde. Daraufhin übernahm Klaus für diesen Fauxpas die Verantwortung und trat zurück.

„Ich habe schon vorher gemerkt, dass der Posten eines Sportdirektors nichts für mich ist. Ich bin Trainer.“

Gerd Klaus

Er räumt aber auch unverhohlen ein: „Ich habe schon vorher gemerkt, dass der Posten eines Sportdirektors nichts für mich ist. Ich bin Trainer.“

Dass er im Sommer nicht zum SVS wechsele, „um dort in der Bayernliga zu bleiben“, sei klar, sagt Klaus. Er und der Verein streben über kurz oder lang – besser kürzer – die Rückkehr in die Regionalliga an.

Das Gerüst der Mannschaft steht bereits, elf Spieler haben ihre Kontrakte für kommende Saison schon in der Tasche. „Die Jungs machen einen sehr, sehr guten Eindruck“, urteilt Klaus, der nicht zuletzt deshalb die bisherige Arbeit Baumgarts als „sehr, sehr gut“, adelt.

Die Klaus-Brüder sind bestens vernetzt

Mit offensivem Fußball („Wir werden sehr hoch und sehr offensiv verteidigen“) soll der Angriff auf die Bayernliga möglichst erfolgreich gelingen. Dabei schadet es nicht, dass Gerd Klaus bestens in der Szene vernetzt ist. Sein Bruder Fred ist als Spielerberater dick im Geschäft – unter anderem zählen Naby Keita und Sadio Mané zu dessen betreuten Spielern.

„Er kennt jeden jungen und guten Spieler auch hier in der Umgebung“, weiß Gerd Klaus, der den Kader insgesamt breiter aufstellen möchte. Mit Felix Klaus kennen beide gar den Bundesligaspieler des VfL Wolfsburg ganz hervorragend, ist er doch der Sohn von Fred und Gerds Neffe.

Dass Felix Klaus allerdings ins Kloster wechselt, ist ausgeschlossen.

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