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Paukenschlag: Juri Judt beendet Karriere

Der 30-Jährige Ex-Profi hat den Vertrag beim SV Seligenporten mit sofortiger Wirkung aufgelöst und beginnt eine Ausbildung.
Von Thorsten Drenkard

Will keine halben Sachen machen und hängt deshalb die Fußballschuhe an den Nagel: Juri Judt (grün, vorne)
Will keine halben Sachen machen und hängt deshalb die Fußballschuhe an den Nagel: Juri Judt (grün, vorne) Archivfoto: Weller

Seligenporten.Es geht nicht mehr, der Akku ist leer.

Juri Judt, elf Jahre lang Fußball-Profi und namhafter Neuzugang der Klosterer im Sommer, beendet mit sofortiger Wirkung seine Fußballkarriere. Der Vertrag wurde in beidseitigem Einvernehmen aufgelöst. Bereits im Spiel am Dienstag gegen Schalding-Heining wird der der ehemalige Greuther-Fürth- und FCN-Profi nicht mehr im Kader des SVS sein, das bestätigten Coach Florian Schlicker und der Spieler selbst auf Nachfrage der MZ.

„Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe viel mit meiner Familie darüber geredet. Letztlich ist die Entscheidung bereits in den vergangenen Wochen in mir gereift“, erklärte Judt, der im September eine Ausbildung zum Verwaltungswirt im Landesamt für Statistik in Fürth beginnt. Familie, Beruf und halbprofessioneller Fußball, das ist für Judt nicht vereinbar. „Ich will keine halben Sachen machen. Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig. Aber ich habe gemerkt, dass das für mich so nicht geht. Ich ziehe meinen Hut vor allen Jungs, die die Arbeit und das Fußballspielen parallel meistern.“

„Ich will keine halben Sachen machen.“

Juri Judt über seine Entscheidung

Florian Schlicker bedauert den Schritt seines Mittelfeld-Motors, zeigt aber Verständnis: „Es ist natürlich ungemein schade und in unserer Situation aus sportlicher Sicht nicht hilfreich, aber diese Entscheidung muss man akzeptieren. Aber klar ist, dass ich gerne mit ihm weitergearbeitet hätte.“

So bleibt ausgerechnet das desaströse 0:12 des SV Seligenporten am Wochenende beim FC Augsburg II das letzte Spiel in der Karriere Judts – keine Sorge, dass da ein fader Beigeschmack bleiben könnte? Judt: „Mir ist klar, dass das nach außen blöd wirkt, weil manche Leute denken könnten, ich renne weg. Aber meine Entscheidung ist schon in den letzten Wochen gefallen, als ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr hundert Prozent geben kann. So ist es für beide Seiten die beste Lösung“, versichert Judt, der gesteht, ein derartiges Spiel wie am Samstag in seiner gesamten, nun beendeten Karriere noch nie zuvor erlebt zu haben.

Spieler machten sich lächerlich

„Das war Wahnsinn. Da hat man gesehen, wie kollektives Versagen in die Lächerlichkeit führen kann. Wir haben uns alle riesig dafür geschämt“, sagt Judt.

Seinen ehemaligen, wenn auch nur kurzzeitigen Mitspielern und Trainern beim SVS wünsche er alles Gute für die restliche Punkterunde. „Es wird natürlich eine Mammutaufgabe, aber ich drücke die Daumen. Denn in Seligenporten haben alle einen einwandfreien Charakter. Ich habe einen Riesenrespekt davor, was dort geleistet wird.“

Jetzt sei er vor allem neugierig auf seinen neuen Lebensabschnitt nach dem Fußball mit seiner Frau Anna-Maria sowie seinen beiden kleinen Töchtern. Azubi Juri Judt, noch klingt das gewöhnungsbedürftig, aber schon ab September wird der gebürtige Kasache im Büro und nicht mehr auf dem Fußballplatz seine Arbeit verrichten.

Ob er alles aus seiner Karriere herausgeholt habe? „Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich bereue nichts.“

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Zur Person

  • Sein Geburtsort:

    24. Juli 1986 in Qaraghandy (Kasachstan)

  • Seine Vereine:

    2004-05 SpVgg Greuther Fürth II, 2005-08 SpVgg Greuther Fürth, 2008-12 1.FC Nürnberg, 2012-13 RB Leipzig, 2014 1.FC Saarbrücken, 2014-16 Rot-Weiß Erfurt, seit 2016 SV Seligenporten

  • Seine Einsätze:

    Erste Liga: 44 Spiele, Zweite Liga: 97 Spiele, Dritte Liga: 63 Spiele, Regionalliga: 22 Spiele, DFB-Pokal: 12 Spiele

  • International:

    U-18: 4 Spiele, U-20: 1 Spiel, U-21: 4 Spiele

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