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Eishockey

Reinprecht-Abschied fiel allen schwer

Mit dem Kanadier verließ eine große Identifikationsfigur Nürnberg. Dem Vorzeige-Sportler blieb jedoch die Krönung versagt.
Von Daniel Frasch

Reinprecht fiel der Abschied von den Fans sichtlich schwer. Foto: Hahn/Eibner
Reinprecht fiel der Abschied von den Fans sichtlich schwer. Foto: Hahn/Eibner

Nürnberg.Eine Woche nach dem verlorenen Halbfinale gegen die Eisbären Berlin luden die Nürnberg Ice Tigers vergangenes Wochenende zur traditionellen Saisonabschlussfeier. Zusammen mit rund 1200 Fans ließen die Franken die Saison Revue passieren lassen, feierten den Einzug in die Champions Hockey League und bedankten sich bei den Fans.

Wie in jedem Jahr bot die Abschlusszeremonie gleichzeitig aber auch die Bühne, um verdiente Spieler zu würdigen und feststehende Abgänge offiziell zu verabschieden. Beides traf auf Steven Reinprecht zu. Dass der 41-jährige Kanadier seine Karriere nach dieser Saison beenden wird, war abzusehen. Und auch, dass der Abschied schwerfallen würde.

Sportlich prägte Reinprecht das fränkische Angriffsspiel in der Vergangenheit wie kein anderer. Der Sonntagnachmittag machte jedoch deutlich, dass die Ice Tigers nicht nur einen überragenden und fairen Sportsmann verlieren. Vor allem verlässt sie ein großartiger, bodenständiger und sympathischer Mensch. „Ich bin unendlich dankbar, für Nürnberg und seine Fans spielen haben zu dürfen“, sagte „Reino“ mit zitternder Stimme und unter Tränen.

Der Stanley Cup-Gewinner von 2001 (Colorado Avalanche), der das Rampenlicht stets scheute und stattdessen Taten auf dem Eis sprechen ließ, tat sich sichtlich schwer, seine Emotionen in den Griff zu bekommen. „Die letzten sechs Jahre in Nürnberg waren einfach nur großartig. Ich habe mir mit meiner Familie ein tolles Netzwerk aufgebaut und viele neue Freunde gefunden. Das macht den Abschied natürlich umso schwerer.“

Sein großer Traum, der Stadt, die zu einer zweiten Heimat wurde, die erste Meisterschaft zu bescheren, wurde niemals Realität. Dabei war es dieser Traum, weshalb Reinprecht nicht bereits nach seiner Rückenoperation Ende des Jahres die Schlittschuhe an den Nageln hing, sondern sich durch die Reha quälte um pünktlich zu Playoff-Beginn auf das Eis zurückzukehren. „Ich wollte einfach mithelfen, die Meisterschaft zu holen.“

Dass es auch im sechsten Anlauf nicht klappen sollte, schien dem Vorzeige-Athleten noch lange zu beschäftigen. Doch Steven Reinprecht wird Nürnberg nicht für immer den Rücken kehren. So viel ist sicher. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen für den Verein wird sein Trikot mit der Rückennummer 28 unter das Hallendach der Arena gezogen. Eine Ehre, die zuvor nur Martin Müller, Paul Geddes und dem aktuellen Sportdirektor Martin Jiranek zu Teil wurden.

Spätestens zur Zeremonie wird der wohl beste Eishockeyspieler, der jemals für Nürnberg auflief, auf das Eis zurückkehren. „Die Atmosphäre war immer fantastisch, ich werde Nürnberg und seine Fans niemals vergessen“, bedankte sich „Reino“.

Neben Reinprecht verabschiedeten die Franken Verteidiger Nichlas Torp, Angreifer Patrick Björkstrand und Torhüter Jiri Lala. Sie müssen sich nach neuen Vereinen umschauen. Bereits bei anderen DEL-Klubs untergekommen sind Patrick Buzas (Düsseldorfer EG), Marco Pfleger (Straubing) und Marius Möchel (Wolfsburg). Des Weiteren wird auch John Mitchell nicht mehr für die Tiger auf Torejagd gehen. Der 566-fache NHL-Spieler, der die Lücke, die Reinprecht hinterlässt, hätte schließen können, soll sich zur neuen Saison dem EHC Red Bull München anschließen. Dem Vernehmen nach lagen die finanziellen Vorstellungen des Kanadiers zu weit entfernt von denen des Klubs. Eine offizielle Bestätigung wird es jedoch erst geben, sobald die Finalserie zwischen München und Berlin beendet ist.

Weiterhin offen ist dagegen die Zukunft von Tom Gilbert (35), Patrick Köppchen (37) und David Steckel (36). Bei den drei Routiniers besteht die Möglichkeit auf eine Vertragsverlängerung. Sportdirektor Martin Jiranek befindet sich derzeit in Verhandlungen.

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