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Fusball

Rosinger und Görlitz hoffen und bangen

Während der Neumarkter Stürmer bei Lotte wieder angreifen will, kämpft Michael Görlitz nach schwerer Verletzung um einen Job.
Von Thorsten Drenkard

Es waren harte Wochen für Michael Görlitz, der nach schwerer Verletzung aktuell um einen Vertrag im Profifußball kämpft. Fotos: Eibner
Es waren harte Wochen für Michael Görlitz, der nach schwerer Verletzung aktuell um einen Vertrag im Profifußball kämpft. Fotos: Eibner

Neumarkt.Ein klärendes Gespräch unter vier Augen habe danach nie stattgefunden, sagt Bernd Rosinger.

Zu seinem 28. Geburtstag Ende August hatte der Neumarkter Stürmer in Diensten der Sportfreunde Lotte in einem exklusiven Gespräch mit der MZ massive Vorwürfe in Richtung von Manfred Wilke, Obmann und Geldgeber des Drittligisten, erhoben.

Bernd Rosinger (r.) stand zuletzt selten auf dem Platz.
Bernd Rosinger (r.) stand zuletzt selten auf dem Platz.

Der Mäzen hätte ihm gesagt, dass er nicht mehr im Kader der Lotteraner stehe, erklärte Rosinger damals. Wilke selbst wollte sich einst auf Nachfrage der MZ dazu nicht äußern, war jedoch am Telefon hörbar erbost über die Aussagen des Oberpfälzers. Zweifelsohne nicht die besten Voraussetzungen für eine weitere, fruchtbare Zusammenarbeit.

Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass Rosinger zwischen dem 5. und 14. Spieltag keine Minute für die Sportfreunde spielen durfte. Doch viereinhalb Monate später steht der Neumarkter immer noch in Diensten der Ostwestfalen. Auch wenn er unumwunden zugibt: „Es war ein verlorenes halbes Jahr für mich.“ Oder in Zahlen ausgedrückt: In lediglich acht Partien, die er nie über die volle Distanz auf dem Platz stand, blieb Rosinger ohne Tor oder Vorlage.

„Es war ein verlorenes halbes Jahr für mich.“

Bernd Rosinger

Angesichts des noch bis 31. Januar geöffneten Transferfensters stellt sich also die Frage, wie lange der Angreifer noch für Lotte die Fußballschuhe schnüren wird? „Stand jetzt, gehe ich davon aus, dass ich meinen Vertrag bei Lotte erfüllen werde“, sagt der Neumarkter, dessen Kontrakt im Sommer endet.

Spätestens dann wird für ihn das aufregende Kapitel Sportfreunde Lotte beendet sein. „Für mich steht fest, dass ich den Verein verlassen werde. Ich glaube, dass mir ein Tapetenwechsel gut tut“, erklärt Rosinger, der 2016 überraschend mit Lotte in die 3. Liga aufgestiegen und 2017 nach sensationellen Siegen gegen Werder Bremen und Bayer Leverkusen zum DFB-Pokal-Schreck geworden war.

Wissenswertes zu Bernd Rosinger und Michael Görlitz:

Wissenswertes über Bernd Rosinger und Michael Görl

Nachdem es für ihn und den Verein lange aufwärts gegangen war, folgte in dieser Saison ein tiefes Tal, durch das sich der Klub und Rosinger kämpfen mussten und noch müssen.

Lotte steckt im Abstiegskampf, in den der Neumarkter zuletzt wieder aktiv auf dem Platz eingreifen durfte. Nachdem Coach Marc Fascher, unter dem Rosinger komplett außen vor war, längst Geschichte in Lotte ist und durch Andreas Golombek ersetzt wurde, stürmte Rosinger in den letzten vier Spielen vor der Winterpause wieder für die Sportfreunde.

Im jüngsten Testspiel seines Teams am Wochenende gegen den niederländischen Zweitligisten FC Emmen (1:1) erzielte Rosinger gar den einzigen Treffer der Lotteraner. Sein Stellenwert für die Mannschaft ist so hoch wie lange nicht, auch, weil sich Sturmkollege Hamadi Al Ghaddioui kürzlich in Richtung SSV Jahn Regensburg sportlich veränderte und dadurch ein Platz im Sturm freigeworden ist.

Fußball ist Tagesgeschäft

„Ich gehe davon aus, dass der Verein und der Trainer auf mich bauen und ich spielen werde“, mutmaßt Rosinger. Und falls nicht? Der Neumarkter weiß, „im Fußball kann es ganz schnell gehen. Es ist Tagesgeschäft“.

Einen Wechsel noch während der aktuellen Transferperiode könne er nicht ausschließen. „Wobei das letzte Wort immer Lotte hat“, weiß der Offensivmann, der einst beim Neumarkter Stadtteil-Verein BSC Woffenbach den versierten Umgang mit dem Fußball erlernte.

Geografisch nicht weit davon entfernt, genau gesagt auf dem Sportgelände des FC Holzheim, trat der junge Michael Görlitz gegen das runde Spielgerät. Der 30-Jährige hat, ebenso wie sein langjähriger Kumpel Rosinger, sein Hobby zum Beruf gemacht.

Der ehemalige TV-Experte lobte Bernd Rosingers Leistung gegen den BVB im Pokal-Viertelfinale 2017:

TV-Experte Mehmet Scholl lobt Rosinger

Eine Entscheidung, die freilich mit gewissem Risiko einher geht, wie der Görlitz zuletzt schmerzhaft am eigenen Leib erfahren musste. Nachdem der Vertrag des flinken Defensivspielers bei Zweitligist Arminia Bielefeld im vergangenen Sommer nicht verlängert wurde, stand der ehemalige Junioren-Nationalspieler plötzlich ohne Profivertrag da.

Zu allem Unglück riss er sich im August im Probetraining bei Union Berlin im Zweikampf die Achillessehne – für den Vater einer kleinen Tochter ein Alptraum. Aus dem erhofften Vertrag wurde es nichts. Statt als Profifußballer auf dem Rasenviereck dem Ball nachzujagen, schuftete ein arbeitsloser Michael Görlitz in den vergangenen Monaten während schweißtreibender Reha-Stunden an seinem Comeback.

Die Hoffnung, weiterhin mit Fußballspielen den Lebensunterhalt für sich und seine kleine Familie verdienen zu können, hat Görlitz nicht aufgegeben.

Im Mai 2016 war Michael Görlitz für das „Tor des Monats“ der ARD nominiert.

„Mit meinen 30 Jahren bin ich vielleicht nicht mehr der Jüngste, aber ich traue es mir noch zu, Profifußball spielen zu können“, erklärt Görlitz im Gespräch mit der MZ.

„Ich bin zwar noch nicht ganz bei 100 Prozent, aber ich bin auf einem guten Weg.“

Michael Görlitz

Zuletzt hatte das Fachmagazin kicker den Rekonvaleszenten mit 1860 München in Verbindung gebracht. Görlitz selbst wollte zu einer möglichen Verpflichtung durch die „Löwen“ nichts sagen. Generell sei es aber so, dass „ich offen für alles bin und mir alles anhöre“. Egal, ob 3. oder 2. Liga oder ein Wechsel ins Ausland, er könne sich viel vorstellen. Hauptsache wieder kicken, das ist das Wichtigste für Görlitz.

Jüngst stand für ihn ein Wochenendbesuch in der Neumarkter Heimat auf dem Programm. Auch dabei arbeitete der Ex-Profikicker ehrgeizig an seiner Fitness, jagte mehrmals die beschwerlichen Stufen am Mariahilfberg hinauf und trainierte auf dem Fußballplatz des FC Holzheim mit einem Spannseil seine Kraft, Ausdauer und Koordination. „Ich bin zwar noch nicht ganz bei 100 Prozent, aber ich bin auf einem guten Weg“, so der Defensivspieler.

Bescheidene Selbsteinschätzung

Eine viel zu bescheidene Selbsteinschätzung, wie Vahan Yelegen findet. Der Trainer des Neumarkter Bezirksligisten FC Holzheim und langjährige Freund von Görlitz wich bei den Trainingseinheiten in Neumarkt nicht von der Seite seines Kumpels.

Von dessen Fitness ist Yelegen tief beeindruckt. „Der Michi war schon immer körperlich topfit, sehr ehrgeizig und ein positiver Mensch. So wie er trainiert hat, hatte ich den Eindruck, dass er gar nicht verletzt war“.

Für Yelegen steht deshalb außer Frage, dass sich Görlitz noch einmal ins Geschäft zurückkämpft: „Der Michi packt das!“

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