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Eishockey

Thomas Sabo: Das Team muss jetzt liefern

Der Ice-Tigers-Chef äußert sich über den kommenden Gegner der Nürnberger, die enge Verbindung zu Neumarkt und Aberglaube.
Von Thorsten Drenkard

Schmuckdesigner sowie Namens- und Geldgeber der Ice Tigers aus Nürnberg: der fränkische Unternehmer Thomas Sabo.
Schmuckdesigner sowie Namens- und Geldgeber der Ice Tigers aus Nürnberg: der fränkische Unternehmer Thomas Sabo. Foto: Thomas Sabo GmbH & Co.KG/THOMAS SABO

Nürnberg.Sie beginnt wieder, die Zeit der langen Rauschebärte, der plötzlichen Tode in der Verlängerung, der umjubelten Helden und tragischen Verlierer: In der DEL ist Playoff-Zeit, und am Mittwoch gleiten erstmals die nach der Hauptrunde sechstplatzierten Thomas Sabo Ice Tigers gegen die Iserlohn Roosters (3.) in der Eissporthalle am Seilersee über das Eis (19.30 Uhr).

Vor dem Start in die Playoffs zog der fränkische Schmuckdesigner sowie Namens- und Geldgeber der Ice Tigers zuletzt auf der vereinseigenen Internetseite seine persönliche Bilanz der Hauptrunde – diese fiel für sein schlittschuhlaufendes Personal wenig schmeichelhaft aus. Das sportliche Abschneiden sei „überhaupt nicht befriedigend“, ebenso wie die Einstellung mancher Spieler zu ihrem Beruf, polterte Sabo. Autsch, das hatte gesessen.

Vor dem ersten Playoff-Bully seines Teams fragte die MZ beim Selfmade-Unternehmer unter anderem nach, wie es denn mittlerweile um seine Gemütslage bestimmt ist, welche Playoff-Chancen er für das Team sieht und ob er sein finanzielles Engagement bei den Ice Tigers schon mal bereut hat.

Herr Sabo, Sie haben im Interview auf der Ice-Tigers-Homepage gehörig Dampf abgelassen und harsche Kritik an Teilen der Mannschaft geübt. Mit dem Start der Playoffs steht die schönste Zeit des Eishockey-Jahres ins Haus, es klingt aber nicht so, als hätten Sie derzeit viel Spaß am Eishockey!?

Spaß am Eishockey habe ich immer. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht zwischendurch auch mal deutliche Worte sprechen kann.

Der Trainer ist für die Ein- und Aufstellung des Teams verantwortlich, der Sportdirektor für die Zusammenstellung. Inwieweit tragen Coach Rob Wilson und Martin Jiranek Verantwortung am Abschneiden und Auftreten des Teams?

Ich kenne Rob und Martin sehr gut, und wenn die Spieler mit der Einstellung, die die beiden haben, spielen würden, dann hätten wir überhaupt kein Problem.

Sie haben Patrick Reimer und Steven Reinprecht, die beiden Top-Scorer der Hauptrunde, von Ihrer Kritik ausgeschlossen beziehungsweise explizit gelobt. Wie wichtig sind diese beiden Spieler für die Mannschaft und den Verein?

Ungemein, das steht außer Frage. Sie sind in allen Bereichen, menschlich wie sportlich, sehr wichtig für das Team, egal ob auf oder neben dem Eis.

Wie sehen Sie die Entwicklung der jungen deutschen Spieler?

Durchaus positiv, bei den meisten sehen wir eine sehr gute Entwicklung, bei dem einen oder anderen aber auch etwas weniger.

Wie fällt Ihr bisheriges Urteil über die Leistung des Ex-NHL-Stars Dany Heatley aus, der Anfang der Saison verpflichtet wurde?

Ich denke, die meisten wussten über seine Spielweise ja schon vor seinem Start bei den Ice Tigers Bescheid. Er hat einen unnachahmlichen Torinstinkt, und ich glaube, dass er in den Playoffs seine große Erfahrung ausspielen wird.

Seit einigen Wochen wird über die Position des Starttorhüters bei den Ice Tigers diskutiert, aktuell gibt es einen Dreikampf um den Posten – eine Situation, die auch hausgemacht ist. Ist diese Situation im Hinblick auf die Playoffs glücklich oder sollte vor dem ersten Spiel ein fester Torhüter bestimmt werden?

Meines Erachtens muss nun die Nummer eins benannt werden. Dieses „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ macht hier keinen Sinn mehr – weder für die Torhüter selbst, noch für das Team.

Iserlohn ist für Sie klarer Favorit. Warum?

Einfach aus der Situation heraus. Die Iserlohner treten einfach als geschlossene Mannschaft auf und jeder kämpft für jeden. Wenn das auch den Ice Tigers gelingt, dann werden wir das Halbfinale auch erreichen.

In den Vorjahren blieben gerade Patrick Reimer und Steven Reinprecht hinter den Erwartungen zurück. Was erwarten Sie von den Leistungsträgern und dem Team?

Eine ganz klare Leistungssteigerung zu den vorjährigen Playoffs, die man auch erwarten muss.

Ist der DEL-Spieler des Jahres: Patrick Reimer
Ist der DEL-Spieler des Jahres: Patrick Reimer Foto: Sven Lägler/Eibner

Sie haben gefordert, dass es endlich an der Zeit ist, über das Viertelfinale hinauszukommen. Was, wenn wieder nicht?

Dann probieren wir es nächstes Jahr wieder (lacht).

Es gibt auch Erfreuliches rund um die Ice Tigers: Nicht nur, dass man mit Patrick Reimer den „Spieler des Jahres“ stellt, der Zuschauerschnitt stieg in der Hauptrunde nach 4905 im Vorjahr auf 5315 in dieser Spielzeit. Was hat Sie in dieser Hauptrunde besonders gefreut?

Eben der Anstieg der Zuschauerzahlen, trotz unglücklicher zeitlicher Konstellationen mit parallel angesetzten Spielen des 1. FC Nürnberg beziehungsweise Basketball gerade zum Saisonende.

Sie sind 2009 mit einer Investorengruppe bei den Ice Tigers eingestiegen – die sportliche Bilanz seitdem: Dreimal Playoff-Viertelfinale, zweimal Pre-Playoffs, einmal gar keine Playoffs und ein Sieg im allerersten Winter Game der DEL-Geschichte gegen Berlin. Wie fällt Ihre ganz persönliche Zwischenbilanz aus?

Ich denke, dass wir einfach ganz oft tollen Sport gesehen haben und dass sich die Ice Tigers zu einer echten Marke entwickelt haben, die im Grunde aus Nürnberg gar nicht mehr wegzudenken ist.

Die Thomas Sabo Ice Tigers spielen in einer Arena, die das Neumarkter Bauunternehmen Max Bögl gebaut hat und besitzt, zudem ist Bögl Premium-Partner der Ice Tigers. Wie wichtig ist speziell Max Bögl für die Ice Tigers und wie eng ist der Bezug des Vereins zur Region Neumarkt?

Die Unterstützung von Max Bögl ist seit Anfang an sehr wichtig für die Ice Tigers und sie pflegen zur Arena sowie zum Unternehmen Max Bögl ein sehr gutes Verhältnis. Das wird weiterhin so sein. Die Ice Tigers haben sehr viele treue Fans aus der ganzen Region Neumarkt, die unser Team bei den Heim- und auch Auswärtsspielen toll unterstützen. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Erst Ende letzten Jahres hatten die Ice Tigers einen Promotion-Stand im „Neuen Markt“ in Neumarkt, der mehr als gut besucht war.

Ice Tigers und ihre Sponsoren

  • Sinupret:

    Bevor der Nürnberger DEL-Verein zu den Thomas Sabo Ice Tigers wurde, firmierte man von 2006 bis 2009 unter dem Namen „Sinupret Ice Tigers“, benannt nach einem Medikament des Neumarkter Arznei-Herstellers Bionorica. Im März 2009 stieg Bionorica als Namenssponsor überraschend aus – der DEL-Standort Nürnberg war bedroht.

  • Sabo:

    Eine Investorengruppe um Thomas Sabo rettete das Nürnberger DEL-Team, das seit 2009 den Namen des Schmuckdesigners trägt.

  • Schmuckhändler:

    Der 55-jährige Nürnberger Thomas Sabo gründete 1984 sein Schmuckunternehmen in Lauf an der Pegnitz. Weltweit zählt es rund 1400 Mitarbeiter.

Könnte der Klub ohne Ihr finanzielles Engagement überleben?

Ohne unser Engagement hätten die Ice Tigers 2009 nicht überlebt und könnten es heute genauso wenig. Im heutigen wirtschaftlichen Umfeld ist es auch enorm schwierig neue Sponsoren zu gewinnen. Aber das geht auch jedem anderen mittelfränkischen Verein so.

Sie haben in der Vergangenheit wiederholt Kritik an der Schwerfälligkeit der DEL allgemein und am Spielplan besonders geübt. Wie sehen Sie das Produkt DEL, auf welchem Weg befindet es sich?

Richtig, ich habe aber nur im ersten Jahr Kritik geübt. Ich sehe die Führung sowie auch die Entwicklung der DEL inzwischen durchaus positiv. Auch der neue Medien-Vertrag mit Telekom wird sicherlich entscheidend dazu beigetragen. Fakt ist aber auch, dass ein internationaler Erfolg der deutschen Nationalmannschaft dem Eishockey mehr Aufmerksamkeit schenken würde.

Denken Sie nicht manchmal so bei sich: Was habe ich mir da mit den Ice Tigers nur aufgehalst?

Ab und zu kommen mir schon solche Gedanken, aber das kommt dann ganz auf den jeweiligen Spielstand an (lacht). Aber Spaß beiseite: Der positive Aspekt überwiegt eben doch immer wieder.

Wie ist es um Ihre eigenen Eishockeyfähigkeiten bestellt?

Sagen wir mal so: Ich würde kein Eishockeyspiel überleben.

Wie nervös sind Sie während eines Eishockeyspiels?

Da fragen Sie doch am besten mal die Zuschauer in der Arena (schmunzelt).

Sind Sie abergläubisch, haben Sie Rituale, die Sie rund um ein Eishockeyspiel Ihrer Mannschaft pflegen?

Ich sitze in der Arena seit 2009 immer auf dem selben Platz (Loge 108, Platz 3, Anm. d. Red.) – und da werde ich auch in der Zukunft sitzen!

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