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Eishockey

Tiger holen harten Hund Brandon Prust

Nach dem 6:5-Comeback-Sieg gegen München verpassen die Thomas Sabo Ice Tigers ihrem Kader mit dem Ex-NHL-Spieler mehr Physis.
Von Thorsten Drenkard

Sportdirektor Martin Jiranek hieß Neuzugang Brandon Prust (r.) im Trikot der Ice Tigers in Nürnberg willkommen.
Sportdirektor Martin Jiranek hieß Neuzugang Brandon Prust (r.) im Trikot der Ice Tigers in Nürnberg willkommen. Foto: Ice Tigers

Nürnberg.Dass Brandon Prust ab sofort im Trikot der Thomas Sabo Ice Tigers auf DEL-Eis den Gegnern das Fürchten lehren wird, liegt auch am Wolfsburger Armin Wurm. Der Stürmer der Grizzlys hatte im jüngsten Aufeinandertreffen beider Teams den Nürnberger Vladislav Filin mit einem üblen Check gegen den Kopf umgefahren. Seither brummt dem 21-Jährigen Tiger der Schädel, fällt der Angreifer mit einer Gehirnerschütterung verletzt aus.

Weil der Grizzly Wurm im selben Spiel auch noch Ähnliches bei Leo Pföderl versucht hatte, reifte bei den Nürnberger Verantwortlichen die Erkenntnis, dass ein knallharter Sheriff her muss, einer, der die Spieler vor bösen Attacken schützt oder diese zumindest nicht ungesühnt lässt – gerade im Hinblick auf die Playoffs, denen die seit Wochen spektakulär aufspielenden Ice Tigers zielstrebig entgegensteuern.

Erfolgreiche Überlegungen

Also überlegten Sportdirektor Martin Jiranek und Coach Rob Wilson, sondierten den Spielermarkt und stießen dabei auf den 32-jährigen Brandon Prust, der bis zuletzt versucht hatte über einen Probevertrag den Sprung in das NHL-Team der Toronto Maple Leafs zu schaffen. Das misslang dem eisenharten Kanadier – zum Glück für die Thomas Sabo Ice Tigers, bei denen der 1,83 Meter große und 88 Kilo schwere Außenstürmer am Montag einen Vertrag bis Saisonende unterschrieb.

Der in London in der kanadischen Provinz Ontario geborene Prust absolvierte den Großteil der Saison 2015/16 für die Vancouver Canucks in der NHL. Insgesamt kann Prust auf 539 Einsätze in der NHL für die Canucks, die Calgary Flames, Phoenix Coyotes, New York Rangers und Montreal Canadiens zurückblicken.

Die Karrierestatistiken von Brandon Prust in den Hauptrunden:

„Brandon Prust bringt die Erfahrung von neun Jahren in der NHL mit in unser Team. Er spielt sehr hartes, physisch starkes und ehrliches Eishockey und ist sehr gut im Forecheck. Brandon wird zudem unsere Special Teams verstärken und das Team im weiteren Saisonverlauf und im Hinblick auf die Playoffs noch besser machen“, sagte Ice Tigers-Sportdirektor Martin Jiranek.

Brandon Prust war am Montag um 9.45 Uhr in Nürnberg gelandet und unterschrieb nach dem obligatorischen Medizincheck seinen Kontrakt bei den Ice Tigers. Er erhält die Rückennummer 8 und wird am Dienstag zum ersten Mal mit seinem neuen Team trainieren.

Brandon Prust lässt die Fäuste sprechen:

Bei den Ice Tigers stößt Brandon Prust, der mit der franko-kanadischen TV-Moderatorin Maripier Morin eine Beziehung führt und abseits des Eises ein modisches Auftreten pflegt, dabei auf altbekannte Weggefährten. In der kanadischen Juniorenliga OHL fügte er als 20-jähriger Jungspund an der Seite des Tiger-Verteidigers Danny Syvret im Trikot der London Knights seinen Kontrahenten nachhaltig Schmerzen zu (174 Strafminuten in 48 Spielen).

In der Saison 2008/2099, Prust hatte mittlerweile seine ersten Schritte auf NHL-Eis unternommen, lief der Abräumer in elf Partien gemeinsam mit Stanley-Cup-Gewinner und Edeltechniker Steven Reinprecht in der besten Eishockeyliga der Welt auf. Auch hier saß er häufiger auf der Strafbank (29 Minuten), als dass er Punkte sammelte (eine Vorlage).

Es bleibt abzuwarten, ob sich der eisenharte Profi in den Reihen der Nürnberger auch als Scorer hervortun wird. Angesichts der aktuellen Erfolgswelle, auf der die Mannschaft reitet, scheint das nicht unbedingt notwendig.

So bereitet sich Brandon Prust aufs Spiel vor:

So gelangen den Nürnbergern beim spektakulären 6:5-Heimsieg nach Verlängerung am Sonntag gegen Spitzenreiter München im zweiten Spiel hintereinander sechs Treffer vor heimischer Kulisse. In dem denkwürdigen Spiel drehte das Team von Coach Wilson einen 1:5-Rückstand nach 40 Minuten und jubelte nach einer atemberaubenden Aufholjagd in der Verlängerung, als Offensivverteidiger Jesse Blacker seinen dritten Treffer das Abends erzielte.

Nürnberg bleibt damit weiter Tabellenzweiter, stellt seit Wochen die unterhaltsamste und erfolgreichste Mannschaft der DEL – die nun um Brandon Prust reicher ist.

Top-Spieler beim München-Sieg

  • Jochen Reimer:

    Es mag seltsam erscheinen, dass ein Keeper, der fünf Tore in 40 Minuten kassiert und in der zweiten Drittelpause ausgewechselt wird, ein positiver Faktor für sein Team ist. Doch es war der Keeper, der sich nach dem Treffer zum 1:5 die Worte des vorbeifahrenden Steve Pinizzotto nicht gefallen lassen wollte und auf den Münchner losging. Ein entscheidendes Zeichen an die Gäste, dass sich die Tiger an jenem denkwürdigen Abend nicht so leicht geschlagen geben würden.

  • Andreas Jenike:

    Nürnbergs zweiter Keeper kam im Schlussabschnitt für den „Aufrüttler“ Jochen Reimer – und hielt seinen Kasten bis zum Verlängerungstreffer der Nürnberger in der 62. Minute komplett sauber. Auch Jenike sorgte für eine Schlüsselszene, als er in der 57. Spielminute – die Tiger hatten da bereits auf 5:5 ausgeglichen – mit einer spektakulären Schoner-Parade gegen Yannic Seidenberg das Remis festhielt und so seiner Mannschaft die Overtime ermöglichte.

  • Jesse Blacker:

    In der nach dem 1:5-Rückstand kaum mehr für möglich gehaltenen Zusatzschicht spielte Offensivverteidiger Jesse Blacker für Nürnberg den umjubelten Helden. Sein Siegtreffer nach 61:23 Spielminuten machte nicht nur das spektakuläre Comeback der Tiger perfekt, es komplettierte zugleich den Hattrick des Ausnahmeschlittschuhläufers. Denn der Kanadier hatte bereits im mitreißenden Schlussabschnitt die Tore zum 3:5 (41:05) und 4:5 (44:14) besorgt. (kh)

Der Linksschütze soll einschüchtern, aufräumen, beschützen – das wird seine Kernarbeit sein. Im Unterzahlspiel werden die Tiger zudem einen Platz für ihn haben, weiterhin passt sein aggressives Forechecking bestens ins Nürnberger Konzept.

Spätestens in den Playoffs wird sich zeigen, ob Prusts Verpflichtung notwendig oder gar ein Gewinn für den Klub war.

Davor, am 30. Dezember, spielen die Tiger mit ihrem neuen harten Hund das nächste Mal gegen die Grizzlys in Wolfsburg. Brandon Prust wird bis dahin sicherlich den Namen Armin Wurm von seinen Kollegen zu Gehör bekommen haben.

Dass dieser sich über den Nürnberger Neuzugang freut, darf bezweifelt werden.

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