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Ünsal Arik tritt bei Jan Böhmermann auf

Der Parsberger Profi-Boxer und Erdogan-Kritiker ist im „Neo Magazin Royale“ zu sehen – weil er einfach mal loszwitscherte.
Von Thorsten Drenkard

Ünsal Arik
Ünsal Arik

Neumarkt.Wie immer ging Ünsal Arik direkt drauflos. Kein Rumgeeier, gleich direkt zur Sache. „Viele Medienkollegen und Menschen sind einfach feige. Ich wäre gerne bei Dir zu Gast, um über die Türkei und meine Situation zu sprechen“, zwitscherte der deutsch-türkische Box-Weltmeister und Erdogan-Kritiker aus Parsberg also Ende Februar via Twitter.

Empfänger der Nachricht war Jan Böhmermann, Grimme-Preis-gekrönter Satiriker und scharfsinniger Gastgeber der TV-Sendung „Neo Magazin Royale“. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Lieber Ünsal, das ist eine gute Idee. Wir melden uns!! Jan“, zwitscherte der Moderator am nächsten Morgen also zurück. Ariks unverblümte Art war erfolgreich.

Jan Böhmermann hat Ünsal Arik in seine Sendung „Neo Magazin Royale“ eingeladen.
Jan Böhmermann hat Ünsal Arik in seine Sendung „Neo Magazin Royale“ eingeladen. Foto: Ben Knabe/ZDF/dpa

Am Donnerstagabend wird der 36-Jährige bei Jan Böhmermann zu Gast (22.15 Uhr, ZDF Neo) sein. In eine TV-Sendung dieses Formats werden für gewöhnlich nur Gäste eingeladen, die relevant und unterhaltsam sind – beides trifft auf Ünsal Arik, der über sich selbst im Gespräch mit unserem Medienhaus schon einmal sagte, er sei „ein radikales Arschloch“, zweifelsohne zu.

Der gebürtige Oberpfälzer zeigt sich nicht nur im Ring angriffslustig, seit Jahren attackiert er rigoros in der Öffentlichkeit die „diktatorische Politik von Erdogan“. Dabei scheut er nicht vor drastischen Vergleichen zurück. Bei seinem TV-Auftritt im August 2016 (Sat.1-Frühstücksfernsehen) sorgte der Boxer für Schlagzeilen, als er in Richtung des türkischen Präsidenten sagte: „Erdogan macht Polit-Diktatur, für mich ist er Hitler 2.0“ Das war im August 2016 – kurz darauf erstattete Erdogan Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Arik.

Ünsal Ariks Auftritt im Frühstücksfernsehen auf Sat.1 Anfang August:

Das haben der 1,75 Meter große Boxer mit dem kapitalen Rauschbart und Moderator Böhmermann gemein. Wegen seines umstrittenen Schmähgedichts auf Recep Tayyip Erdogan Erdogan Ende März 2016 wurde auch er vom türkischen Staatsoberhaupt wegen Beleidigung angezeigt.

Im „Neo Magazin Royale“ trifft das Duo mit den großen Mundwerken nun vor Fernsehkameras zusammen. Er freue sich auf die Show, sagt Arik, denn Böhmermann „ist einer, der sich etwas traut und dabei sehr humorvoll ist. Für mich ist er der junge Stefan Raab“. Im Vorfeld der Show stand er mit Böhmermann und Ralf Kabelka für einen Dreh im Boxring. Für den Moderator habe er sich ein persönliches Geschenk überlegt, das er während der Sendung überreichen wolle. Mehr dürfe aber noch nicht verraten werden.

Ünsal Arik mit Jan Böhmermann und Jan Kabelka in der Boxhalle:

Seinen Fernsehauftritt möchte der Boxer-Profi auch dazu nutzen, um gegen das von Erdogan angestrebte Präsidialsystem zu werben. Denn für Arik ist klar: „Wenn das System kommt, dann werden wohl zwei Millionen Menschen aus der Türkei flüchten – und wohin werden die dann gehen?! Deutschland.“

Erdogans Nazi-Vergleiche in Richtung Deutschland „finde ich enttäuschend und respektlos“. Wahlkampf-Auftritte türkischer Politiker hierzulande sollten laut Arik untersagt werden: „Natürlich hat Deutschland eine Demokratie, aber irgendwo muss Schluss sein.“ Auch zur doppelten Staatsbürgerschaft hat er eine Meinung: „Man sollte sie abschaffen. Irgendwann muss man sich entscheiden.“

Staatsfeind und Vaterlandsverräter

Für die einen ist Arik schlicht ein Vaterlandsverräter und großmäuliger Staatsfeind von Erdogans Türkei. Andere bewundern und unterstützen seine beharrliche, undiplomatische Kritik am türkischen Staatsoberhaupt. So oder so, Arik, der auch in sozialen Netzwerken sehr präsent ist (knapp 34.000 Follower auf Twitter, rund 64.000 erhobene Daumen auf Facebook; Stand 15. März 2017) lässt niemanden kalt. Der streitbare und streitlustige Deutsch-Türke polarisiert – man hasst oder liebt ihn.

Anfeindungen und Drohungen im Netz sowie auf offener Straße sind der Preis, den er für seine radikale Haltung zahlt.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte er vollmundig angekündigt, einer Vorladung in die Türkei wegen seiner Strafanzeige zu folgen. Am Ende flog er auf nachdrückliches Anraten seiner Familie, seiner Freunde und Bekannten doch nicht, die Gefahr einer Verhaftung war zu groß. Für den stolzen Boxer eine schwere Entscheidung – die ihm von seinen Gegnern Häme und Spott einbrachte.

Schlaglichter im Leben des Ünsal Arik:

Zur Person Ünsal Arik

  • Training:

    Aktuell trainiert Arik für seinen nächsten Kampf. Dieser soll Mitte des Jahres stattfinden. Gegen wen, steht noch nicht fest.

  • Ehrung:

    Im Beisein seines Vaters Mustafa (l.) trug sich Ünsal Arik 2015 in das Goldene Buch seiner Oberpfälzer Heimatstadt Parsberg ein.

  • Engagement:

    Seit zwei Jahren ist der Boxer Ünsal Arik offizieller Botschafter der Stiftung Kinderherz von Sylvia Paul.

  • Boxstall:

    Seit 2016 ist Arik Gürtelträger der Weltverbände GBU und WBU, seit Herbst des Vorjahrs ist er Teil des Wiking-Boxteams aus Berlin.

Für die Sendung mit Böhmermann habe er sich vorgenommen, „gar nicht groß zu provozieren“. Ein Vorhaben, das wohl zum Scheitern verurteilt ist, denn: „Ich kenne mich, ich weiß, dass es nicht klappen wird.“ Eine große Klappe, ein großer Auftritt gehört bei Arik dazu – das ist Teil seines Wesens und Teil des Profibox-Geschäfts. „Man muss im Gespräch bleiben, um Sponsoren zu finden“. Die Grundlage dafür sei der sportliche Erfolg.

Arik hat im Vorjahr die Gürtel der Weltverbände GBU und WBU gewonnen. Diese zählen sportlich zwar nicht zur Oberliga, mit Kirmesboxen hat das aber auch nichts zu tun. Profiboxen, das sei für ihn ein Mittel zum Zweck und ein Geschäft, in dem „Boxer die Prostituierten und Promoter die Zuhälter sind“, wie er einmal sagte. Zum Diplomaten oder Politiker taugt Arik sicher nicht.

Ünsal Arik bei den Trainingsvorbereitungen auf seinen nächsten Kampf:

Dazu hat er zu wenig Interesse an Kompromissen und dazu fehlen dem passionierten Jogginghosenträger wohl auch die branchenüblichen Anzüge. Seine Haudrauf-Art verschließt ihm vor allem wirtschaftlich viele Türen. In der Türkei ist er unerwünscht, potenzielle Geldquellen hat er sich mit seiner politischen Haltung selbst abgegraben. Im droht dort weiterhin Haft.

Wo sich eine Tür schließt, geht bei Arik stets eine neue auf. Dafür sorgt er schon selbst. So plant der rastlose Boxer auch ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin, wohin er am 25. März ins Trainingslager fliegen wird. Ob‘s klappt? Bei Ariks Hartnäckigkeit stehen die Chancen sicher nicht auf null.

Auch den Kontakt zu seinem neusten Sponsor hat er eigeninitiativ hergestellt, natürlich. Der überzeugte Vegetarier ging geradewegs auf Melanie und Holger Brosig zu, die Gründer des jungen Unternehmens VeggiePur, das Gemüsemischungen ohne Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe herstellt.

VeggiePur-Geschäftsführer Holger Brosig (l.) und Vegetarier Ünsal Arik, mit dessen Konterfei das Unternehmen eine Gemüsemischung herausbringen möchte.
VeggiePur-Geschäftsführer Holger Brosig (l.) und Vegetarier Ünsal Arik, mit dessen Konterfei das Unternehmen eine Gemüsemischung herausbringen möchte. Foto: Wallner

Er stieß auf offene Ohren, hatte mit seinem Vorpreschen Erfolg – wieder einmal. Die Firmengründer, bekannt aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“, haben laut Sprecherin Daniela Waller „Ünsal Arik als einen wachen, sehr intelligenten Menschen kennengelernt, der ehrlich und mutig ist“. Das Unternehmen hat mit Arik noch einiges vor.

So ist geplant, eine Gemüsemischung speziell für Sportler auf den deutschen Markt zu bringen – mit Ariks Namen und/oder Konterfei auf der Verpackung. Ein eigenes vegetarische Produkt, nach dem Kunden in einem halben Jahr in den Supermarktregalen nach ihm greifen, das ist ganz nach Ariks Geschmack.

Denn von jeder verkauften Mischung soll ein Teil an die bundesweite Stiftung Kinderherz fließen, für die sich Arik neben anderen Prominenten wie Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein als Botschafter engagiert. Für Stiftungs-Vorsitzende Sylvia Paul ist Arik ein Glücksfall: „Er ist ein Netzwerker par excellence. Sein Einsatz für uns ist phänomenal“, sagte sie einmal unserem Medienhaus. Das ist die weiche Seite des harten Kämpfers, der einst Versicherungsfachmann gelernt hat und ein sehr passabler Amateurfußballer (unter anderem Fortuna Regensburg) war.

Boxer Ünsal Arik ist seit beinahe zwei Jahren Botschafter der Stiftung Kinderherz, deren Vorsitzende Sylvia Paul ist.
Boxer Ünsal Arik ist seit beinahe zwei Jahren Botschafter der Stiftung Kinderherz, deren Vorsitzende Sylvia Paul ist. Foto: Drenkard

Auch straffällig gewordenen Jugendlichen möchte Arik helfen. Ihm schwebt eine Art integrative Boxhalle in Neumarkt vor. Erste Gespräche gab es bereits mit dem Oberbürgermeister – auf seine Initiative hin, versteht sich. Konkret ist aber noch nichts.

Arik saß selbst einmal im Jugendarrest und bewegte sich vor seiner Profiboxer-Karriere nicht immer auf tugendhaftem Pfad. Er war eine zeitlang drogenabhängig und obdachlos, stand kurz vor dem Absturz. Dann fand er den Weg zum Profiboxen. Er schnürte die Handschuhe und kämpft sich seither durch – im Ring und im Leben. Immer drauflos, kein Rumgeeier.

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