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Eishockey

Wegen Krise: Ice Tigers-Fans bleiben weg

Nürnbergs anhaltender Misserfolg wirkt sich auf die Zuschauerzahlen aus. Es droht das schwächste Besucherjahr seit 2012.
Von Daniel Frasch

Seit dem Einstieg Nürnbergs 1994 in die DEL, hat sich der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen gesteigert. Aktuell hapert es. Foto: Brandes/Eibner-Pressefoto
Seit dem Einstieg Nürnbergs 1994 in die DEL, hat sich der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen gesteigert. Aktuell hapert es. Foto: Brandes/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.„Die Mannschaft bekommt einige Tage frei. Die Spieler sollen den Kopf frei bekommen und sich regenerieren. Danach geben wieder Gas“, hatte Ice Tigers-Trainer Martin Jiranek nach dem 7:1-Heimsieg über die Iserlohn Roosters Anfang November gesagt. Groß war die Hoffnung, nach der zweiwöchigen Länderspielpause die Kräfte neu zu bündeln und endlich erfolgreicheres Eishockey zu spielen. Einen Monat später ist klar: Die Hoffnung war vergebens.

Sechs Spiele absolvierten die Ice Tigers seitdem, fünf von ihnen verloren sie, zuletzt vergangenen Sonntag mit 2:3 gegen die Düsseldorfer EG. Von 25 Saisonspielen haben die Ice Tigers bereits 18 verloren. Zum Vergleich: In der 52 Partien der Vorsaison kassierten die Franken insgesamt nur 17 Pleiten. Satte 100 Punkte hatte die Mannschaft von Ex-Trainer Rob Wilson nach der Hauptrunde 2017/18 angehäuft, ein Punkteschnitt von 1,9 pro Partie. Doch das war einmal, die Realität ist eine andere: 0,8 Punkte sammelten die Nürnberger bislang pro Partie, Tabellenplatz zwölf und die immer unwahrscheinlicher werdende Teilnahme an den Playoffs sind die Folge.

Zuschauer schwinden

Eine weitere Konsequenz sind die schwindenden Zuschauerzahlen, die freilich in engem Zusammenhang mit dem sportlichen Misserfolg stehen. Kalkuliert hatten die Verantwortlichen im Vorfeld der Spielzeit mit 5500 Zuschauern pro Spiel, tatsächlich pilgerten bislang im Schnitt nur 4642 Fans zu den 13 Heimspielen - und damit rund 850 weniger als erhofft. Nimmt man die Hauptrunde der Vorsaison als Grundlage, wird der Zuschauerschwund noch klarer: 5717 Zuschauer besuchten damals die Arena, 1075 Zuschauer pro Partie mehr als aktuell. Zahlen, die freilich auch der Nürnberger Geschäftsführung bekannt sind.

Die durchschnittliche Anzahl der Zuschauer bei Heimspielen seit 1994:

„Auf dem Papier haben wir definitiv eine Mannschaft für die Top sechs. Unseren Zuschauerschnitt haben wir nach der Mannschaft auf dem Papier ausgerichtet. Das steht noch nicht in Einklang mit den gezeigten Leistungen“, weiß auch Geschäftsführer Wolfgang Gastner. Nürnbergers neuer Macher im Hintergrund hofft auf die bevorstehenden Heimspiele gegen den Meister München (Freitag, 19.30 Uhr), Bremerhaven und Köln, die den stetig sinkenden Zuschauerschnitt wieder anheben sollen. „Jetzt steht die Weihnachtszeit bevor, das wird es bekanntermaßen immer voller in der Arena. Kopfschmerzen bereitet uns die Entwicklung nicht“, versichert der 43-Jährige.

Zuletzt äußerte sich Geschäftsführer Wolfgang Gastner zu sportlichen Lage bei den Ice Tigers im MZ-Interview.

Doch es sind nicht nur die fehlenden Einnahmen, die die Franken aufgrund der geringeren Besucherzahlen verbuchen. Vor allem laufen sie Gefahr, den Kredit, den sie sich in den vergangenen drei Jahren mit drei Halbfinalteilnahmen erspielten, zu verspielen. Ein Blick auf die Zuschauer-Historie verdeutlicht: Seit der Saison 2011/12 lag der Zuschauerschnitt während der Hauptrunde nur einmal unter 5000 (2014/15), seitdem pendelte er zwischen 5172 und 5717 Zuschauern. Blieben die bisherigen Zuschauerzahlen der laufenden Saison konstant, wäre es das schwächste Jahr seit der Saison 2011/12. Damals beendeten die Franken die Hauptrunde auf dem 13. Platz und kamen nach 52 Spielen nur auf 55 Punkte. Parallelen zur laufenden Saison sind nicht zu übersehen.

Immer mehr Events

Angesichts der extremen Sportdichte in der Metropolregion Nürnberg (1. FC Nürnberg, SpVgg Greuther Fürth, HC Erlangen, Nürnberg Falcons) wäre ein anhaltender Rückgang der Zuschauerzahlen nur schwer zu verkraften. Der Haken: Die Franken lassen sich bereits viel einfallen und organisieren schon jetzt mehrere Mottospieltage im Laufe einer Saison. Von „Rock the House“ über die „Red Party“ bis hin zum Family-Day mit anschließenden Teddy-Bear-Toss: Die Ice Tigers sind ligaweit führend, wenn es darum geht, Spieltage zu Highlight-Events zu erklären.

Die Stadionauslastung bei Heimspielen seit 1994:

Doch der Kreativität sind Grenzen gesetzt, längst lässt sich nicht jede Woche ein neues Highlight inszenieren. Im Mittelpunkt muss der Sport stehen, er allein reicht aus, um als Publikumsmagnet zu dienen. Zumindest so lange er erfolgreich praktiziert wird. Doch davon sind sie in Nürnberg momentan weit entfernt.

Einen Hoffnungsschimmer auf Besserung stellt die Partie Freitagabend (19.30 Uhr) gegen München dar. Nicht nur, weil die Duelle in der Vergangenheit stets packend und eng verliefen. Die Begegnung mit dem amtierenden Meister wird auch die Rückkehr von Ex-Ice Tiger Yasin Ehliz. Mit seinem Wechsel nach München hat der Nationalspieler einen Großteil der Nürnberger Anhängerschaft veärgert, ein gellendes Pfeifkonzert scheint ihm sicher.

Zudem findet im Vorfeld der Partie die Zeremonie für Steven Reinprecht statt. Seine Rückennummer 28 wird auf einem überdimensionalen Banner symbolisch unter das Hallendach gezogen und fortan nicht mehr vergeben. Dass ausgerechnet ein Spieler im Ruhestand für eine volle Halle sorgt, wird Wolfgang Gastner egal sein.

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