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Interview

Winner: Die Kirche ist Regionalligist

Neumarkts Pfarrer Norbert Winner äußert sich zu Aberglaube im Fußball, unmoralischen Gehältern und der Bedeutung der Kirche.
Von Thorsten Drenkard

Domkapitular Norbert Winner Foto: Röhrl
Domkapitular Norbert Winner Foto: Röhrl

Neumarkt.Herr Domkapitular Winner, zur Zeit werden in Neumarkt die Passionsspiele aufgeführt. Welche Bedeutung hat deren Aufführung heutzutage?

Die Passionsspiele sind eine sehr starke Möglichkeit, den Menschen die Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu nahezubringen. Heute sehe ich sie vor allem als wichtig an, weil fast 500 Menschen dabei mitmachen und aktiv beteiligt sind. Es ist wie in einer großen Familie. Und es ist für uns alle ein tiefes Glaubenserlebnis

Manche Fußballer beten vor den Spielen oder bekreuzigen sich. Ist ein Gebet angemessen, im Anbetracht dessen, dass es sich nur um ein Spiel handelt?

Ich glaube, wenn sich in diesen Momenten jemand bekreuzigt und ein kurzes Gebet spricht, tut er das, um für seine Gesundheit zu beten und darum, vor Verletzungen bewahrt zu werden. Aber generell darf man schon für seine Mannschaft und deren Erfolg beten.

Manche Spieler, Trainer oder Funktionäre sind abergläubisch. Was sagen Sie dazu?

Aberglaube ist ein Phänomen unserer Gesellschaft und unserer neueren Zeit – er ist ein Spiegelbild. Ich sehe diese Entwicklung kritisch.

Um Cristiano Ronaldo herrscht seit Jahren ein gigantischer Starkult. Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/dpa
Um Cristiano Ronaldo herrscht seit Jahren ein gigantischer Starkult. Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/dpa

In den Stadien werden millionenschwere Fußball-Stars verehrt, schnell werden Kicker von ihren Fans angebetet. Geht das zu weit – Stichwort „Personenkult“?

Diese Entwicklung sehe ich mit großer Sorge. Es gibt mittlerweile sehr viele hoch bezahlte Fußballer, die ihrem öffentlichen Status und ihrer damit einhergehenden Vorbildrolle für viele Menschen vom moralischen und intellektuellen Standpunkt her nicht gerecht werden. Da wünschte ich mir schon, dass diese prominenten Sportler auch als Vorbilder auftreten würden.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Fußball, der Kirche und dem christlichen Glauben?

Wenn man sieht, wie Fans in den Stadien zusammenkommen und feiern, dann ist das fast wie eine Liturgie, wie ein Gottesdienst. Es hat einen starken Zugehörigkeitscharakter. Weiterhin ist es im Sinne des Glaubens, Ehrfurcht vor dem eigenen Körper zu zeigen und ihn beispielsweise durch Sport zu pflegen.

Sind die teils Millionen-Gehälter, die im Profifußball gezahlt werden, moralisch verwerflich?

Das ist schwierig zu sagen. Sie sind sicherlich unverhältnismäßig hoch, wenn man sieht, was der gewöhnliche Fan verdient. Auf der anderen Seite ist es eben so, dass man im Fußball nur Topstars bekommt, wenn man eben diese Millionengehälter bezahlt. Grundsätzlich ist es fragwürdig, solche Summen zu zahlen, aber ich weiß nicht, wie man das ändern könnte.

Neymar ist mit einer Transfersumme von 222 Millionen Euro der teuerste Transfer der Fußballwelt – und er ist gläubig. Foto: Nick Potts/Press Association/dpa
Neymar ist mit einer Transfersumme von 222 Millionen Euro der teuerste Transfer der Fußballwelt – und er ist gläubig. Foto: Nick Potts/Press Association/dpa

Um im Fußballbild zu bleiben: Im Hinblick auf die Bedeutung für die Menschen und deren Lebensrealität, in welcher Liga zwischen Champions League und B-Klasse spielt die Kirche dabei?

Ich würde sagen in der Regionalliga. Das meine ich aber keineswegs abwertend, im Gegenteil, ich finde das sogar positiv. Denn das wesentliche kirchliche Leben findet vor allem auf Ortsebene statt. Allgemein muss man aber auch sagen, dass die Bedeutung der Kirche gesellschaftlich nachgelassen hat. Früher war sie praktisch allherrschend, was vielleicht auch nicht gut war.

Gibt es Themen, die inhaltlich in einem Gebet verboten sind? Zum Beispiel für eine Niederlage eines Konkurrenten meines Lieblingsvereins.

Wir beten ja immer für etwas, nicht gegen etwas. Das gilt nicht nur für das Christentum, sondern für alle Religionen. Jemandem etwas Schlechtes im Gebet zu wünschen, ist ein religiöser Irrweg und ein Fehlverhalten.

Hier finden Sie sämtliche Artikel zu den Passionsspielen in Neumarkt.

Gibt es eigentlich einen „Fußball-Gott“ und darf man diesem huldigen?

Es gibt Gott und Gott ist überall präsent – auch im Fußball. Ich denke, es handelt sich dabei um einen gut gemeinten sprachlichen Begriff. Wenn jemand den Ausdruck ,Fußball-Gott‘ verwendet, dann ist das vielleicht etwas gedankenlos, aber eigentlich harmlos. Das ist ähnlich wie mit dem Wetter-Gott.

Wie ist es um Ihre persönlichen sportlichen Fähigkeiten bestellt?

Schlecht. Ich gehe gerne hin und wieder spazieren, wenn ich die Zeit habe, fahre ich manchmal ins Hallenbad. Ansonsten hat man mich früher beim Fußball immer ins Tor gestellt, damit ich den wenigsten Schaden anrichte. (lacht)

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