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Trendsport

Franken treten bei Mölkky-WM an

Das Geschicklichkeitsspiel erfreut sich im Raum Nürnberg wachsender Beliebtheit. Nun fährt ein Team zur WM nach Finnland.
von Patrick Reichardt, dpa

Olivier Allain vom „Team International“ wirft bei den Deutschen Meisterschafen im Mölkky in Erlangen (Bayern). Er startet für Deutschland bei der WM in Lahti.
Olivier Allain vom „Team International“ wirft bei den Deutschen Meisterschafen im Mölkky in Erlangen (Bayern). Er startet für Deutschland bei der WM in Lahti.Foto: NPV

Erlangen.Das Skisprung-Quartett Martin Schmitt, Sven Hannawald, Alexander Herr und Michael Uhrmann hat 2001 gezeigt, wie man sich im finnischen Lahti zu Weltmeistern krönt. Am Wochenende will es ihnen ein Viergespann um den Erlanger Studenten Oliver Lindenmayr nachmachen. Mit dem Unterschied, dass sich die Starter beim Trendsport Mölkky nicht mit großer Geschwindigkeit von der Skisprungschanze wagen, sondern mit möglichst viel Ruhe und Präzision ein Wurfholz auf stehende Spielhölzer werfen. Weil der Sport in Finnland große Tradition besitzt, findet die offene Mölkky-Weltmeisterschaft auch in diesem Jahr in Lahti statt.

Die deutschen Meister um den 25 Jahre alten Lindenmayr treten mit großen Ambitionen an. „Wir wollen Weltmeister werden, schließlich gehen wir mit einem super Team an den Start“, erklärte der Student. Olivier Allain, Damien Landais und Fabian Schönmann begleiten Lindenmayr – alle drei sind gebürtige Franzosen, treten aber für das deutsche Team an. Genau 180 Teams mit jeweils vier Spielern stellen sich dem Wettbewerb, die meisten davon kommen selbstredend aus Finnland. „Es ist wie ein großes Fest“, erzählt Lindenmayr, der in der Mölkky-Szene längst Bekannte aus ganz Europa kennengelernt hat. Zur WM übernachtet er bei Freunden aus Finnland.

Beim Turnier selbst wird dann auf stehende Spielhölzer geworfen, die mit Nummern von eins bis zwölf versehen sind. Gelingt es dem Spieler, nur ein Holz umzuwerfen, erhält er die Punktzahl des getroffenen Holzes. Wirft der Spieler mehrere Hölzer um, erhält er pro Holz einen Punkt. Sieger ist das Team, das zuerst genau 50 Punkte erzielt hat.

In Deutschland befindet sich die Hochburg des Mölkky-Sports im fränkischen Raum Erlangen-Nürnberg, wo im Jahr 2008 erstmals die offenen deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden. Gleich zwei Verbände entsenden am Wochenende ein Team nach Lahti. „Mölkkolution“ um Lindenmayr und sein leicht verändertes Meisterteam sowie der NPV („Nürnbergin Pölkkyveikot“), der Deutschland gegenüber dem Weltverband vertritt.

Seinen Bekanntheitsgrad deutlich steigern konnte der Sport, als die im Privatfernsehen ausgestrahlte Sendung „Schlag den Raab“ Mölkky vor circa zwei Millionen Zuschauern spielen ließ. „Durch die Sendung wurde unser Sport massiv bekannter. Das war ein richtiger Booster“, erklärt Walter Aust, der als Chefkoordinator beim deutschen Verband NPV fungiert. Aust selbst wird zur WM auch nach Finnland reisen, dort aber nicht selbst spielen. „Das“, erklärt der 53-Jährige, „kann meine Frau viel besser.“ Sie nimmt an der Meisterschaft aktiv teil.

Für besonders wichtig im Mölkkysport hält Aust Geschicklichkeit, Koordination und Taktik. Schließlich geht es darum, genau 50 Punkte zu erzielen – und bloß nicht mehr. Überwirft man sich, wird das Punktekonto auf 25 zurückgestuft.

Lindenmayr tritt zum zweiten Mal bei der WM an. Obwohl die Stimmung harmonisch und die zu gewinnenden Preise überschaubar sind, war der Druck für ihn beim ersten Mal 2013 deutlich spürbar. „Man ist noch mehr im Blickpunkt, weil man gegen die Weltbesten antritt“, erklärte der 25-Jährige. Dennoch musste er mit seinem Team damals das schnelle Aus im Turnier hinnehmen. Diesmal wollen die Erlanger nicht nur gegen die Besten antreten, sondern die Elite aus Finnland und Frankreich, wo der Sport immer stärker aufkommt, auch besiegen.

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