MyMz

Fussball

Club: Die Fans rätseln über sich selbst

Trotz Platz eins ist das FCN-Stadion meist nur zur Hälfte voll. Wir fragten bei Neumarkter Club-Fans nach, woran das liegt.
Von Thorsten Drenkard

Die Freude bei den Club-Fans über den sportlichen Höhenflug ist zweifelsohne groß – anders als die Kulisse im Stadion, die im bisherigen Saisonverlauf nach dem Dafürhalten des FCN zu gering war. Fotos: Eibner/Rosinger
Die Freude bei den Club-Fans über den sportlichen Höhenflug ist zweifelsohne groß – anders als die Kulisse im Stadion, die im bisherigen Saisonverlauf nach dem Dafürhalten des FCN zu gering war. Fotos: Eibner/Rosinger

Nürnberg.Stell’ Dir vor, der Club spielt zu Hause um den Sprung an die Tabellenspitze und das Stadion bleibt halb leer. So geschehen im Spitzenspiel der 2. Liga am sonnigen Sonntagnachmittag zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem MSV Duisburg. Lediglich rund 25.000 Anhänger waren dabei, als sich ihr Club durch einen verdienten 3:1-Sieg auf Platz eins der Liga schoss.

Die Mannschaft von Trainer Michael Köllner befindet sich auf sportlichem Höhenflug, klopft immer lauter an die Tür zur Belle Étage des deutschen Fußballs, doch der Ansturm der Fans bleibt aus. Für die Verantwortlichen ebenso unverständlich wie ärgerlich.

Bleibt die Frage nach dem Warum. Weshalb bleiben zahlreiche Club-Anhänger den Heimspielen fern, da doch ihr Verein derzeit so erfolgreich ist? Die MZ hat nachgefragt bei jenen, die im Stadion waren und eigentlich immer da sind, wenn ihr Club spielt – den treuen Anhängern aus der Region, die sich in Fanclubs zusammengefunden haben.

Rätselraten im Fanbus

So wie Frank Renner, der Vorsitzender des FCN-Fanclubs Stammtisch Neumarkt ist. Natürlich sind er und 45 weitere Fanclub-Mitglieder am Sonntag per Bus ins Max-Morlock-Stadion gefahren, um ihren FCN die Tabellenspitze erklimmen zu sehen. Weshalb ihr heiß geliebter Club offensichtlich an Anziehungskraft in den Reihen der vermeintlich treuen FCN-Fangemeinde verloren hat, darüber rätselten Renner und sein Weggefährten auf der Busfahrt leidenschaftlich. „Wir haben uns auch gefragt, woran das liegt“, sagt Renner, allein eine Antwort auf diese brennende Frage hätten sie nicht gefunden.

Womöglich die Anstoßzeiten? „Aber an einem Sonntag um 13.30 Uhr sollte man es als Fan schon ins Stadion schaffen können“, findet Renner. Wie er auch der Meinung ist, dass der Verein mehr Unterstützung der Fans verdient hätte, denn: „Angefangen von der Club-Führung über den Trainerstab bis hin zur Mannschaft ist eine positive Entwicklung zu sehen.“

Ein FCN-Fan mutmaßt auf Twitter, woran die Zuschauerproblematik liegen könnte:

Dass sich der Verein verstärkt mit Fan-Aktionen um die Gunst der eigenen Anhänger bemühen müsse, glaubt Renner nicht. Vielmehr sei intensivere Mundpropaganda unter den Club-Fans gefordert, damit das Stadion wieder voller werde.

Die Stimmung am Sonntag im nur zur Hälfte gefüllten Stadion war „ganz gut, nicht mordsmäßig, aber keinesfalls schlecht“, befindet Renner und blickt ein wenig neidisch gen Hamburg, genauer in Richtung St. Pauli. Denn beim Heimspiel der Paulianer zuletzt gegen den Club sei erkennbar gewesen, wie in einem vollen Haus die Fans „ihr Team sichtlich angetrieben haben“.

Die Entwicklung der FCN-Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren:

Club: Erfolg vor leeren Rängen

Stefan Braun, stellvertretender Vorsitzender der Club-Fanatics Oberpfalz aus Berg, war am Sonntag ausnahmsweise nicht im Stadion, hatte für sein Fernbleiben aber einen triftigen Grund: „Meine Tochter war krank.“ Andernfalls wäre er freilich im Stadion gewesen, denn das Team von Coach Köllner „macht wieder richtig Spaß“.

Anders als in den Jahren zuvor, als „viel Geld verbrannt und schlechter Fußball gespielt wurde“. Jene entbehrungsreiche Zeiten seien auch ein Grund, weshalb aktuell noch etliche Fans mit Skepsis auf den Höhenflug blickten. Aber Braun ist überzeugt: „Wir werden aufsteigen und dann wird das Stadion wieder gut voll sein.“ Auch weil die Spielansetzungen in der Bundesliga fanfreundlicher seien als in Liga 2, zudem seien die Gegner attraktiver.

Hier lesen Sie einen Kommentar zur Zuschauersituation beim FCN:

Kommentar

Es ist einfach kompliziert

Wir leben in unübersichtlichen Zeiten. Nichts mehr scheint einfach heutzutage – eine Bundesregierung zu bilden beispielsweise. Oder den Überblick zu behalten...

Eine volle Hütte konnte der fränkische Traditionsverein in dieser Saison noch nicht feiern. Frank Renner sorgt sich deshalb um die Außendarstellung des Club, denn: „Das ist schade und gibt kein gutes Bild ab.“ Deshalb findet Renner die Appelle von Michael Köllner in Richtung der Fans, doch wieder zahlreicher ins Stadion zu pilgern, „ganz gut“.

Alois Rosinger, Vorsitzender des FCN-Fanclubs Neumarkt 78, sieht das Vorpreschen des Oberpfälzer Übungsleiters vor dem Duisburg-Spiel, als er zuletzt den mangelnden Fan-Zuspruch moniert hatte, hingegen kritisch: „Köllner ist wohl noch nicht lange genug dabei, um zu verstehen und nachvollziehen zu können, was wir Fans gelitten haben und was uns schon alles versprochen wurde in den vergangenen Jahrzehnten.“

Alois Rosinger ist seit 42 Jahren Dauerkartenbesitzer beim FCN.
Alois Rosinger ist seit 42 Jahren Dauerkartenbesitzer beim FCN.

Es sei sehr viel Kredit verspielt worden, da kämen die leidgeprüften Fans nach ein paar erfolgreichen Monaten in der ungeliebten 2. Liga eben nicht wieder scharenweise zurück ins Stadion.

Euphorie verspüre er jedenfalls keine, sagt Rosinger. Wer seit 42 Jahren als Dauerkartenbesitzer mit dem Club mehr Täler durchschritten als Berge erklommen hat, der ist mit überschwänglichen Emotionen eben zurückhaltend. Dass der Club den Aufstieg schafft, darauf will sich der 60-Jährige nicht festlegen.

Natürlich hofft er inständig darauf, aber als Cluberer hat er doch schon so viel Unerfreuliches gesehen. Deshalb gibt er auch unumwunden zu. „Wenn wir tatsächlich aufsteigen, dann bin ich der glücklichste Mensch!“ Spätestens dann sollte auch das Max-Morlock-Stadion wieder deutlich besser besucht sein.

Weitere Sportmeldungen aus der Region lesen Sie hier.

Alles rund um den FCN finden Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht