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2. Bundesliga

Beim Club beginnt das große Grübeln

Der Lastminute-K.O bei Arminia Bielefeld an sich wäre kein Beinbruch. Doch er deckt die Probleme der Nürnberger auf.
Von Daniel Frasch

Pure Enttäuschung: Club-Angreifer Adam Zrelak liegt nach der Niederlage auf dem Rasen. Foto: Friso Gentsch/dpa
Pure Enttäuschung: Club-Angreifer Adam Zrelak liegt nach der Niederlage auf dem Rasen. Foto: Friso Gentsch/dpa

Nürnberg.„The trend is your friend“, hieß lange Zeit das Credo in Franken. Wochenlang hangelten sich die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg an jener Binsenweisheit des Börsenwesens entlang. Das konnten sie auch ruhigen Gewissens tun, schließlich blieben die Franken elf Spiele in Folge ungeschlagen, eine Trendumkehr zeichnete sich nicht ab. Selbst in Partien, in denen die Nürnberger weder die bessere Mannschaft waren, noch spielerisch überzeugten, hielten sie sich schadlos und kletterten gar an die Tabellenspitze der 2. Liga.

Doch das Glück des Tüchtigen, dass die Mannschaft von Trainer Michael Köllner mitunter besaß, ist abhandengekommen. „In der Hinrunde hatten wir viele Partien, in denen das Pendel in den entscheidenden Momenten auf unsere Seite ausgeschlagen hat. Momentan läuft es in diesen Situationen eher gegen uns“, konstatierte Köllner im Anschluss an die jüngste 0:1-Niederlage am Freitagabend bei Arminia Bielefeld. Der Lastminute-K.O in der 90. Spielminute, wie ihn der 48-jährige Oberpfälzer umschrieb, war bitter und unnötig gleichermaßen. Die aussichtsreiche Möglichkeit, selbst den späten Führungstreffer zu erzielen, verspielten die Franken fahrlässig. Im Gegenzug leistete sich die Abwehrreihe um Innenverteidiger Ewerton eine Unachtsamkeit – die späte Führung der Gastgeber bedeutete gleichzeitig den Endstand.

FCN-Offensive extrem harmlos

Doch es sind weniger schwache Leistungen im Defensivverbund, die den Franken aktuell Anlass zur Sorge bereiten. Viel mehr ist es die Harmlosigkeit, mit der sie seit nunmehr drei Spielen in der Offensive zu Werke gehen. Nach dem 0:0 in Bochum und der 0:2-Pleite gegen Fürth blieb der 1. FC Nürnberg in Bielefeld bereits zum dritten Mal in Folge ohne eigenen Treffer. Die einstige Torfabrik der Liga fuhr ihre Produktion im Angriff zuletzt auf Null. Nicht mangelnde Chancenverwertung ist das derzeitige Problem der Nürnberger. Alleine das Kreieren von Torgelegenheiten bereitet den Franken große Probleme – das belegen auch die nackten Zahlen: In Bielefeld gaben sie drei Schüsse auf das gegnerische Tor ab. Ein einziger Eckball in 90 Minuten spricht nicht gerade für offensive Durchschlagskraft.

Ein paar Randnotizen zum Spiel finden Sie hier:

Notizen aus dem Lager des 1. FC Nürnberg

  • Geburtstagskind:

    Defensivspieler Ondrej Petrak feierte am Sonntag seinen 26. Geburtstag.

  • Zweikampfschwach:

    Angreifer Adam Zrelak gewann in Bielefeld nur 16 Prozent der Zweikämpfe.

  • Oberschenkelverletzung:

    Mittelfeldspieler Kevin Möhwald erlitt in Bielefeld nur eine Prellung. Sein Einsatz gegen Darmstadt ist nicht gefährdet.

Wie ernst die Lage am Nürnberger Valznerweiher mittlerweile ist, macht ein spontan einberufener Termin Samstagvormittag deutlich. Für eine Aussprache traf sich Michael Köllner erst mit seinem Mannschaftsrat, später nahm der gesamte Nürnberger Kader an der „Diskussionsrunde“ teil. Es wurde eine intensive und offene Analyse nicht nur der Partie des Vorabends, insbesondere die Entwicklung der vorangegangenen Spiele wurde thematisiert. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, ließ sich Hanno Behrens auf der Homepage des 1. FC Nürnbergs zitieren. „Das hat sehr gutgetan. Jetzt sind wir noch motivierter“, so der Kapitän weiter.

Aus den acht Punkten, die der Abstand auf Relegationsplatz drei noch vor drei Wochen betrug, wurden vier Zähler. Dass die Franken, die aus den vergangenen fünf Partien nur fünf Punkte einfuhren, noch immer auf dem direkten Aufstiegsplatz zwei stehen, haben sie vor allem der unbeständigen Leistungen des Verfolgers Holstein Kiel zu verdanken. Das Nürnberger Umfeld, in der jüngeren Vergangenheit auffallend ruhig und bodenständig, wird allmählich unruhig, weil es fürchtet, die Mannschaft würde kurz vor der Zielgeraden ihre glänzende Ausgangssituation verspielen – und damit auch den achten Bundesliga-Aufstieg der Vereinshistorie.

Köllner rüttelt Team wach

Von derart gelagerter Schwarzmalerei will Köllner nichts wissen. „Unsere aktuelle Situation ist immer noch sehr gut. Wichtig ist jetzt, dass die derzeitige Negativphase nicht zu lange andauert, deswegen richten wir den Blick sofort wieder nach vorne.“ Wie man bestenfalls mit solch einer Schwächephase umgeht, bewies der Club bereits in der Hinrunde. Damals unterlagen die Franken erst in Heidenheim (0:1), um eine Woche später zuhause gegen den FC Ingolstadt mit 1:2 zu verlieren. Was folgte, war die elf Spiele andauernde Serie, die die Franken nach 23 Spieltagen bis auf Rang eins katapultierte. „Ich bin überzeugt, dass wir gegen Darmstadt (Sonntag, 13 Uhr) eine gute Leistung abliefern werden“, versprach Behrens nach dem Krisengipfel und nahm seine Kollegen in die Pflicht: „Jetzt kann jeder zeigen, dass er das Herz am richtigen Fleck hat.“

Alles zum Geschehen beim 1. FC Nürnberg finden Sie hier: Club-Spezial

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