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Fußball

Die zwei Gesichter des 1. FC Nürnberg

Zuhause liegt der Club im Soll. Sorgen um den Bundesliga-Klassenerhalt bereiten die Leistungen in den Auswärtsspielen.
Von Daniel Frasch

In der Defensive – hier ein Zweikampf zwischen Sebastian Rudy (Schalke 04) und Ondrej Petrak – gab es immer wieder Probleme. Foto: Thomas Thienel/Eibner
In der Defensive – hier ein Zweikampf zwischen Sebastian Rudy (Schalke 04) und Ondrej Petrak – gab es immer wieder Probleme. Foto: Thomas Thienel/Eibner

Nürnberg.Dass dem 1. FC Nürnberg nach vierjähriger Abstinenz eine äußerst schwierige erste Bundesligasaison bevorstehen würde, war den Verantwortlichen am Valznerweiher bereits kurz nach dem Aufstieg im Sommer klar. Dass sich der fränkische Aufsteiger insbesondere auf fremden Plätzen schwertun würde, war ebenso abzusehen. Nicht allerdings die Deutlichkeit, mit der der Club bislang auf fremden Plätzen Prügel bezog.

Mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern gingen die Nürnberger Profi-Fußballer in der laufenden Saison zu Werke und schwankten dabei zwischen erfrischendem Offensiv-Fußball und defensivem Harakiri.

Club ist die Schießbude der Liga

Während die Leistungen im heimischen Max-Morlock-Stadion über weite Strecken stimmten, verließen die Franken die Spielstätten in der Fremde oftmals wie geprügelte Hunde. Dem 0:7 in Dortmund und dem 0:6 in Leipzig folgte vergangenen Samstag mit dem 2:5 bei Schalke 04 das nächste Defensiv-Debakel. Mit 22 Gegentoren in sechs Auswärtspartien sind die Franken bis dato die Schießbude der Liga, im Schnitt kassierte die Mannschaft von Trainer Michael Köllner 3,6 Treffer pro Partie.

„Wir hatten zu viele einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung“, hatte Michael Köllner bereits nach der desolaten Leistung in Leipzig kritisiert und gefordert, „die richtigen Lehren daraus zu ziehen.“

Köllner, dem akribischen Arbeiter, der trotz einer offensiven Spielausrichtung großen Wert auf eine kompakte Abwehr legt, gelang es bislang nicht, seine unerfahrene Mannschaft defensiv stabiler auszurichten. Nach zwölf absolvierten Bundesligapartien lässt sich festhalten: Der Club hat das Verteidigen verlernt – zumindest auf den fremden Plätzen. Während die Franken im vergangenen Jahr die zweitstärkste Abwehr der Liga stellten und in 34 Partien nur 39 Gegentore kassierten, ist die Defensive die bisherige Achillesferse der Nürnberger.

Die Partien gegen Dortmund, Leipzig und Schalke zeigten den immensen Qualitätsunterschied zwischen der Zweiten Liga und der Ersten Bundesliga und stellten vor allem die Nürnberger Abwehrreihe vor unlösbare Probleme. Allen voran Tim Leibold blieb zuletzt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und hatte mit einer unterirdischen Zweikampfquote von 27 Prozent erheblichen Anteil an der Niederlage in Gelsenkirchen. Vier der fünf Gegentore fielen über die linke Seite, ein ums andere Mal ließ sich der Böblinger dabei von seinen Gegenspielern düpieren.

„Wir hatten zu viele einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung.“

Trainer Michael Köllner nach dem 0:6 in Leipzig

Auf der rechten Abwehrseite wird das Fehlen von Enrico Valentini immer deutlicher. Die Lücke, die der 29-Jährige nach seinem erlittenen Sehnenanriss im Oberschenkel hinterließ, konnte bislang nicht geschlossen werden. Dabei ersetzt den Nürnberger mit Robert Bauer ausgerechnet der bundesligaerfahrenste Club-Akteur. Für Bremen und Ingolstadt absolvierte Bauer in den vergangenen Jahren bereits 67 Partien in Deutschlands höchster Spielklasse, seine Bundesligatauglichkeit konnte der 23-Jährige beim Club allerdings noch nicht unter Beweis stellen. In der Innenverteidigung steht mit Georg Margreitter zwar ein routinierter und zweikampfstarker Spieler, doch auch der Österreich blieb in den wenigsten Partien fehlerfrei. Defensiver Lichtblick der laufenden Saison ist ausgerechnet Lukas Mühl. Der 21-Jährige, der seit Saisonbeginn den verletzten Brasilianer Ewerton vertritt, entwickelte sich im ersten Saisondrittel vom talentierten Abwehrspieler zu einem gestandenen Bundesligaprofi. Der Kapitän der deutschen U-20-Auswahl minimierte seine Fehler im Aufbauspiel und agierte auch in Drucksituationen deutlich abgeklärter als noch in der vergangenen Saison.

Die Ursache für die Gegentorflut allein im Defensivverbund zu suchen, wäre allerdings falsch. Zu häufig unterliefen den Franken vermeidbare Ballverluste im Spielaufbau, die es den Gegnern erlaubten, den Club auszukontern. Die nackten Zahlen sprechen Bände: Mit 22 Gegentoren und mageren zwei Zählern ist der Club das bis dato schwächste Auswärtsteam der Liga. Soll die Mission Klassenerhalt gelingen, müssen die Franken ihr Abwehrverhalten, insbesondere in den Auswärtspartien, deutlich verbessern.

Zurück zu alter Heimstärke

Deutlich erfolgreicher gestaltete die Mannschaft von Trainer Michael Köllner bislang ihre Heimspiele. Neun Punkte sammelten die Franken in sechs Partien und kassierten mit nur sieben Gegentreffern sogar drei Tore weniger als der FC Bayern München.

Zugegeben: Mit Hannover 96, Mainz 05 und Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf gastierten bislang nicht die Hochkaräter der Liga im Max-Morlock-Stadion. Dennoch agierten die Nürnberger vor den eigenen Fans defensiv deutlich stabiler, ballsicherer und mutiger im Angriff. Mit Ausnahme der Partien gegen den VfB Stuttgart (0:2) und Hoffenheim waren die Franken mindestens auf Augenhöhe und zeigten ansprechende Leistungen, die anfangs auch von Erfolg gekrönt waren. Seit sechs Ligaspielen wartet der Club nun aber bereits auf einen Sieg. Höchste Zeit, Montagabend (20.30 Uhr) gegen Leverkusen wieder das schöne, erfolgreiche Gesicht zu zeigen.

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Mögliche Rückkehr

Foto: Eibner/Buennin
Foto: Eibner/Buennin

Innenverteidiger Ewerton könnte im Heimspiel gegen Leverkusen Montagabend (20.30 Uhr) erstmals wieder in der Nürnberger Startelf stehen und Robert Bauer ersetzen. Der 23-Jährige ist nach seiner Gelb-Roten Karte aus der Partie auf Schalke für ein Spiel gesperrt.

Beeindruckender Auftritt

Foto: Thomas Thienel / Eibner
Foto: Thomas Thienel / Eibner

Mittelfeldspieler Simon Rhein überzeugte auch in seinem vierten Bundesligaspiel. Mit über 11 Kilometern Laufleistung war Rhein nicht nur ein Aktivposten, der 20-Jährige wies eine Passquote von 95 Prozent auf und gewann 60 Prozent der Zweikämpfe.

Kaum Spielpraxis

Foto: Eibner/BEC
Foto: Eibner/BEC

Mittelfeldspieler Patrick Erras kam auch gegen Schalke 04 nicht zum Einsatz. Der gebürtige Amberger blieb damit in den vergangenen drei Ligapartien ohne einzige Einsatzminute. In der laufenden Saison stand Erras in elf Partien insgesamt nur 98 Minuten auf dem Feld.

Luft nach oben

Foto: Thomas Thienel/Eibner
Foto: Thomas Thienel/Eibner

Torhüter Fabian Bredlow kassierte in den bisherigen acht Liga-Einsätzen 19 Gegentore. In den vergangenen vier Partien musste Bredlow auf der Bank Platz nehmen, aufgrund der Knieverletzung von Christian Mathenia ist Bredlow bis zur Winterpause die Nummer eins.

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