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FCN: Behrens und die dritte Vorbereitung

Der Kapitän des Club spricht über massive Anfeindungen, häusliche Quarantäne und seine Fähigkeiten als Gärtner.

Hanno Behrens ist noch schockiert über die Drohungen gegen ihn und einige Kollegen. Foto: Karmann/dpa
Hanno Behrens ist noch schockiert über die Drohungen gegen ihn und einige Kollegen. Foto: Karmann/dpa

Nürnberg.Hanno Behrens hat vor wenigen Wochen seinen Garten umgegraben. Der Kapitän des 1. FC Nürnberg baut neuerdings Zucchini, Gurken und Tomaten an. „Vielleicht habe ich ein kleines, neues Hobby entdeckt“, erzählte Behrens vor Kurzem in einem Video-Interview des fränkischen Fußball-Zweitligisten lachend. In der Coronavirus-Krise entdeckt manch einer ungeahnte Talente.

Training in Kleingruppen

Behrens kann mit dem 1. FC Nürnberg längst wieder in Kleingruppen trainieren. Das ist schon ein großer Fortschritt für die Profis. Denn zwischenzeitlich mussten Behrens und Co. zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen, nachdem bei Teamkollege Fabian Nürnberger ein Coronavirus-Test positiv ausgefallen war. „Es ist immer noch eine außergewöhnliche Situation“, sagte Behrens. „Normalität ist es noch lange nicht.“ Die aktuelle Phase mit Einheiten unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen fühle sich wie eine dritte Vorbereitung an.

Eine besorgniserregende Situation hatte Behrens unmittelbar vor der Unterbrechung des Spielbetriebs wegen der Corona-Krise erlebt. Anfang März unterlag der Club zuhause gegen Hannover 96 mit 0:3 – erst wenige Stunden vor der Partie hatte der Mittelfeldspieler von massiven Anfeindungen erfahren. „Angst hatte ich zu keiner Zeit, trotzdem fragt man sich schon, was Menschen zu so einer widerlichen Aktion treibt“, schilderte der 30-Jährige.

Am Morgen des Spieltags waren am Max-Morlock-Stadion und auch am Trainingsgelände Drohplakate in DIN-A-4-Größe gegen Club-Spieler aufgetaucht. Im Internet kursierte eines dieser Plakate. Wann trenne sich der Verein endlich „von solchen Anti-Fußballern“ wie Lukas Mühl, Hanno Behrens und so weiter, stand darauf. Die Anfeindungen gipfelten in dem brutalen Satz: „Muss es denn einen zweiten Fall Escobar geben?“ Damit wurde auf die Ermordung des kolumbianischen Nationalspielers Andres Escobar nach einem Eigentor bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA angespielt.

Grenzen überschritten

„Das ist ein Fall, der überschreitet Grenzen“, hatte Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca gesagt und angekündigt: „Das macht uns sprachlos, aber wir werden nicht tatenlos sein.“ Der Verein schaltete daraufhin die Polizei ein. Sie ermittelt in dem Fall weiter.

„Ich kann so was nicht verstehen“, sagte Behrens. Bei dem Täter oder den Tätern müsse es sich um „absolute Vollidioten“ handeln. Solch eine Person müsse „absolut charakterschwach“ sein. Mit dem Abstand mehrerer Wochen konnte Behrens, der im Sommer 2015 vom SV Darmstadt 98 zum FCN wechselte, immerhin konstatieren: „Ich habe das Thema jetzt für mich abgehakt.“ Ein aktuell drängendes Thema ist für Behrens der geplante Neustart in den Bundesligen. Sollte der Spielbetrieb fortgesetzt werden dürfen, dann nur ohne Zuschauer. „Der Fußballer in mir würde sich sehr freuen auf die Geisterspiele, dass man wieder auf dem Platz steht“, meinte Behrens. Ohne Zuschauer in einem Stadion zu spielen, würde aber „sehr komisch“ sein, denn „es würde was fehlen“. (dpa)

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