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FCN: Die Hoffnung ist zurück

Nach dem ersten Sieg im letzten halben Jahr herrscht wieder Euphorie beim Club. In Stuttgart kommt es zum Abstiegs-Endspiel.
Von Daniel Frasch

Matheus Pereira bejubelt seinen ersten Treffer im Club-Trikot Fotos: Eibner/Daniel Karmann/dpa
Matheus Pereira bejubelt seinen ersten Treffer im Club-Trikot Fotos: Eibner/Daniel Karmann/dpa

Nürnberg. Nürnberg Sechs Monate mussten die Fans des 1. FC Nürnberg auf diesen Moment warten: Der 3:0-Heimsieg des Club gegen harmlose Augsburger vergangenen Samstag war der erste dreifache Punktgewinn seit dem 29. September 2018 (3:0 gegen Düsseldorf). Dementsprechend groß war der Jubel, der minutenlang nach Spielende durch das Max-Morlock-Stadion brandete.

Keine Qualifikation für die Teilnahme an der Euroleague, kein Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin: Das, was die leidgeprüften fränkischen Anhänger so ausgiebig feierten, war einfach nur ein Bundesligasieg. Aber einer, der drei wichtige Zähler im Abstiegskampf bedeutete und gleichzeitig der Beginn der langersehnten Wende sein könnte.

„Der letzte Sieg war gefühlt vor drei Jahren, aber wir sind überglücklich und stolz, dass wir heute gewonnen haben“, gab Linksverteidiger Tim Leibold einen Einblick ins Seelenleben der Nürnberger Mannschaft, die mit der Negativserie von 20 sieglosen Partien in Folge Vereinsgeschichte schrieb. In die gleiche Kerbe schlug Mannschaftskamerad Hanno Behrens. „Wir haben immer gesagt, dass wir uns nicht aufgeben werden, jetzt erst recht nicht. Wir werden uns in den letzten sieben Spielen reinhauen und um unser Leben kämpfen“, versprach Nürnbergs Kapitän, der gegen Augsburg in Sachen Laufleistung (11,21 km) nur noch von Kollege Mikael Ishak (11,54 km) übertroffen wurde.

Weit aus weniger Meter spulte Nürnbergs Matheus Pereira ab. Der Brasilianer war jedoch nicht lauffaul, der 22-Jährige durfte erst ab der 70. Minute ran und löste dabei den entkräfteten Sebastian Kerk ab. Für seinen ersten Treffer im FCN-Trikot reichten die 20 Minuten Einsatzzeit dennoch. 14 Bundesligaspiele bestritt die Leihgabe von Sporting Lissabon bislang für den Club, 14 Spiele voll Licht und Schatten.

Heißes Messer durch Butter

Pereira gehört zu der Art von Spielern, deren Grenze zwischen Genialität und geistigen Aussetzern fließend verläuft. Die Ballbehandlung des 22-Jährigen sucht innerhalb der Nürnberger Mannschaft seines Gleichen. Bekommt der Rechtsfuß etwas zu viel Platz, ist er jeder Zeit in der Lage, mit einem Pass gegnerische Abwehrreihen auszuhebeln. Wie ein heißes Messer durch die Butter lässt auch Pereira den Ball durch die Schnittstellen der Vierer-Abwehrketten gleiten. Anders als bei der Vorstellung des in Belo Horizonte geborenen Mittelfeldspielers angekündigt hat Pereira seine Stärken jedoch nicht auf den Außenbahnen. Auf der zentralen Position des klassischen Zehners kann der Brasilianer seine Stärken, nämlich seine Mitspieler in Szene zu setzen, am besten ausspielen.

Die andere, unschöne Seite wird beim Blick auf die Profistatistik Pereiras deutlich. In 114 Profispielen sah der 1,75-Meter kleine Techniker bereits vier rote Karten – die letzte in Diensten des Club bei der 1:2-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf vor fünf Wochen. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als sich der Brasilianer zu einer Tätlichkeit an Niko Gießelmann hinreißen ließ und seiner Mannschaft damit einen Bärendienst erwies. Drei Spiele zog ihn das DFB-Sportgericht aus dem Verkehr und brummte ihm obendrein eine Geldstrafe von 10.000 Euro auf. In seinem ersten Einsatz nach abgesessener Strafe zeigte sich Pereira geläutert. Nach dem Treffer zum vorentscheidenden 2:0 (88.) verzichtete der Brasilianer auf ausgiebigem Jubel.

Mit gefalteten Händen und einigen Klopfern auf die Brust wandte er sich an die Fans in der Nordkurve. „Ich wollte mich einfach noch mal bei unseren tollen Anhängern und beim gesamten Verein für meinen Aussetzer gegen Düsseldorf entschuldigen“, erklärte er.

Premiere feierte beim jüngsten Heimsieg über Augsburg auch Ivo Ilicevic. Der Winterneuzugang kam in der 84. Spielminute für Yuya Kubo und durfte sich erstmals dem Nürnberger Publikum präsentieren. Ob es künftig für mehr Einssatzzeit reichen wird, wird alleine vom Fitnesszustand des ehemaligen kroatischen Nationalspielers abhängen. Nachdem sein Vertrag beim kasachischen Erstligisten Kairat Almaty im Januar auslief, wies der in Aschaffenburg geborene Linksaußen ein erhebliches körperliches Defizit auf, dass es zu beheben galt. Die Erfahrung aus 135 Bundesligaspielen, in denen er 18 Tore erzielte, kann den Franken im Endspurt um den Klassenerhalt nur gut tun. Das erste von sieben Endspielen gegen den Abstieg in Liga zwei bestreitet der 1. FC Nürnberg kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim VfB Stuttgart. Mit einem Sieg würde der Club den Abstand auf Relegationsplatz 16 auf einen Zähler verkürzen. Anders ausgedrückt: Bei einer Niederlage am Neckar würde die neu entfachte Euphorie jäh ausgebremst werden, und das Unterfangen Klassenerhalt erneut in weite Ferne rücken. „Es bringt aber nichts, sich jetzt drei Tage lang abzufeiern. Nächste Woche haben wir ein enorm wichtiges Spiel. Mit einem Sieg in Stuttgart sind wir wieder dick im Geschäft“, mahnte Club-Torhüter Christian Methania noch im Anschluss an die Partie gegen Augsburg, den ersten Sieg nach sechs Monaten allzu sehr zu zelebrieren.

Club steht defensiv stabiler

Selbstvertrauen verlieh das jüngste Erfolgserlebnis der Nürnberger Mannschaft dennoch. Endlich belohnt worden zu sein für den Aufwand, den sie seit Wochen betreibt. Unter der Regie des Interimstrainers Boris Schommers fällt die vor allem die defensive Stabilität auf. In sechs Spielen kassierten die Franken nur sechs Gegentreffer, unter Ex-Trainer Michael Köllner waren es durchschnittlich 2,1 Gegentore pro Partie. Mit den drei Treffern von vergangenen Samstag scheint nun auch der Knoten in der Offensivabteilung geplatzt zu sein. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für den bevorstehenden Abstiegs-Krimi in Stuttgart.

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