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FCN-Fans: Segen und Fluch für den Club

Der Club weiß eine treue Anhängerschar hinter sich. Jedoch fallen Chaoten immer wieder negativ auf. Eine Betrachtung.
Von Daniel Frasch und Thorsten Drenkard

Die Liebe der treuen Fans zu ihrem 1. FC Nürnberg ist, allen Rückschlägen und Niederlagen zum Trotz, unerschütterlich. Foto: Thomas Voelker/Eibner
Die Liebe der treuen Fans zu ihrem 1. FC Nürnberg ist, allen Rückschlägen und Niederlagen zum Trotz, unerschütterlich. Foto: Thomas Voelker/Eibner

Nürnberg.Nach den Auseinandersetzungen rund um das DFB-Pokalspiel des 1. FC Nürnberg bei Drittligist Hansa Rostock (6:4 n.E.) vergangenen Mittwoch geriet die FCN-Anhängerschaft wieder einmal in Verruf. Rund 320 Nürnberger zogen Mittwochvormittag unbehelligt von der Polizei durch Rostock und lieferten sich einen kurzen, wenngleich heftigen Straßenkampf mit dem harten Kern der Hansa-Szene. „Wir können uns als Verein davon nur distanzieren“, kommentierte Club-Trainer Michael Köllner die hässlichen Szenen in der Rostocker Werftstraße.

Keine Frage: Jagd- und Prügelszenen wie in der vergangenen Woche haben im Umfeld eines Fußballspiels ebenso wenig verloren wie Warnschüsse der Polizei und müssen strafrechtlich verfolgt werden. Nicht zum ersten Mal fielen Teile der Club-Fans in der jüngeren Vergangenheit negativ auf und bescherten dem Verein somit Geldstrafen im hohen, sechsstelligen Bereich.

Attacke auf Fürth-Fans

Da war der Wurf eines Feuerlöschers auf der U-Bahnfahrt zum Derby nach Fürth im August 2014. Der Platzsturm nach dem verlorenen DFB-Pokalspiel gegen die SpVgg Ende 2011. Der Einsatz von Pyrotechnik in der Vorsaison in Kiel, Sandhausen und gegen Fürth sowie waren da Schlägereien im Trainingslager in Südtirol mit gewaltbereiten Anhängern des FC Bologna.

Zuletzt verdonnerte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Club im Juni dieses Jahres zu einer Zahlung von 25 000 Euro, weil Teile der Anhänger bei Zweitligaspielen gezündelt hatten. Im Januar wurden 5000 Euro fällig, unter anderem für das Werfen von Feuerzeugen in Richtung des Spielfeldes.

Besonders drastisch fiel die Geldstrafe vom Juli 2016 aus, als der DFB den FCN mit einer Strafzahlung von 70 000 Euro sowie einem Teilausschluss der Zuschauer im Heimspiel gegen Heidenheim belegte. Dem war abermals das Zünden von Pyrotechnik (Zweitligaspiel gegen Braunschweig, Relegationsspiele gegen Frankfurt) vorausgegangen.

Auch im Oktober 2013, als der Club gar 95 000 Euro blechen musste, hatten sich FCN-Chaoten rund um Spiele ihres Vereins massiv daneben benommen. Unter anderem wurde beim Gastspiel von Borussia Dortmund in Nürnberg der BVB-Kicker Marco Reus mit einem vollen Getränke-Karton beworfen und am Oberkörper getroffen.

Vorfälle, die zeigen, dass sich Teile der Nürnberger Anhängerschaft in der Vergangenheit schwer daneben benahmen und, abgesehen von kostspieligen Verfahren für den FCN, auch das Image des Clubs und seiner gesamten Fanszene schädigten.

Ein FCN-Chaot wird nach dem verlorenen Pokalspiel 2011 gegen Fürth abgeführt. Foto: David Ebener/dpa
Ein FCN-Chaot wird nach dem verlorenen Pokalspiel 2011 gegen Fürth abgeführt. Foto: David Ebener/dpa

Von einer problematischen oder gar im Kollektiv gewaltbereiten Nürnberger Fanszene zu sprechen, wäre jedoch schlicht falsch. Ein differenzierter Blick auf die fränkische Anhängerschaft ist zwingend erforderlich, will man ihre komplette Vielschichtigkeit abbilden. Denn das aktive Nürnberger Vereinsumfeld versteht es ebenso gut, Aufmerksamkeit auf intelligente und kreative Art und Weise zu erregen und damit ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Als Paradebeispiel dient die Umbenennung der Spielstätte in „Max-Morlock-Stadion.“

Ohne den jahrelangen und hartnäckigen Druck der Fans würde der Club seine Heimspiele heute sicher nicht im Max-Morlock-Stadion austragen. Vom Flashmob vor dem Sitz des einstigen Namensgebers easyCredit bis hin zur symbolischen Versteigerung traditionsreicher Plätze der Stadt: Nur der vielseitigen und vor allem leidenschaftlichen Protestwelle der Fanszene rückte die Stadionthematik regelmäßig in den Fokus der Stadt und brachte im Mai 2017 schließlich den langersehnten Erfolg.

Das Abbrennen von Pyrotechnik im Fanblock sorgt immer wieder für Ärger und zieht Geldstrafen nach sich. Foto: Langer/Eibner-Pressefoto
Das Abbrennen von Pyrotechnik im Fanblock sorgt immer wieder für Ärger und zieht Geldstrafen nach sich. Foto: Langer/Eibner-Pressefoto

Die jüngste Protestaktion fand im Rahmen des Gastspiels beim FC Augsburg (2:2) vergangenen Samstag statt. Unter dem Motto „Ihr kauft euch die Welt, wie sie euch gefällt“ nahmen die Nürnberger Fans an der bundesweiten Fan-Aktion teil, um die im Raum stehenden Bestechungsvorwürfe gegen den DFB sowie die seit Jahren ansteigenden Ticketpreise und die stetig veränderten Anstoßzeiten anzuprangern.

So soll es sein: FCN-Fans feiern mit Coach Michael Köllner Anfang Mai den Bundesliga-Aufstieg. Foto: Michael Bermel/Eibner
So soll es sein: FCN-Fans feiern mit Coach Michael Köllner Anfang Mai den Bundesliga-Aufstieg. Foto: Michael Bermel/Eibner

Doch nicht nur der Fußball selbst besitzt bei den Clubfans einen hohen Stellenwert, auch die Solidarität und die emotionale Verbundenheit zur Metropolregion Nürnberg steht immer wieder im Vordergrund. So sammelte die Nürnberger Nordkurve unter der Initiative der Ultras im vergangenen Winter stolze 38 000 Euro an Spenden, die anschließend an gemeinnützige Vereine wie „Der Klabautermann e.V.“ und die Noris Inklusion aufgeteilt wurden.

Das seit dieser Saison im Max-Morlock-Stadion erhobene Pfand auf Trinkbecher sammelten die Fans und übergaben im Rahmen der Partie gegen Hannover 96 Mitte September 13 000 Euro an die Familie eines FCN-Fans, der 2010 in einen Autounfall verwickelt war und dabei schwer verletzt wurde.

Der Betrag soll dazu beitragen, die erforderlichen Reha-Maßnahmen, die die Familie aus eigener Tasche bezahlen muss, weiterhin finanzieren zu können. Anteilnahme, Solidarität und tatkräftige Unterstützung – auch dafür steht die aktive Nürnberger Fanszene.

Problemfans in der Minderheit

Soziales Engagement auf der einen Seite darf freilich niemals blinde Wut und Gewalt auf der anderen Seite verharmlosen. Vorfälle wie vergangene Woche in der Hansestadt müssen konsequent verfolgt und bestraft werden.

Doch trotz aller negativer Schlagzeilen, die die Vorfälle naturgemäß mit sich bringen, darf eines nicht vergessen werden: Der Teil der gewaltbereiten Fans unter den zigtausenden Nürnberger Anhängern ist nach wie vor eine Minderheit.

Betrachtet man allein die rund 22 850 Mitglieder des 1. FC Nürnbergs, so stellen die 320 Randalierer, die vor einer Woche durch Rostocks Innenstadt zogen, gerade einmal 1,4 Prozent der Anhängerschar dar.

So verwundert es auch nicht, dass der 1. FC Nürnberg in der Saison 2017/18 nicht unter den 25 Erst-, Zweit- und Drittligisten zu finden ist, die aufgrund von Fehlverhalten der eigenen Fans die höchsten Geldstrafen vonseiten des Deutschen Fußball Bundes aufgebrummt bekamen.

„Spitzenreiter“ dieses Rankings in der abgelaufenen Spielzeit war der Bundesliga-Absteiger Hamburger SV mit 225 000 Euro, gefolgt von Eintracht Frankfurt mit 170 000 Euro. Platz drei ging an den FC Bayern München mit 137 000 Euro.

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