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Mittwoch, 22. August 2018 32° 2

Fussball

FCN: Vertrauen in die eigene Stärke

Nach dem Trainingslager befindet sich der Club im Soll. Nun soll der Feinschliff her – und das ein oder andere Schnäppchen.
Von Thorsten Drenkard und Daniel Frasch

  • Trainer Michael Köllner (FC Nuernberg)
  • Der Club unterlag im Test dem von Filippo Inzaghi trainierten FC Bologna. Foto: EPA/EMILIO ANDREOLI/dpa
  • Der Kader folgt den Anweisungen von Michael Köllner. Foto: Eibner

Trainingslager: Der FCN und Natz-Schabs – das passt hervorragend

Zehn Tage lang schwitzten die Nürnberger Profis unter italienischer Sonne, durchgehend stieg das Thermometer auf dem Apfelhochplateau über 30 Grad Celsius. Wie bereits im Vorjahr, als der Club zum ersten Mal in der Südtiroler Gemeinde Natz-Schabs aufschlug, zeigten sich die Franken auch diesmal mit dem Verlauf und den örtlichen Gegebenheiten rundum zufrieden.

„Wir haben letztes Jahr schon sehr gute Erfahrungen hier gemacht. Es hat sich nicht verschlechtert, im Gegenteil: Es ist alles nochmal einen Tick schöner und besser geworden“, sagte Sportvorstand Andreas Bornemann.

In Südtirol fühlte sich der Club-Tross abermals sehr wohl. Foto: Ursula Düren/dpa
In Südtirol fühlte sich der Club-Tross abermals sehr wohl. Foto: Ursula Düren/dpa

Doch nicht nur der Club-Tross hatte lobende Worte für die rund 4000-Seelen-Gemeinde, insbesondere für die Betreiber des Hotels Seehof, übrig. Auch die Franken hinterließen bei den Einheimischen einen durchweg positiven Eindruck: „Wie schon im letzten Jahr war es eine sehr angenehme Erfahrung, die Jungs sind richtig toll und freundlich, auch zu den anderen Gästen“, teilte die Inhaberin des Hotels Seehof, Tamaris Auer, im vereinsinternen Club TV mit und ergänzte: „Sie gehören fast schon zur Familie.“

Selbst eine defekte Bewässerungsanlage, die den Trainingsplatz über Nacht flutete und diesen vorübergehend unbespielbar machte, konnte das positive Gesamtbild nicht trüben. Die Franken wichen einfach auf den Nebenplatz aus, der sich, wie Trainer Michael Köllner betonte, „ebenfalls in einem hervorragenden Zustand befand.

Voller Zuversicht: Was Club-Trainer Michael Köllner optimistisch stimmt.

Nicht nur für den Großteil der Nürnberger Mannschaft stellt die bevorstehende Bundesliga-Saison ein Highlight im bisherigen Lebenslauf dar. Auch für Michael Köllner geht mit der Auftaktpartie bei Hertha BSC Berlin (25. August) ein Traum in Erfüllung.

Der 48-jährige Fußballlehrer legte in den vergangenen Jahren eine derart steile Karriere hin, wie sie so wohl nur im Fussballgeschäft möglich ist. Über die Stationen SG Fuchsmühl und SpVgg Wiesau ging es für den Oberpfälzer weiter zum DFB, wo er zwölf Jahre lang in der Talentförderung tätig war. Als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Nürnberg übernahm er im März 2017 schließlich den Nürnberger Cheftrainerposten.

Doch die Vergangenheit ist, nämlich der richtige Umgang mit talentierten Nachwuchsspielern, zeichnet bis heute Köllners Arbeit aus. Unter ihm reiften die Talente Eduard Löwen und Lukas Mühl zu gestandenen Zweitligaprofis.

Auch ist Köllner von sich und seiner Arbeit felsenfest überzeugt, ohne dabei arrogant zu wirken oder gar den Blick über den eigenen Fußball-Tellerrand hinaus zu verlieren. Jenes Vertrauen in die eigene Stärke impft Köllner seiner Mannschaft seit Beginn der Vorbereitung ein.

„Der einzelne Spieler und die gesamte Mannschaft sollen permanent besser werden“, ist auf der Homepage des Club-Trainers zu lesen. Betrachtet man den 48-Jährigen bei seiner täglichen Trainingsarbeit, glaubt man ihm jedes Wort.

Testspiele: FCN überzeugt insgesamt gegen Rosenheim und Bologna

Der 4:1-Erfolg über den Regionalligisten aus Rosenheim verlief standesgemäß und bot Trainer Michael Köllner die Möglichkeit, taktische Varianten zu testen. Die formierte Dreierabwehrkette um Eduard Löwen konnte allerdings nicht überzeugen und offenbarte zu viele Lücken. Im Lauf der Partie stellte der Oberpfälzer dann auf das bewährte 4-1-4-1-System und brachte damit mehr Stabilität ins Nürnberger Spiel.

Aussagekräftiger war da schon der Test gegen den italeinischen Serie A-Klub FC Bologna. Köllner ließ von Beginn an im 4-1-4-1-System agieren und stellte damit die Mannschaft von Italiens Stürmerlegende Filippo Inzaghi vor etliche Probleme. Trotz der 0:1-Niederlage konnte Köllner mit der dargebotenen Leistung zufrieden sein, denn die Franken setzten Bologna früh unter Druck und kamen immer wieder zu Ballgewinnen. Allen voran Alexander Fuchs überzeugte und zeigte auf der Acht eine starke Leistung.

FCN-Coach Michael Köllner nach der 0:1-Niederlage gegen Bologna:

Der 21-Jährige, der 2017 von 1860 München II nach Franken wechselte, spielte sich in Südtirol dank starker Trainingsleistungen in den Vordergrund. Einziges Manko des Clubs gegen die Italiener war die schwache Chancenverwertung. Mikael Ishak, Törles Knöll, Tim Leibold und Federico Palacios ließen beste Chancen liegen und brachten die Franken um den verdienten Sieg. Besonders ärgerlich: In beiden Partien führten individuelle Fehler von Eduard Löwen und Kapitän Hanno Behrens zu den Gegentoren.

Ausschreitungen: Zwischen FCN-Anhängern und Bologna-Fans krachte es

Zu unschönen Szenen kam es vergangenen Samstag rund um die Partie zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Bologna in Brixen. Wie Videoaufnahmen zeigen, gingen Fangruppen beider Mannschaften aufeinander los, neben Flaschen und Mülleimern flogen auch Einrichtungsgegenstände eines Straßen-Cafés.

Hier sehen Sie ein Video der Fan-Randale in Brixen:

Nach italienischen Medienangaben wurde bei der Auseinandersetzung ein Bologna-Anhänger mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Eine öffentliche Stellungnahme der Franken steht noch aus, die Verantwortlichen des Clubs sind dabei, Informationen zusammenzutragen und zu prüfen.

Bereits im Testspiel gegen den Halleschen FC kam es in Weismain vor rund drei Wochen nach der Partie zu einem Platzsturm einiger Nürnberger Fans. Im Brixener Stadion sorgten Bologna-Fans für einen Eklat, als sie den Kameruner Edgar Salli wiederholt mit Affenlauten verunglimpften.

Patrick Erras: Der junge Oberpfälzer ist außen vor

Bis zur 73. Spielminute musste sich Patrick Erras gedulden, dann erst wechselte Club-Coach Köllner den Oberpfälzer im Testspiel gegen den FC Bologna ein. Es war das erste Mal seit dem 3:0-Sieg des FCN in Seligenporten am 12. Juli, dass der Raigeringer wieder in einem Freundschaftsspiel für die Franken die Schuhe schnüren durfte beziehungsweise konnte.

Patrick Erras durchläuft eine schwere Zeit beim FCN. Foto: Friso Gentsch/dpa
Patrick Erras durchläuft eine schwere Zeit beim FCN. Foto: Friso Gentsch/dpa

Denn nach seinem auskurierten Innenbandriss plagten den 23-Jährigen zuletzt hartnäckige Probleme im Oberschenkel. Überhaupt wird der Mittelfeldspieler seit seinem Kreuzbandriss vor zweieinhalb Jahren immer wieder von seinem Körper ausgebremst und zu Zwangspausen gezwungen. Auch im Testspiel gegen Rosenheim blieb Erras komplett draußen.

Aktuell muss sich der 1,96-Meter-Hüne beim Kampf um den Platz im zentralen, defensiven Mittelfeld hinter Ondrej Petrak anstellen, der ein Gewinner des Trainingslagers ist. Für Erras heißt es vor allem: Fit und gesund bleiben und sich wieder heran kämpfen.

Der Kader: Auf diesen Positionen besteht noch Handlungsbedarf.

Mit Spielern wie Timothy Tillmann, Eduard Löwen oder Sebastian Kerk verfügt die Nürnberger Mannschaft über sehr viel Talent. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Teams ist nach nur einem Monat Vorbereitung erstklassig –- das wird in jeder Trainingseinheit sichtbar.

Der Haken: Talent alleine schießt keine Tore, ein ausgeprägter Teamgeist ist noch längst keine Garantie für eine erfolgreiche Mission Klassenerhalt. Außer Torhüter Christian Mathenia (71 Spiele) und Robert Bauer (67) kann kein FCN-Akteur eine höhere Anzahl an Bundesliga-Einsätzen vorweisen – dem Club mangelt es vor allem an Erfahrung.

Ewerton fehlt weiterhin verletzt. Foto: Thienel/Eibner
Ewerton fehlt weiterhin verletzt. Foto: Thienel/Eibner

Wie schnell sich die Situation vom entspannten hin zum angespannten Zustand ändern kann, zeigt der Ausfall von Ewerton. Der Brasilianer wird wegen einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen fehlen, mit Lukas Mühl steht im fränkischen Aufgebot aktuell nur noch ein gelernter Innenverteidiger.

Zwar kann auch Löwen diese Position bekleiden, eigentlich ist der Allrounder aber als Kreativspieler im Mittelfeld vorgesehen. Ähnlich alternativlos gestaltet sich die Situation auf den Außenbahnen, wo es den Franken nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität fehlt.

Sportvorstand Andreas Bornemann spielt auf Zeit und hofft auf ein Schnäppchen kurz vor Ende der Transferfrist am 31. August, betont aber gleichzeitig: „Wir haben eine gute Substanz, dieser Mannschaft kann man Vertrauen schenken.“

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