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Sport

Tauben verdrecken Nürnberger Stadion

Eigentlich wäre für Club-Fans die Welt in Ordnung, gäbe es nicht die Hinterlassenschaften des Federviehs im Stadion.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Das Dach des Stadions bietet den Tauben einen perfekten Sitzplatz, den diese gerne nutzen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Das Dach des Stadions bietet den Tauben einen perfekten Sitzplatz, den diese gerne nutzen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

NÜRNBERG.Neuer Stadionname, guter Tabellenplatz: Die Club-Fans in Nürnberg haben derzeit eigentlich allen Grund zum Glücklichsein. Wenn nur die Tauben nicht wären, die den Fußball-Freunden bei Heimspielen im Max-Morlock-Stadion regelmäßig mit ihren Exkrementen den Spaß am Spiel verderben.

Drastischer hat sich kürzlich ein Dauerkartenbesitzer ausgedrückt, der offensichtlich ausgerechnet in der Abwurfzone der häufig als Flugratten verunglimpften Tiere seinen Stammplatz hat. Regelrecht „vollgeschissen“ würde man als Stadionbesucher, empörte sich der Club-Fan. Während der Anhänger unten auf seinem Sitzplatz in der Gegengeraden die Mannschaft anfeuert, werfen die über ihm thronenden Plagegeister mindestens „dreimal pro Spiel“ eine unappetitliche Botschaft auf die Zuschauer herab.

Diese bleiben schon seit Jahren verstärkt daheim. Der Zuschauerdurchschnitt sinkt seit Jahren kontinuierlich.

Die Verantwortlichen versprechen allerdings Besserung. Die Hälfte des Stadiondaches seien bereits mit Taubenvergrämung ausgestattet worden. „Die restlichen 50 Prozent des Daches werden, sobald die Witterung es erlaubt, ebenso mit Taubenvergrämung versehen“, verspricht Alfred Diesner und verweist darauf, dass die ungeliebten Gäste durch den oft ausgebrachten Rasensamen angelockt werden. Unter vielen Stadiondächern in Deutschland seien Tauben ein Problem, sagt der Geschäftsführer der Stadion-Betriebs-GmbH, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Stadt.

Die Abwehr bezahlt die Stadt

Das Geld für die Taubenabwehr bezahlt die Stadt Nürnberg als Eigentümerin des Franken-Stadions. Laut einem aktuellen Wirtschaftsplan muss die fränkische Metropole in den nächsten 20 Jahren jährlich rund 1,8 Millionen Euro für die Instandhaltung bezahlen.

Für den Geschäftsbereich ist Bürgermeister Christian Vogel (SPD) verantwortlich. Der große Koalitionspartner im Rathaus wirft Vogel vor, einer Diskussion um die Zukunft des Stadions aus dem Weg zu gehen.

„Wir müssen uns endlich überlegen, wie es mit dem Stadion weitergehen soll. Machen die Investitionen noch Sinn oder werfen wir das Geld aus dem Fenster“, fordert Maximilian Müller. Der ehemalige Profisportler und CSU-Stadtrat will mit einer grundsätzlichen Frage den Finger in die Wunde legen: „Wollen wir das Stadion mit der Laufbahn erhalten oder wollen wir es zu einem reinen Fußball-Stadion umbauen?“, fragt der sportpolitischer Sprecher seiner CSU-Fraktion und Mitglied des Aufsichtsrates beim 1. FC Nürnberg.

Müller ist sich sicher, dass die Laufbahn einer guten Zukunft des Stadions im Weg stehe. Die Austragung der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am 21. und 22. Juli dieses Jahres würden nicht ausreichen, die städtischen Investitionen in die kommunale Infrastruktur langfristig zu stemmen. Müller weist darauf hin, dass die Idee, Nürnberg neben Berlin als Stadt des Leichtathletik auf der internationalen Bühne zu vermarkten, gescheitert sei. Die Leichtathletik-Europameisterschaften finden heuer wieder in Berlin statt.

Stadt soll Farbe bekennen

Hinter vorgehaltener Hand hauen andere Stadträte in die gleiche Kerbe. Nach der klaren Absage für Nürnberg als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft 2024 fordern Kritiker die Stadt ebenfalls dazu auf, endlich Farbe zu bekennen beim Thema Stadion-Zukunft. Ohne diese Grundsatzentscheidung bestehe laut Maximilian Müller die Gefahr, dass die Stadt in den nächsten Jahr viel Geld in den Sand setze. Demnächst stünden große Renovierungsarbeiten bei Bestuhlung, Dach, Flutlicht und Sanitäranlagen an.

Vor diesem Hintergrund sorgt der Taubendreck derzeit nicht nur für Ungemach bei den Fans. Hinter den Kulissen heizt das ungeliebte Federvieh offensichtlich die Diskussion darüber an, wie die Stadt langfristig mit ihrem Stadion umgehen will. „Leider traut sich man im Rathaus an das Thema nicht heran“, ärgert sich Müller.

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