mz_logo

FCN
Dienstag, 24. April 2018 22° 3

Fussball

Teuchert: Beim FCN raus ohne Applaus

Der U21-Nationalspieler wechselt sofort vom 1. FC Nürnberg zu Schalke 04. Der Club erhält eine siebenstellige Ablösesumme.
Von Thorsten Drenkard

Cedric Teuchert verlässt den Club. Fotos: Thienel/Eibner

Nürnberg.Mit den Sozialen Netzwerken ist das so eine Sache. Schnell sind ein paar vollmundige Sätze zusammengeschrieben und mit einem simplen Klick abgesendet. Dann ist er auch schon raus, der launige Beitrag, abgespeichert im niemals vergessenden weltweiten Netz.

Das ist im Fall des Profifußballers Cedric Teuchert nicht anders. Mitte Dezember war der 20-jährige Angreifer abseits des Rasenvierecks forsch in die verbale Offensive gegangen. Auf seinem Instagram-Profil verkündete der Stürmer in Richtung der FCN-Fans: „Ein anstrengendes aber erfolgreiches Jahr geht zu Ende! Jetzt wird durchgeschnauft und nächstes Jahr greifen wir gemeinsam weiter an!“ Mehr als 4500 Menschen, vermutlich in der Mehrzahl Anhänger des 1. FC Nürnberg, gefiel dieser Beitrag.

Der Instagram-Eintrag von Cedric Teuchert am 20. Dezember 2017:

Zwei Wochen später sind jene Worte des Coburger U21-Nationalspielers nichts mehr Wert. Vielmehr dürften sie eben jene 4500 Menschen, die Teucherts Instagram-Post vom 20. Dezember mit einem Herzchen kommentierten – und nicht nur diese – vor den Kopf gestoßen haben.

Denn der Angreifer wechselt mit sofortiger Wirkung zum Bundesliga-Zweiten FC Schalke 04, wo der 20-Jährige einen Vertrag bis 2021 erhält. Teuchert soll bereits dem Kader seines neuen, köngisblauenArbeitgebers nach Benidorm (Spanien) gefolgt sein.

Das sind die Top-Transfers in der Geschichte des Club:

Die Top-Transfers in der Geschichte des 1. FC Nürn

Damit ist gewiss, was sich in den vergangenen Wochen bereits deutlich abgezeichnet hatte. Zuletzt standen die Zeichen zwischen Teuchert und dem FCN, für den der Oberfranke seit 2009 das Trikot übergestreift hatte, klar auf Abschied während der Winterpause.

In den finalen beiden Ligaspielen vor der winterlichen Ruhepause strich Club-Coach Michael Köllner seinen talentierten Offensivmann, der in 15 Ligaspielen sechs Treffer erzielte, aus dem Kader – aus rein sportlichen Gründen, wie der Oberpfälzer Trainer versicherte. Seinem dribbelstarken Schützling empfahl er eine realistischere Selbstwahrnehmung und einen ausgeprägteren Mannschaftssinn.

Auch neben dem Platz hakte es

Auch neben dem Platz lief es in den vergangenen Wochen nicht mit Cedric Teuchert und dem Traditionsverein aus Nürnberg. Zunächst wurden die Verhandlungen über eine Verlängerung des in diesem Sommer auslaufenden Vertrags abgebrochen, weil der Club keine Ausstiegsklausel im neuen Arbeitspapier fixieren wollte. Dann soll Teuchert ein finanziell deutlich aufgewertetes Angebot des 1. FC Nürnberg abgelehnt haben.

Der Oberfranke und sein mittelfränkischer Arbeitgeber kamen letztlich nicht mehr zusammen, weshalb Teuchert künftig in Gelsenkirchen auf Torejagd gehen wird. Damit folgt er Guido Burgstaller und Alessandro Schöpf nach, die beide in den vergangenen zwei Jahren jeweils auch in der Winterpause aus Nürnberg nach Schalke wechselten – und dort eine gute sportliche Rolle spielen.

„Wir haben dem Wunsch des Spielers entsprochen, ihn bereits jetzt ziehen zu lassen.“

FCN-Sportvorstand Andreas Bornemann

Unter finanziellem Aspekt hatten die FCN-Vorstände Andreas Bornemann und Michael Meeske schlicht keine andere Wahl, als Teuchert jetzt ziehen zu lassen. Andernfalls wäre der Angreifer im Sommer ablösefrei gewesen.

So streichen die Franken zumindest noch eine Million Euro ein, die sich unter positiven Umständen auf zwei Millionen Euro verdoppeln können. Dennoch hätte Bornemann den talentierten Stürmer auch künftig beim Club gesehen: „Es ist kein Geheimnis, dass wir Cedric gerne langfristig an uns gebunden hätten.“ Aber: „In Abwägung aller mit diesem Transfer verbundenen wirtschaftlichen Aspekte, haben wir dem Wunsch des Spielers entsprochen, ihn bereits jetzt ziehen zu lassen.“

Viel zu tun für Bornemann

Ob Teuchert der einzige Spieler mit auslaufendem Vertrag bleiben wird, der den FCN noch im Winter verlässt, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen.

In dieser Zeit ist das Verhandlungsgeschick von Sport-Vorstand Bornemann gefragt, schließlich wäre mehr als ein halbes Dutzend Spieler im Sommer ohne Kontrakt beim Club, darunter Stützen wie Kevin Möhwald oder Tim Leibold. Nach beiden Spieler sollen Bundesligisten ihre Fühler ausgestreckt haben (unter anderem der HSV).

Tim Leibolds Vertrag läuft im Sommer aus.

Ausgeschlossen ist ein sofortiger Wechsel weder im Fall des Mittelfeldstrategen Möhwald (24 Jahre), noch beim spielstarken Linksverteidiger Leibold (24). Allerdings dürfte der FCN nur bei äußerst verlockenden Geld-Offerten den Abgängen zustimmen. Vielmehr hegt man am Valznerweiher die Hoffnung, die Verträge mit den Spielern über den Sommer hinaus ausweiten zu können.

Auch bei Youngster Patrick Kammerbauer (20), dem abermals zum Ersatzkeeper degradierten Thorsten Kirschbaum (30), Routinier Miso Brecko (30), Bankdrücker Rurik Gislason (29), dem wechselwilligen Ondrej Petrak (25) sowie Laszlo Sepsi (30) enden Mitte dieses Jahres die Kontrakte beim 1. FC Nürnberg. Ebenso im Falle von Tobias Werner (32), der vom VfB Stuttgart ausgeliehen ist und bislang seine Sache beim Club meist sehr ordentlich macht. Auf Andreas Bornemann wartet dieser Tage also viel Arbeit.

Hier lesen Sie einen Kommentar zum Teuchert-Wechsel:

Kommentar

Reisende soll man nicht aufhalten

Und weg isser. Das wochenlange Theater um die Personalie Cedric Teuchert hat ein erwartbares Ende gefunden. Der 20-jährige Angreifer wechselt vom Zweitligisten...

Unter anderem muss er die Frage beantworten, ob der Verein auf den Abgang von Cedric Teuchert mit einer Spielerverpflichtung reagieren soll. Aktuell deutet einiges darauf hin, dass der Club eine Lösung aus den eigenen Reihen probieren möchte.

Dabei denken die Verantwortlichen vor allem an Adam Zrelak, der nach seiner Verpflichtung im Sommer lange verletzt zum Zuschauen verdammt war. Zudem hoffen sie beim Club, dass womöglich das nächste Talent aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis aufhorchen lassen kann. So soll der Kulmbacher Mittelstürmer Erik Engelhardt, in 22 Regionalliga-Partien der aktuellen Saison sieben Mal für die Club-Reserve mit einem Tor erfolgreich, bereits am Samstag mit der ersten Mannschaft ins Trainingslager nach Valencia fliegen.

Der FCN zwitschert zum Teuchert-Wechsel bei Twitter:

Bis 14. Januar will Trainer Köllner unter der spanischen Sonne seine Mannschaft auf die verbleibende Spielrunde vorbereiten, die für den Club mit einem Heimspiel am 23. Januar gegen den SSV Jahn Regensburg beginnt.

Während des Trainingslagers auf der iberischen Halbinsel wird der 1. FC Nürnberg zwei Testspiele absolvieren. Kommenden Dienstag werden es die Franken mit dem belgischen Erstligisten KAA Gent zu tun bekommen, am 13. Januar treffen Michael Köllners Schützlinge auf die Kicker des schottischen Premiership-Klubs Heart of Midlothian. Die Generalprobe für das Spiel gegen Regensburg findet wieder in heimischen Gefilden am 17. Januar statt.

Nicht mehr mit an Bord wird dabei Cedric Teuchert sein – trotz seiner anderslautenden Ankündigung in den Sozialen Netzwerken Mitte Dezember.

Weitere Sportmeldungen aus der Region lesen Sie hier.

Alles rund um den FCN finden Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht