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Verpuffter Aktionismus beim FCN

Keine Punkte, kein Sportvorstand: Seit Wochen gibt der Club ein desolates Bild ab. Schuld daran trägt auch der Aufsichtsrat.
Von Daniel Frasch

Interimtrainer Boris Schommers hat bislang nicht die erhoffte Wende gebracht. Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/dpa
Interimtrainer Boris Schommers hat bislang nicht die erhoffte Wende gebracht. Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/dpa

Nürnberg.Um die aktuelle Misere des 1. FC Nürnberg in voller Gänze begreifen zu können, bedarf es einer Rückblende ins Jahr 2014: Am Samstag, den 10. Mai, tritt der Club beim FC Schalke 04 an und kämpft am letzten Bundesligaspieltag um den Klassenerhalt. Anstelle des nötigen Sieges, der den Franken zumindest die Teilnahme an der Relegation gesichert hätte, verliert Nürnberg die Partie in Gelsenkirchen mit 1:4 und steigt zum achten Mal aus Deutschlands höchster Spielklasse in die 2. Liga ab.

Vier Jahre lang darbte Nürnbergs Traditionsverein anschließend in Liga zwei, erst im Mai 2018 hatten sie in Franken wieder Grund zum Jubel: Durch den 2:0-Auswärtssieg in Sandhausen sicherte sich die Mannschaft von Trainer Michael Köllner den achten Bundesliga-Aufstieg der Vereinshistorie. Vorbei sein sollten die traurigen und zugleich nervenaufreibenden Zeiten der Fahrstuhlmannschaft. Neben der wirtschaftlichen Konsolidierung des „Ruhmreichen“ sollte der Oberpfälzer Köllner den Club in sportliche ruhige Fahrwasser bringen.

Wirkungslose Wechsel beim FCN

Neun Monate nach dem Aufstiegstrubel war Michael Köllner jedoch wieder Geschichte, ebenso wie Sportvorstand Andreas Bornemann. Am 12. Februar verkündete Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Thomas Grethlein die Entlassung Bornemanns, das neunköpfige Gremium sah „die sportlichen Ziele stark gefährdet“, obendrein konnte sich Nürnbergs höchstes Komitee mit Bornemann „nicht auf einen gemeinsamen Weg in die Zukunft, gerade auch in Bezug auf das Cheftraineramt verständigen.“ So weit, so normal im Bundesligageschäft.

Sechs Wochen sind seit dieser Entscheidung nun vergangen. Genug Zeit, um ein Fazit zu ziehen. Aus sportlicher Sicht bleibt festzuhalten: Der Trainerwechsel verpuffte wirkungslos, der erhoffte Aufschwung blieb aus.

 Thomas Grethlein, Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg Foto: Daniel Karmann/dpa
Thomas Grethlein, Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg Foto: Daniel Karmann/dpa

Zwar agierte der Club unter den beiden Interimstrainern Boris Schommers und Marek Mintal stabiler als unter dem Vorgänger. Schommers Punkteschnitt von 0,2 rechtfertigt dessen Berufung zum vorübergehenden Chef jedoch keineswegs. Zum Vergleich: Unter Michael Köllner holten die Franken in 21 Partien 0,6 Zähler pro Partie. Mit 13 Punkten aus 26 Partien belegt Nürnberg zurecht Tabellenplatz 18, ihre Bundesligazugehörigkeit konnten die Franken im bisherigen Saisonverlauf nur selten nachweisen.

Schlimmer noch als die andauernde Misere (seit 20 Spielen ohne Sieg) wiegt jedoch das sportliche Macht-Vakuum, das den 1. FC Nürnberg seit nunmehr sechs Wochen umgibt. Noch immer konnte der Club keinen neuen Sportvorstand präsentieren - und damit auch keinen neuen Cheftrainer.

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Rund um den Club

  • Testspiel:

    Während der Länderspielpause werden die Club-Profis nicht nur trainieren. Am Freitag steht um 14.30 Uhr im Sportpark Valznerweiher das Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten FK Mlada Boleslav auf dem Programm.

  • Ligaspiel:

    Der nächste Gegner der Franken in der Bundesliga ist die Mannschaft des FC Augsburg. Am 20. März (Samstag, 15.30 Uhr) empfängt der 1. FC Nürnberg die bayerischen Schwaben im heimischen Max-Morlock-Stadion. Das Hinspiel Anfang November endete 2:2.

  • Gruselserie:

    Beim 1. FC Nürnberg sind sie mittlerweile seit 20 Spielen in der Bundesliga sieglos – eine verheerende Bilanz. So verwundert es nicht, dass der Club nach 26 absolvierten Ligaspielen lediglich 13 Zähler auf dem Konto hat und Letzter ist.

  • Winterzugang:

    Zuletzt stand Winterneuzugang Ivo Ilicevic gegen Eintracht Frankfurt im Kader, zum Einsatz kam der 32-Jährige aber nicht. Der Deutsch-Kroate verfügt über die Erfahrung von 134 Bundesliga-Einsätzen (18 Tore). Ob gegen Augsburg der 135. folgt, muss man abwarten.

Namen wurden während dieser Zeit viele gehandelt. Von den Ex-Club-Profis Christian Möckl und Per Nilsson über den ehemaligen Club-Trainer Felix Magath (1997/98) bishin zum gebürtigen Fürther Dietmar Beiersdorfer: Spekuliert wurde und wird naturgemäß viel, einzig die Verpflichtung des neues starken Mannes im sportlichen Bereich lässt weiter auf sich warten.

Zwar betonte Dr. Thomas Grethlein stets, sich bei der Neubesetzung des Postens des Sportvorstands ausreichend Zeit nehmen zu wollen um die für den Club bestmögliche Lösung zu finden. Mit jedem weiteren Tag, der verstreicht, verliert der 1. FC Nürnberg aber wichtige Zeit, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

 Nürnbergs Georg Margreitter (l) tröstet seinen Mitspieler Sebastian Kerk nach der Niederlage in Frankfurt. Foto: Arne Dedert/dpa
Nürnbergs Georg Margreitter (l) tröstet seinen Mitspieler Sebastian Kerk nach der Niederlage in Frankfurt. Foto: Arne Dedert/dpa

Die werden die Franken nach derzeitigem Stand zum neunten Mal in Liga zwei angehen müssen, zu schwach waren die gezeigten Leistungen, zu groß ist der derzeitige Rückstand auf Relegationsplatz 16, um doch noch auf den Klassenerhalt zu spekulieren. Welche Spieler das Nürnberger Trikot dann tragen werden, ist allerdings noch immer völlig ungeklärt.

Keinesfalls vereinfacht wird die Suche nach einem neuen Sportvorstand durch die existierenden Vereinsstrukturen. Zwar darf der Aufsichtsrat freilich den vakanten Posten bestimmen. In das operative Geschäft einmischen ist dem höchsten Kontrollgremium hingegen untersagt.

Wenig sportliche Kompetenz beim Club

Das Problem: Im Nürnberger Aufsichtsrat sitzt schlichtweg zu wenig sportliche Kompetenz. Einzig Maximilian Müller betrieb professionell Hochleistungssport, lief über 180 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf und holte als Kapitän 2008 und 2012 die olympische Goldmedaille. Nur ist Feldhockey eben nicht Fußball.

Stefan Müller, Johannes Bisping, Christian Ehrenberg oder Dr. Ulrich Maly: Allesamt verfügen Nürnbergs Aufsichtsratsmitglieder über Kompetenzen in den Bereichen Unternehmensführung, Sponsoring und öffentlichkeitswirksames Auftreten. Allein die sportliche Fachkompetenz geht dem Kontrollgremium ab. Ein Mitglied mit Erfahrung im Profifußball sucht man vergebens.

Dennoch muss die Kommission zu einer Einigung kommen und schnellstmöglich ein Ergebnis präsentieren. Denn unter der fehlenden sportlichen Führung leidet auch das öffentliche Ansehen des Club.

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