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Ein Burglengenfelder Sommermärchen

Am Bayernliga-Aufstieg des ASV Burglengenfeld haben viele im Hintergrund einen großen Anteil. Einblicke in die „ASV-Familie“.
Von André Baumgarten

Burglengenfeld. Anspannung in jeder Faser des Körpers, das ist nicht zu übersehen. Aber er strahlt Ruhe aus. Langsam geht Matthias Bösl auf und ab zwischen seinen Spielern. „Brutales Team, ja – wir sind da“, fordert er. Von draußen dringt gedämpftes Stimmgewirr in die Kabine in Bad Kötzting. Bösl macht nach jedem Satz ein Pause: „Fußballgeschichte können wir schreiben, ja – wir müssen nicht, aber wir wollen, ja – wir haben mehr Leidenschaft, wir haben mehr Willen, ja“, stimmt er die Fußballer ein.

Quittiert wird diese leidenschaftliche Ansprache von „Bö“, wie ihn die Spieler nennen, mit lautstarkem „Auf geht’s“, Applaus und Abklatschen. Zwei Stunden und zwei Minuten später weichen Konzentration und Anspannung lauten Jubelgesängen: Der ASV Burglengenfeld hat den Aufstieg in die Bayernliga geschafft. Vergessen sind „90 harte Minuten, schweißtreibende Minuten“, die Bösl in der Kabine prophezeit hat. Und es ist auch bewiesen: „Wenn man will als Team, kann man Berge versetzen.“

In der Kabine: Matthias Bösl versteht es, die jungen Spieler des ASV Burglengenfeld zu motivieren – was die Mannschaft letztlich zu Erfolg geführt hat.
In der Kabine: Matthias Bösl versteht es, die jungen Spieler des ASV Burglengenfeld zu motivieren – was die Mannschaft letztlich zu Erfolg geführt hat. Foto: Baumgarten

Die MZ hat die erste Mannschaft des ASV während der Relegationsspiele zur Bayernliga begleitet und bekam selten gewährte Einblicke: in die Kabine, das Team und das Geheimnis des bisher größten Erfolgs in der 92-jährigen Vereinsgeschichte. Ohne bezahlten Vertragsamateur ist der ASV Burglengenfeld in die fünfthöchste Fußball-Liga in Deutschland aufgestiegen. „Wir sind beste Freunde“, sagt Torjäger Benjamin Epifani, „das ist wie eine Familie – da kämpft jeder für den anderen, da wird zusammengehalten.“

Trainer als Dreh- und Angelpunkt

Das ist einer der Gründe, warum die ASV-Fußballer selbst gegen spielerisch teils bessere Mannschaften gewonnen haben. Mit Spielern, die im Durchschnitt gerade 22 Jahre alt sind, aber seit vielen Jahren gemeinsam auf dem Platz stehen. Mit konsequenter Integration von A-Jugend-Spielern aus den eigenen Reihen. Und mit einem Trainer, der Dreh- und Angelpunkt dieser Mannschaft ist, jeden Einzelnen zu begeistern weiß und der weit mehr tut, als sein Team zu trainieren. Von dem es Streicheleinheiten gibt, für andere dagegen etwas mehr Druck.

Bescheiden lobt Bösl (links) nur den „überragenden Zusammenhalt“ seiner Mannschaft, „die zugleich topmotiviert ist und in sich ruht“. Dabei ist er der, „der alles zusammenhält“, sagt Kapitän Patrick Schleicher
Bescheiden lobt Bösl (links) nur den „überragenden Zusammenhalt“ seiner Mannschaft, „die zugleich topmotiviert ist und in sich ruht“. Dabei ist er der, „der alles zusammenhält“, sagt Kapitän Patrick Schleicher Foto: Schaller

„Bö ist der, der alles zusammenhält“, sagt Kapitän Patrick Schleicher. Selbst die Skeptiker aus Anfangstagen im April 2011 hat der Trainer längst überzeugt. In nur vier Jahren ist es dem 33-Jährigen gelungen, seinen ASV vom Abstiegsrang in der Bezirksoberliga bis zur Bayernliga zu führen. „Er weiß, wie er auf jeden Einzelnen reagieren muss und kann“, erklärt Co-Trainer Christian Beer. „Das ist sein Geheimnis.“ Und ein Engagement, das seinesgleichen sucht. „Er ist mehr als 24 Stunden für den Verein da“, sagt Robert „Riese“ Rödl. „Er kümmert sich einfach um alles.“

ASV-Kapitän Patrick Schleicher im MZ-Gespräch

Was Matthias Bösl besonders auszeichnet, ist jedoch die Bescheidenheit. Er lobt nur den „überragenden Zusammenhalt“ seiner Mannschaft, „die zugleich topmotiviert ist und in sich ruht“. Als Trainer pflegt er ein enges, freundschaftliches Verhältnis zum Team – geprägt von Respekt, was ein schmaler Grat ist. „Wir haben einen guten Mittelweg gefunden und mehr Vor- als Nachteile daraus gehabt“, erklärt er. Vor allem aber, weil er selbst vorlebt, was er den Spieler abverlangt.

„Durch dick und dünn gegangen“

Die Mannschaft ist „gemeinsam durch dick und dünn gegangen“, bringt es Kapitän Patrick Schleicher auf den Punkt. Und gesund gewachsen – mit ihr ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das im Drang nach Erfolgen seine Erfüllung zu finden scheint. „Das ist das größte Plus, was wir haben“, sagt Torjäger Benjamin Epifani. Es ist das, was „uns schon immer ausgemacht hat“. Der Aufstieg ist aber auch ein Ergebnis „von allem im Verein“.

Die Chemie scheint zu stimmen: Ex-Kapitän Christian „Hugo“ Bayerl trainiert auch nach seinem Rückzug weiter mit der Mannschaft. „Das ist mein engster Freundeskreis“, sagt er. Der Aufstieg des ASV in die Bayernliga ist für ihn „ein Riesen-Erfolg“, den jeder einzelne Spieler verdient hat. Und der Lohn für die Leistungen in der harten, aber stark gespielten Saison in der Landesliga. Bösl hat ein Talent, junge Spieler zu finden, die ins Team passen und diese zu integrieren. „Das ist seine ganz große Stärke.“

Die Relegations-Vorbereitung des ASV Burglengenfel

Nach einer langen Saison in der Relegation alle drei Tage um Alles oder Nichts spielen zu müssen, fordert einiges. Im Training setzt Bösl auf Regeneration. Lockere Übungen, weniger Lauftraining, Kräfte schonen. Der 33-Jährige hat die Gesundheit seiner Spieler im Blick: Dehnübungen unter der Anleitung eigens verpflichteter Physiotherapeuten nehmen viel Raum ein – bezahlt aus der Mannschaftskasse. Aus dem Vollen schöpfen kann die Fußballabteilung nicht.

Philosophie: „Geld schießt keine Tore“

Seit Roland Konopisky vor sieben Jahren den Vorsitz beim ASV Burglengenfeld übernommen hat, muss sich jede Abteilung in dem rund 1450 Mitglieder starken Verein selbst tragen. Das gilt auch das Aushängeschild des ASV. „Die Philosophie ist angekommen und angenommen worden“, sagt er. Denn: „Geld schießt keine Tore, sagte Udo Lattek. Das hat die Mannschaft bewiesen.“

Interview: ASV-Vorsitzender Roland Konopisky

Wie bedeutend dieser Erfolg ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Heute erinnern sich nur die Älteren noch: 1997/98 stand die Fußballabteilung des ASV Burglengenfeld schon einmal vor dem Aus. Drei Tage vor Meldeschluss gab es genau drei Spieler – ein erster Wendepunkt. Josef „Taube“ Fischer erinnert sich noch gut an diese Zeit. Wie Hans Mielke damals per Telefax-Vollmacht über dessen Mutter den Torwart Jürgen Bögl verpflichtet, der in Venezuela Urlaub macht. Er erinnert sich eigentlich an alles: jeden Trainernamen, die Siege und die Niederlagen.

2008 dann ein weiterer Umbruch; diesmal um den damaligen Vorsitzenden. Werner Besenhard und Günter Schleicher übernehmen die Abteilungsleitung. Den Wechsel an der Spitze und im System beurteilen sie heute als „sehr gut“. Die Bezahl-Spieler, wie Schleicher es nennt, waren schnell weg. „Die Begeisterung für den Fußball steht seitdem wieder im Mittelpunkt – das ist gut.“ Lob weisen sie aber alle von sich – „Der Bö ist eine eigene Klasse als Trainer“, sagen sie, „kann das Spiel lesen, weiß die Spieler zu motivieren und sie mitzunehmen.“

Mit leeren Händen sieht man Gabi Besenhard selten. Sie ist die „gute Seele“ der Fußballabteilung und muss bei Heimspielen nicht nur die Bestellung machen, sondern teilt auch die 40 bis 50 Helfer ein.
Mit leeren Händen sieht man Gabi Besenhard selten. Sie ist die „gute Seele“ der Fußballabteilung und muss bei Heimspielen nicht nur die Bestellung machen, sondern teilt auch die 40 bis 50 Helfer ein. Foto: Baumgarten

Einen maßgeblichen Anteil haben jedoch zahllose Menschen im Hintergrund, die es nie in die Schlagzeilen schaffen – wie Eltern, Spieler-Freundinnen, Betreuer, Jugend, Platzwart, Kassier Fred Mißbach oder Gabi Besenhard. Sie ist die „gute Seele“ in der ASV-Fußballabteilung und immer zur Stelle, wenn es brennt. Verantwortlich für viel Organisatorisches erledigt sie Bestellungen und Personaleinteilung bei Heimspielen, managt die Platzbelegung, übernimmt das Aufräumen – täglich ist sie im Einsatz. „Weil das alles meine Jungs sind“, sagt sie.

Wie sie sind die meisten Überzeugungstäter. „Es ist toll, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein“, sagt Daniela Hobik. Zwei Stunden vor dem Anpfiff ist sie mit Gabi Besenhard eine der ersten auf dem Fußballplatz. Lob hat auch Hobik nur für andere: „Es ist bewundernswert, was Gabi alles tut.“ Vom Spiel zu sehen bekommen jedoch beide meistens nicht sehr viel. Und wenn sie gehen, machen sie das Licht aus. Deshalb genießen die beiden alle Auswärtsspiele so sehr ...

Werner Besenhard (links, mit Sigi Klopp) ist der Kopf der ASV-Fußballabteilung. Er leidet, wenn es sportlich nicht so gut läuft und strahlt bei jedem Sieg. Für Letzteres gab es in den vergangenen Wochen viele Gelegenheiten.
Werner Besenhard (links, mit Sigi Klopp) ist der Kopf der ASV-Fußballabteilung. Er leidet, wenn es sportlich nicht so gut läuft und strahlt bei jedem Sieg. Für Letzteres gab es in den vergangenen Wochen viele Gelegenheiten. Foto: Schaller

Egal ob daheim oder auswärts: Werner Besenhard leidet, wenn es sportlich nicht rund gut läuft. Und strahlt dafür bei jedem Sieg der Mannschaft. Er ist der Kopf der Fußballabteilung des ASV Burglengenfeld. Papierkram wie Spielerpässe und Anmeldungen, aber auch die Talentsichtung in Absprache mit dem Trainer. „Nicht freiwillig“ hat er 2008 die Aufgabe übernommen. „Und es war auch nicht leicht“, erinnert er sich. Bereut hat er nichts: „Weil es trotzdem Spaß macht und einfach alles passt.“

Der Aufstieg ist für Besenhard ein „historischer Erfolg“ – noch höher zu bewerten als das Pokalspiel gegen Werder Bremen. Und zu einem großen Anteil das Werk des Trainers. „Es herrscht jetzt große Aufbruchstimmung im Verein“, sagt er. Dass Matthias Bösl Angebote jedes anderen Vereins ausschlägt, rechnet er ihm hoch an. „Sein Herzblut steckt eben hier drin, das merkt man.“ Und das ist nicht hoch genug zu schätzen.

Schwarz-Gelb sind die Farben ihres Lebens. Dem Ehrenvorsitzenden „Onkel Hans“ Mielke (links) machte das Team zum 89. Geburtstag das schönste Geschenk.
Schwarz-Gelb sind die Farben ihres Lebens. Dem Ehrenvorsitzenden „Onkel Hans“ Mielke (links) machte das Team zum 89. Geburtstag das schönste Geschenk. Foto: Baumgarten

Bürgermeister Thomas Gesche sagte es beim offiziellen Empfang der Stadt sehr richtig: „Diese Mannschaft hat Charakter, diese Mannschaft hat absolute starke Typen.“ Matthias Bösl ist als Trainer ein elementarer Teil dieses Teams. „Die Mannschaft lebt vom Kollektiv“, stellt der 33-Jährige aber heraus. Eigentlich sogar der ganze Verein – in dem, wie bei einem gut geschmierten Getriebe, jedes Zahnrädchen verlässlich ineinander greift.

„Ohne die alle würde das nicht gehen“, sagt ASV-Vorsitzender Roland Konopisky. „Wir sind eine große Familie geworden, wo jeder einzelne alles dafür investiert.“

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