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Basketball

Ralph Junge attackiert die BBL scharf

Nürnbergs Basketballer fühlen sich von der Liga verschaukelt. Vor dem Schiedsgericht kämpft der Verein weiter um die Lizenz.
Von Daniel Frasch

Ralph Junge kämpft unermüdlich für Bundesliga-Basketball in Nürnberg. Foto: Eibner_Sascha_Walther
Ralph Junge kämpft unermüdlich für Bundesliga-Basketball in Nürnberg. Foto: Eibner_Sascha_Walther

Nürnberg.„Don’t quit“, zu Deutsch: Niemals aufgeben. Mit diesem Motto machten sich die Nürnberg Falcons in der abgelaufenen Zweitligasaison auf ihren Siegeszug, der den Franken am Ende der Spielzeit zwar nicht die Meisterschaft, dennoch aber den Bundesliga-Aufstieg einbrachte.

Acht Buchstaben, die auch acht Wochen nach dem furiosen Aufstieg in Deutschlands Basketball-Elite nichts an Bedeutung verloren haben. Im Gegenteil: Mehr denn je kämpfen Nürnbergs erfolgreichste Korbjäger um die Spielberechtigung für die BBL. Doch anders als noch Ende April, als es in der Halbfinalserie gegen Heidelberg um wichtige Zähler ging, befinden sich die Franken seit geraumer Zeit im Papierkrieg mit dem Liga-Ausschuss.

Zwei Versuche startete Trainer und Geschäftsführer Ralph Junge bereits, sich und seiner Mannschaft die Berechtigung für die BBL zu sichern. Beide Male scheiterte er. Für Junge, den Vater des Nürnberger Basketballmärchens, ein Unding.

Eine ignorante Bundesliga

„Die Liga hat von Beginn an Zusagen der Stadt Nürnberg bezüglich des Hallenbaus ignoriert. Das Problem ist, dass uns die Liga nicht wie andere Vereine behandelt, denen Auflagen und aufschiebende Bedingungen gewährt wurden. Das ist keine Gleichmäßigkeit und auch kein adäquater Umgang“, begründet Junge den erneuten Schritt, das Schiedsgericht anzurufen. Mehr noch: Der 50-Jährige sieht sich und seine Falken verschaukelt und wähnt sich in der Opferrolle eines Komplotts.

„Das wird die Liga natürlich niemals öffentlich zugeben. Aber es gibt genügend interne Informationen, dass wir in der BBL nicht willkommen sind. Denn wenn sie uns wollte, dann hätte sie uns auf diesem Weg auch wohlwollend begleiten können“, so Junge. Fakt ist: Nach der ersten Lizenzverweigerung reichten die Falken fristgerecht die Unterlagen und Zusagen der Nürnberger Stadtspitze für den Neubau einer bundesligagerechten Halle ein.

Ausweichorte nicht akzeptiert

Mit Bamberg und Regensburg konnten die Falken obendrein mögliche Ausweichspielorte benennen. Geändert hat dies nichts, die Entscheidung des Gutachterausschusses blieb bestehen. Auch Kalkulationen bezüglich des Zuschauerschnitts und potenzielle Einnahmen in der Bundesligasaison wurden von Seiten der Liga in Frage gestellt. Stattdessen stellte die BBL eigene Berechnungen an, die zu einem anderen, respektive schlechteren wirtschaftlichen Ergebnis führten und „jeglichem, mathematischem Verständnis widersprechen“, wie Ralph Junge betont.

Der Plan, bereits im Juli unweit des Max-Morlock-Stadions Bagger anrollen zu lassen und zeitnah mit dem Bau der Halle zu beginnen, wurde durch die erneute Verweigerung durchkreuzt – mit weitreichenden Folgen. Aufgrund der offenen Ligazugehörigkeit konnte Junge bis dato weder Fortschritte im personellen Bereich erzielen, noch konnten Kooperationen mit neuen Sponsoren geschlossen werden. Acht Wochen, in denen die Nürnberger ihre Planungen praktisch nicht vorantreiben konnten.

Ein „klarer Wettbewerbsnachteil“, wie Junge bestätigt. Klein beigeben kommt für den einstigen Gründer der Urspring Basketball Akademie in Ehingen dennoch nicht in Frage. „In mir lebt ein gewisser Gerechtigkeitssinn und eine immense Unzufriedenheit über die Art und Weise, wie die Liga mit uns kommuniziert. Es gibt ein gewisses Niveau und Umgangsformen, die man einhalten sollte“, rechtfertigt Junge das Vorgehen, erneut vor das Schiedsgericht zu ziehen.

Rückendeckung erhält der Falcons-Chef auch von Seiten der Stadt Nürnberg. „Sowohl Sportbürgereister Klemens Gsell als auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sind uns wohlgesonnen und tun alles, was in ihrer Macht steht. Durch die ständigen Verzögerungen der BBL wird aber natürlich auch die Situation für die Stadt immer komplizierter“, gibt Junge zu bedenken.

Die Falcons geben den Kampf um die Lizenz nicht auf:

Die Chancen, im dritten und gleichzeitig letzten Anlauf doch noch die langersehnte Lizenz zu erhalten, sieht der 50-Jährige gegeben: „Dadurch, dass die Entscheidung jetzt vom Schiedsgericht geprüft wird, sehe ich die Chancen nicht schlecht. Denn die Fakten sprechen ja für uns. Das Problem ist: Es geht nicht mehr nur um die reinen Fakten, es exisitieren außerdem noch viele juristische Thematiken, die jetzt geklärt werden müssen. Das macht eine Einschätzung sehr schwierig.“

Nicht nur die kurzfristigen Aussichten des mittelfränkischen Basketballsports stehen somit auf dem Spiel, auch die persönliche Zukunft Junges steht in engem Zusammenhang mit der ausstehenden Entscheidung. Zwar kann sich Junge einen Verbleib in Nürnberg vorstellen („Ich fühle mich hier super wohl und würde gerne bleiben“). Einen ligaunabhängigen Treueschwur pro Falcons ließ sich Junge allerdings nicht entlocken. „Ich muss sehen, wie sich das alles hier entwickelt.“

Mit einer Entscheidung in der Lizenzfrage ist erst im Lauf der kommenden Woche zu rechnen. Bis dahin müssen die Falken erneut die Flügel stillhalten und warten. Aufgeben kommt ohnehin nicht in Frage – „don‘t quit.“

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