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Herausforderung

Auf dem Sprung in die erste Liga

Franziska Liebschner aus Bernhardswald stammt aus einer echten Volleyball-Familie und greift jetzt ganz oben an.
Von Sebastian Schwarz

Franziska Liebschner gehört zum Kader des Bundesliga-Aufsteigers Nawaro Straubing. Foto: Schindler
Franziska Liebschner gehört zum Kader des Bundesliga-Aufsteigers Nawaro Straubing. Foto: Schindler

Regensburg.Franziska Liebschner trifft man an der Universität in Regensburg am Sportzentrum. Hier finden die meisten Kurse ihres Studiengangs Bewegungswissenschaften statt. Doch die Zeit, die die 20-jährige Bernhardswalderin an der Uni verbringt, ist knapp bemessen. Sie fährt zwei Mal am Tag nach Straubing. Liebschner erfüllt sich einen Sportlertraum. Sie wird nächstes Jahr mit den Volleyballerinnen von Nawaro Straubing erste Bundesliga spielen.

Liebschner stammt aus einer echten Volleyballer-Familie, ihre Mutter Beate spielte zweite Liga in Deggendorf und ihr Vater Holger Regionalliga in Ottobrunn bei München. Auch ihre beiden Brüder spielen Volleyball in der zweiten Mannschaft des TB/ASV Regenstauf.

Franziska Liebschners Weg in die erste Bundesliga begann in Wenzenbach. Dort spielte sie zum ersten Mal in einer Mannschaft Volleyball. Mutter Beate übernahm die Trainerrolle. „Wir haben zuvor in Bernhardswald immer auf der Straße Volleyball gespielt. Leider gab es dort keinen Volleyballverein. Also habe ich in Wenzenbach eine Jugendmannschaft ins Leben gerufen“, sagt Beate Liebschner. Mit der Mutter als Coach gab es nie Probleme. „Es war sehr dankbar, Franziskas Trainerin zu sein. Sie hat meine Entscheidungen respektiert und wir haben viel geredet“, sagt Beate Liebschner. Die Tochter zeigte Talent. „Nach vier Jahren haben wir uns dann umgeschaut, wo die Franzi höher spielen könnte. Es war auch an der Zeit. Ich hatte gemerkt, dass ich ihr nicht mehr viel beibringen konnte“. So kam Franziska mit 14 Jahren zur Jugendmannschaft Straubings und dann auch in die Landesliga-Damenmannschaft des TB/ASV Regenstauf.

Der Weg zu Regenstauf

Denn Franziskas Leistungen bei den Jugendmeisterschaften waren bemerkt worden – und zwar von Marcus Rumpf, der sowohl die Oberpfalzauswahl als auch die zweite Regenstaufer Damenmannschaft trainierte. Er erkannte Franziskas Potenzial und berief sie in die Oberpfalzauswahl. Nach einem Bayernpokal, in dem die besten Spielerinnen und Spieler der Bezirke in Mannschaften antreten, sprachen Rumpf und Beate Liebschner über Regenstauf als mögliche nächste Anlaufstation. „Nach Regenstauf bin ich eigentlich gekommen, weil es der einzige Verein in der Umgebung war, der höherklassig war. Anfangs habe ich für die zweite Mannschaft gespielt, doch schon bei dem ersten Team, das damals Regionalligist war, mittrainiert“, sagt Franziska Liebschner.

Kämpferin mit Hingabe

Rumpf begründet seinen Wunsch, Liebschner im Team haben zu wollen: „Sie war immer eine Kämpferin. Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, hat sie auch durchgezogen. Das machte sie als Spielerin aus. Einsatzwillen und Hingabe für den SportGepaart mit ihrem riesigen Talent war das eine erfolgversprechende Kombination.“ Nach einem Jahr in der Landesliga durfte Liebschner im Regionalliga-Team erste Spielerfahrungen sammeln. Die damals erst Fünfzehnjährige spielte sich schon in der ersten Saison fest.

„Mit ihrem unbedingten Willen wird Franzi auch ihren Weg in der ersten Liga machen.“

Marcus Rumpf Trainer der Volleyballerinnen des TB/ASV Regenstauf

Als Resümee über ihre gemeinsame Zeit sagt Rumpf: „Franziska war eine sehr angenehme Spielerin. Sie hat nie gemeckert, konnte Fehler sofort abhaken und sie war besonders gut darin, meine Anweisungen sofort umzusetzen. Franzi ist nicht nur als Volleyballerin, sondern auch menschlich hervorragend.“ 2015 dann fragte der Zweitligist Nawaro Straubing an. Für Franziska Liebschner stand damals allerdings die Vorbereitung aufs Abi im Vordergrund. Außerdem kam die Anfrage so knapp vor Saisonbeginn, dass Regenstauf, das fest mit Liebschners Einsatz rechnete, ebenfalls nicht begeistert war. So kam es erst ein Jahr später zum Wechsel. „Da war es dann leider so weit, dass wir sie abgeben mussten“, bestätigt Rumpf. „Das war ein großer Verlust für uns, aber für mich war der Schritt auch nachvollziehbar.“

Der Verein

  • Konzept:

    Nawaro Straubing versucht, allen Spielerinnen die Ausbildung neben dem Leitungssport zu ermöglichen. „Leistungssport ist gut und schön, aber danach und währenddessen gibt auch noch ein Leben“, sagt Trainer Benedikt Frank. Des Weiteren setzt man verstärkt auf die Jugendarbeit im Verein. Die intensive Verknüpfung des Leistungsstützpunkts in Straubing und dem Erstligisten soll jungen Talenten die Möglichkeit gegeben, den Einstieg in das Profileben zu meistern.

  • Etat:

    Der Finanzrahmen in Straubing ist klein. Außerdem steht keine erstligataugliche Halle zur Verfügung. Deswegen musste der Verein eine Ausnahmegenehmigung für die erste Bundesliga beantragen. „Für diese Ausnahmegenehmigung müssen wir Pläne für eine neue Halle vorlegen. Wir befinden uns bereits in Gesprächen mit der Stadt“,sagt Frank. Das Saisonziel ist der Klassenerhalt. „Wir wollen den Kampf annehmen und alle sollen sich zeigen dürfen“, sagt Frank. Die Erstligalizenz haben die Straubinger bereits erhalten. „Die Bedingungen für das wirtschaftliche Lizenzierungsverfahren sind moderat. Wir hatten uns diese intern ohnehin als Marschrute gesetzt“, sagt Nawaro Geschäftsführerin Ingrid Senft. Auch den anvisierten Etat werde man bis zum nächsten Stichtag finanziell abgesichert haben, so Senft.

  • Verstärkung:

    Die Niederbayern setzen besonders auf deutschsprachige Spielerinnen. Mit der erst 19 jährigen Libera Sophie Dreblow (Potsdam) kommt ein deutsches Top-Talent. Neben Liebschner geht auch Dana Schmit (21) in die erste Liga.

Auch für Liebschner war der Abschied schwierig: „Das Team in Regenstauf war etwas sehr Besonderes. Wir hatten viel Spaß und eine sehr familiäre Atmosphäre im Team.“ Sie macht ihrem ehemaligen Trainer ein Kompliment. „Am meisten muss ich mich bei Marcus bedanken. Er hat mir sehr bei meiner Entwicklung geholfen“.

Nach ihrem Abitur 2016 begann Liebschner ein Freiwilliges Soziales Jahr im Straubinger Verein und spielte gleichzeitig beim Zweitligisten.

Ein Jahr später verpflichtete Nawaro Benedikt Frank als Trainer. Ihm war schnell klar, dass er weiter mit Liebschner arbeiten wollte. „Sie passt perfekt in unser Konzept. In Straubing haben wir es uns auf die Fahne geschrieben, auf jungen Spielerinnen aus der Region setzen zu wollen.“ Die Bernhardswalderin rutschte in der ersten Saison unter Frank zunächst aufgrund einer Verletzung einer Stammspielerin ins Team. Sie blieb dran und kämpfte sich hinein und erbrachte besonders in der ersten Saison-Hälfte, trotz des Drucks und der Verantwortung, die sie tragen musste, eine „gigantische Leistung“, sagt Frank.

Leistungssport und Studium

Die erste Bundesliga wird kein Zuckerschlecken für die nun 20-Jährige. „Wir unterstützen die Franzi. Ich verstehe auch vollkommen, warum sie das machen will. Die Chance, erste Liga zu spielen oder auch nur auf diesem Niveau trainieren zu dürfen, ist einmalig“, sagt Beate Liebschner. In der ersten Liga trifft ihre Tochter in der Mannschaft auf große Konkurrenz. Franziska sieht ihre Situation positiv: „Ich bin als dritte oder vierte Außenangreiferin gelistet oder als zweite Libera, aber ich freue mich, auf die Herausforderung und darauf, Erfahrung zu sammeln.“

In der nächsten Saison warten andere Gegner. Straubing muss zwar wieder nach Stuttgart, nur dieses Mal wartet mit der ersten Mannschaft MTV Stuttgart, der Pokalsieger. Wie lange die Oberpfälzerin den Traum vom Leistungssport weiterleben kann, ist offen. Liebschner überlegt, das Studienfach zu wechseln, das könnte sich auf ihre sportliche Karriere auswirken. Sollte sie ein Medizinstudium beginnen, würde es zeitlich sehr schwierig werden, beides unter den Hut zu bekommen.

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