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Sport aus Regensburg
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 8

Rope Skipping

Ein weiter Weg zur Weltmeisterschaft

Fünf Rope Skipperinnen des TSV Wacker 50 Neutraubling haben sich für die Weltmeisterschaft in Shanghai qualifiziert.
Von Sebastian Schwarz

Deutschlands beste Einzel-Springerinnen: Die deutsche Meisterin Anna Uhl (links) und die deutsche Juniorenmeisterin Oliva Gessner Foto: Gessner

Regensburg.Neutraubling trennen 8689 Kilometer von der chinesischen Metropole Shanghai. Diese Reise, die knapp einem Viertel des Äquatorumfangs entspricht, werden Ende Juli die Rope Skipperinnen Anna Uhl, Olivia Gessner, Verena Silbereisen, Stefanie Lex und Julia Schmid auf sich nehmen, um bei der WM zu starten.

Das Quintett springt für den TSV 50 Wacker Neutraubling und startet bei der WM im Team. Und – die Oberpfälzerinnen stellen auch zwei Springerinnen in den Einzelwettbewerben. Anna Uhl und Olivia Gessner sicherten sich die Teilnahme durch ihre ausgezeichnete Leistung bei der deutschen Einzelmeisterschaft. Im Verein sind beide bereits „seitdem sie kleine Stöpsel sind“, sagt Trainerin und Abteilungsleiterin Magdalene Kroll.

Die 17-jährige Neutraublingerin Anna Uhl, die die elfte Klasse des Gymnasiums Neutraubling besucht, kam bereits als Achtjährige über ihre in dem Sport erfolgreiche Schwester zu Wacker. „Anna und Olivia zählen zu den 15 Springerinnen in unserem Verein, die den Sport leistungsorientiert betreiben“, sagt Kroll. Olivia Gessner kommt aus Bad Abbach. Die 17-Jährige besucht die elfte Klasse des Donau-Gymnasiums in Kelheim. Sie ist bereits seit knapp neun Jahren beim TSV.

Seit Jahren konstant erfolgreich

Wettkampferfahrung hat man in Neutraubling genügend. Seit Jahren sind die Rope Skipperinnen konstant erfolgreich. „Der erste ganz große sportliche Höhepunkt war die WM in Hongkong vor vier Jahren“, sagt Carola Gessner, Olivas Mutter. Auf die WM in Hongkong folgte damals die EM in Idar-Oberstein, darauf kam die WM in Malmö und ein Jahr später fand die EM in Braga statt. Fünfmal gewann das Team bereits die deutschen Meisterschaften.

Rope Skipping ist ein Sport in seinen Anfängen. Bayernweit ist Neutraubling der einzige wettbewerbsfähige Verein. „Um uns für die nationalen Wettbewerbe qualifizieren zu können, müssen wir an Turnieren in anderen Bundesländern teilnehmen“, sagt Magdalene Kroll. Doch wie kommt man dazu, Seilspringen auf diesem hohen Niveau zu betreiben? Bei Magdalene Kroll war es so: Sie ging zum Kinderturnen und wurde von ihrer damaligen Trainerin auf den Sport aufmerksam gemacht. „Meine Trainerin hat meine Gruppe zu einem Weltrekordversuch im Seilspringen mitgenommen. Der fand in Regensburg am Neupfarrplatz statt. Es hat uns allen so gut gefallen, dass wir uns wünschten, während der Gruppenzeit Seil zu springen“, sagt Kroll.

Über Lehrbücher und Artikel informierten sie sich über Rope Skipping und fanden sich bald als eine recht große Gruppe wieder, die diesen Sport betreiben wollte. Heute ist die Gruppe 80 Mädchen und Frauen stark. „Aber viele der Mädchen betrieben den Sport nur als Hobby und nicht leistungsorientiert“, sagt Kroll, die hauptberuflich beim Landkreis Regensburg im Sachgebiet Kreisjugendamt als Verwaltungsfachwirtin arbeitet.

Um auch in Shanghai an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen zu können, trainieren Anna Uhl und Olivia Gessner und das Team vier Mal zwei bis drei Stunden in der Woche. „So kurz vor der Weltmeisterschaft würde ich gerne noch häufiger trainieren, aber das ist schwierig“, sagt Kroll. Beide Springerinnen sind noch Schülerinnen, darauf muss selbstverständlich Rücksicht genommen werden. „Zusätzlich ist es schwer, noch eine Hallenzeit zu bekommen“, sagt Kroll.

Das WM-Team:•Olivia Gessner, Anna Uhl, Verena Silbereisen, Stefanie Lex und Julia Schmid (von links)Foto: Gessner

Ohne die Eltern einzubinden, ginge es, wie in vielen Sportarten, auch in dieser nicht. Die Mädchen müssen zum Training gefahren, zu den Wettkämpfen begleitet werden. Die Gessners beispielsweise fahren allein pro Trainingseinheit fast 70 Kilometer. „Da läppert sich schon ganz schön was zusammen“, sagt Carola Gessner.

Zusammenläppern – das ist auch ein Stichwort, das die Mannschaft ständig beschäftigt. Rope Skipping steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Da ist man auf jeden Cent angewiesen. Allein die Reise nach Shanghai ist nicht billig. „Wir rechnen, dass Unkosten von rund 1700 Euro pro Springerin anfallen“, sagt Kroll. 1700 Euro mal fünf plus Kroll – die Trainerin fährt als Kampfrichterin mit, das schreibt der Verband so vor – da ist man dann finanziell schon in einer Dimension, die nicht so einfach zu stemmen ist. „Wir sind momentan auf Sponsorensuche. Es ist gerade für eine Randsportart leider schwer, Geldgeber zu finden“, sagt Kroll.

Belgien im Favoritenkreis

Da der internationale Rope-Skipping-Verband (FISAC) die Disziplinen den Ländern vorgibt, unterscheiden sich die Anforderungen der deutschen Einzel- und Teammeisterschaft von denen der Weltmeisterschaft nicht.

Lediglich das Teilnehmerfeld ändert sich. „Die Favoriten in den Speed-Disziplinen sind die Chinesen und die Belgier. Beim Freestyle sind die Schweden gut. Die haben Bewegungen drauf, da können wir nur mit den Ohren schlackern“, sagt Kroll „Ich schätze, dass mehr als 1000 Athleten vor Ort sein werden.“

Für Trainerin Magdalene Kroll ist es dann eine erfolgreiche WM, „wenn die Mädels mit ihren Leistungen zufrieden sind und dementsprechend auch für ihre Leistung honoriert werden. Alles Weitere ist dann ein Zuckerl“, sagt sie. So, wie sie ihre Mädchen kennt, werden sie ihr Bestes geben. Sie sind trainingsfleißig, diszipliniert und ehrgeizig. Und dann müssen wir abwarten und sehen, was die Konkurrenz zu bieten hat“, sagt Kroll – ganz getreu dem Motto: Mögen die Besten gewinnen.

Apropos: Mit Anna Uhl und OliviaGessner reisen ihre treuesten Fans: die Familien der beiden.

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