mz_logo

Sport aus Regensburg
Montag, 23. Juli 2018 29° 6

Handball

ESV: Standort als Wettbewerbsnachteil

Etablierte Klubs haben die Jugendarbeit für sich entdeckt – und den ESV überholt. Die Regensburger sind dennoch zufrieden.
von Gerd Winkler

Moritz Vater (Mitte) läuft künftig für die in München beheimatete „Handballakademie Bayern“ auf. Fotos: Brüssel
Moritz Vater (Mitte) läuft künftig für die in München beheimatete „Handballakademie Bayern“ auf. Fotos: Brüssel

Regensburg.In der Saison 2014/2015 wurde erstmals eine männliche Nachwuchsmannschaft des ESV 27 Regensburg, der traditionell für Frauen- und Mädchenhandball steht, bayerischer Meister. Unter der Regie der Trainer Lutz Baumgardten und Hubs Lengsfeld hatten die C-Junioren die bayerischen Hochburgen Großwallstadt, Erlangen, Coburg, Rimpar und München distanziert. Nun, drei Jahre später, ging der ESV 27 in der A-Junioren-Bayernliga „nur“ als Siebter über die Ziellinie.

Und das, obwohl Großwallstadt, Erlangen und Coburg nicht mehr im Zehnerfeld mitmischten. Das Trio spielte derweil mit Günzburg in der A-Junioren-Bundesliga. „Die großen Vereine in Bayern haben mittlerweile den Wert einer vernünftigen Jugendarbeit erkannt und rüsten dementsprechend auf“, begründet Baumgardten die getrennten Wege.

Bei den Junioren ein Alleinstellungsmerkmal

Dass der Nachwuchs des ESV 27 in der Entwicklung stehengeblieben ist, weil von den etablierten Vereinen überholt worden, ist daher ein falscher Trugschluss. Aus der Bayerischen Meisterschaft der C-Junioren einen Automatismus später für die nächsten Alterskategorien, für die B- und A-Junioren, abzuleiten, verbietet die Konstellation – speziell in der Region Regensburg. Während in den fränkischen Hochburgen sowie im Raum München eine deutlich höhere Vereinsdichte herrscht, die somit Quantität und Qualität an Spielermaterial für den leistungsorientierten Jugendhandball liefert, sieht es in der Domstadt und dem Umland düster aus: In Regensburg hat der ESV 27 im Juniorenhandball für das Alter von 13 Jahren aufwärts quasi ein Alleinstellungsmerkmal.

Wobei die Kräfteverhältnisse schon ganz andere waren: Ende der 90er-Jahre werkelten bei der SG Regensburg im Jugendbereich Klaus Imberger und Hans Moser. Gekrönt wurde das jahrelange Engagement an der Alfons-Auer-Straße mit zwei bayerischen Titeln für B- und A-Junioren. Momentan hat der angehende Männer-Bayernligist nur D-Junioren abwärts im Spielbetrieb. Hoffnungsvolle Talente produziert zwischendrin die HG Hemau/Beratzhausen, die sich dann gleich der Talentschmiede des Bundesligisten HC Erlangen anschließen: Geografisch gesehen liegen die Tangrintler quasi auf der Autobahn A3 schon ein Drittel auf der Strecke.

„Das ist die Krux: Wenn du qualifizierte Jungs hast, die sich sportlich weiterentwickeln wollen“, verweist Coach Lutz Baumgardten auf die Abgänge, die den ESV ereilt haben: Vor zwei Jahren wechselte Nils Lichtlein, mittlerweile Jugend-Nationalspieler, zu den Füchsen Berlin. Vergangenen Sommer Keeper Hannes Winicki nach Erlangen, um dort wie Lichtlein in der Jugend-Bundesliga zu spielen. Dass Daniel Brilz vorzeitig zum Heimatverein TSV Neutraubling zurückkehrte, und damit seine zwei letzten Juniorenjahre abschenkt, kommt für die Eisenbahner dazu: Abgänge können durch Zugänge nicht kompensiert werden.

Vater verlässt ESV

Ganz aktuell ist der Verlust von Bayernliga-Torjäger (184 Treffer in 16 Spielen) Moritz Vater. Der Halblinks läuft künftig für die in München beheimatete „Handballakademie Bayern“ auf. Die ist kürzlich aus der Taufe gehoben worden, um im Großraum München alle Talente zu bündeln – mit dem Ziel: Qualifikation für die A-Junioren-Bundesliga. Ein Doppelspielrecht von Vater für den ESV lassen die Statuten erst ab der Landesliga zu. Für das Bezirksoberliga-Männerteam der Eisenbahner ist der Zug in Richtung Landesliga vor Ostern abgefahren.

Dennoch lässt sich Baumgardten das Bilanzieren („das war ganz klar eine gelungene Saison“) der Saison 2017/18 nicht vermiesen: „Allen Widrigkeiten zum Trotz haben die Jungs immer versucht, das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten zu machen“. Oft mussten die B-Junioren herhalten, um im vom Haus aus kleinen Kader Ausfälle zu kompensieren. 5:13 Punkte in der Vorrunde, 11:7 Zähler in der Rückrunde sind Beleg für die Weiterentwicklung. „Der Teamgeist war top“, ergänzt der 61-Jährige, der registrierte, dass der Nachwuchs immer einen Blick für seine sportliche Zukunft hatte: Während der Auswärtsfahrten waren die Ergebnisse und die Tabellensituationen der Ersten und Zweiten oft das Thema.

Kollmer verabschiedet sich

Derweil hat sich Baumgardtens Trainerkollege Thomas Kollmer von den Bayernliga-B-Juniorinnen des ESV mit 10:18 Punkten und Platz sieben in der Endabrechnung nach drei Jahren an der Dechbettener Brücke verabschiedet. Der 42-Jährige kehrt zu seinem Heimatverein HG Hemau/Beratzhausen („wir sind das gallische Dorf zwischen den Handballregionen Regensburg und Nürnberg“) zurück. Mit dem Zehnerkader, in dem durchschnittlich drei C-Jugendliche aushelfen mussten, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, war im Grunde nicht mehr drin. 2015/16 am Ende als Achter, 16/17 als Dritter und nun als Siebter: „Die Erfahrung ist unbezahlbar“, resümiert der 42-Jährige seine Amtszeit: „Die Bayernliga ist schon ein anderes Kaliber als die Bezirksliga“. Was Kollmer damit meint: „Die Schnelligkeit und die Härte im Spiel sowie das Streben und Versessenheit der Spielerinnen sind der Unterschied“. Kollmers Erkenntnis: „Mit der Trainingsbeteiligung haben die Spielerinnen viel selbst in der Hand, wie man abschneidet“.

Neue Trainer für die ESV-Junioren

  • Nach der Bayernliga-Saison ist

    vor der Qualifikationsrunde: Mit fünf Teams (A- bis C-Junioren, B- und C-Juniorinnen) geht der ESV 27 Regensburg ins Rennen. A-Junioren-Trainer Lutz Baumgardten und sein „Co.“ Stefan Moritz bekommen auf der Bank Verstärkung: Doro Mooser. Fünf Spieler gehen altersbedingt an den Herrenbereich „verloren“, dafür rutschten sieben B-Jugendliche auf.

  • Und ein Externer kommt:

    Torhüter Tobias Fink vom HV Oberviechtach.
    Auf B-Juniorinnen-Coach Thomas Kollmer und seinem „Co.“ Leonhard Achenbach folgt das Trio Robert Torunsky, Franzi Peter und Martina Rank. Altersbedingt verlässt ein Trio die Mannschaft, während ein Sextett aus der C-Jugend von Trainerin Silke Lichtlein mit der Empfehlung der Bayernliga-Vizemeisterschaft nachrückt. (owi)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht