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Handball

SG Regensburg: Aufstieg statt Auflösung

Der Landesliga-Meister SG Regensburg vergisst im Triumph nicht die Vergangenheit. Stiller Held ist Ben Heiligtag.
Von Gerd Winkler

So sehen Aufsteiger aus: Landesliga-Meister SG Regensburg Fotos: Brüssel

Regensburg.Am Samstagabend feierten die Funktionäre und die Mannschaft der SG Regensburg mit dem Anhang und den Sponsoren den vorzeitigen Aufstieg in die Bayernliga. Dass die Regensburger Landesliga-Meister werden, stand schon vor dem 33:29-Heimerfolg gegen Forchheim fest.

Bis Mitternacht wurde ausgelassen an der Alfons-Auer-Straße vor der Sporthalle bei Freibier und Brotzeit über die sorgsam geplante und nahezu perfekt abgelaufene Saison geplaudert, geschmunzelt und gelacht. Natürlich hatten die Spieler stolz die grau-grünen Aufstiegs-T-Shirts übergestreift.

Der Wettergott ist scheinbar ein Rot-Schwarzer und meinte es am Samstagabend gut mit den Handballern der SG: Bei Freibier und Brotzeit hielten sich in der lauen Sommernacht Mannschaft, Funktionäre und Anhang bis Mitternacht zum Verweilen an der Alfons-Auer-Straße. Foto: Brüssel

Die vorher von einem Vertreter des Bayerischen Handballverbandes überreichte Meisterschaftsurkunde ging reihum, Rechtsaußen Florian Uhl wurde als Spieler der Saison geehrt und ein Sponsor, der nicht genannt werden will, spendierte dem Team einen verlängerten Wochenend-Trip im Mai nach Mallorca. Unbeschwert und lustig war’s.

2011 herrschte Verzweiflung

Es herrschten aber schon andere Stimmungslagen bei den Rot-Schwarzen. Im Frühjahr 2011 stand ein verzweifelter Helmut Meichel kurz davor, die Handballabteilung der SG Regensburg aufzulösen. Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung kündigten mehrere Funktionäre ihren Rückzug an. „Helmut, alleine kannst du den Laden nicht schmeißen! Wenn keiner bereit ist, mitzuarbeiten, dann machen wir halt dicht“, erinnert sich der Vorstand, jetzt in der Stunde des Aufstiegstriumphes, mit Schaudern an damalige Aussagen zurück: „Wirklich: nur noch die Zapfs als Kassiere wollten weitermachen.“

„Wenn keiner bereit ist, mitzuarbeiten, dann machen wir halt dicht.‘

In diesen schwierigen Wochen, als sich Meichel auf der Suche nach Funktionären serienweise Körbe einhandelte, ergriff Ben Heiligtag, bis dahin „ganz normaler“ Spieler, die Initiative. „Ich greife mit an, dass es weitergeht“: Noch heute hat Meichel den Wortlaut ganz genau im Kopf, mit denen der gebürtige Schierlinger wie aus dem Nichts auf ihn zugekommen ist: „Ich kümmere mich um den Frauenbereich, du um die Männer. Was meinst du, Helmut? Das schaffen wir doch.“

Fast in jedem Heimspiel darf SG-Vorstand Helmut Meichel (l.) seinen „Edelfan“ Thierry Tricot (Mitte) begrüßen. Der Vorsitzende des Fördervereins beim Lokalrivalen ESV 1927 Regensburg versteht es immer, den mitunter schwer in die Gänge kommenden SG-Anhang mitzureißen. Foto: Brüssel

Der Fortbestand der Handballabteilung war gesichert. Seinerzeit schlug sich die Mannschaft, die von 2005 bis 2008 in der Bayernliga spielte, in der Bezirksliga mehr schlecht als recht durch. Als Spielertrainer konnte Meichel seinen Sohn Matthias gewinnen. Im April 2012 gelang der Aufstieg in die Bezirksoberliga. Als es im Frühjahr 2013 den Bayernligisten TB Roding „zerrissen“ hat (dieser Tage wird im Bayerwald der Neubeginn in Angriff genommen), wechselte ein halbes Dutzend Spieler an die Alfons-Auer-Straße. Zurück zu den Wurzeln, hieß es für Steve Müller und Michael Rank. Mit dieser Manpower gelang im Mai 2014 der Aufstieg in die Landesliga.

Das erste Gastspiel der Vereinsgeschichte – 1991 schlossen sich der Sportclub und die DJK Sportbund zur SG zusammen – in der Bayernliga dauerte drei Jahre. Trainer Hans Moser führte die „lebende Tormaschine“ Radek Matousik, Michi Sigl & Co. im April 2005 in die vierthöchste Liga. Foto: Brüssel

Vor zwei Jahren erfolgte der im Nachhinein von vielen als unsäglich bezeichnete Zusammenschluss mit dem in Cham beheimateten Ostbayerischen HC zur „neuen“ SG Regensburg. Die Vision: Aufstieg in die Bayernliga, anschließend in die 3. Liga. Es tobte jedoch früh hinter den Kulissen, ein Dreivierteljahr später ging die Ehe als Rosenkrieg in die Brüche. Aus der „neuen SG“ wurde wieder die „alte SG“ – doch das Ziel blieb: Aufstieg in die Bayernliga, der im Sommer 2017 offensiv propagiert wurde.

Quartett ging, Quintett kam

Am Kader wurde geschraubt: Ein Quartett ging, ein Quintett kam. Am ersten Spieltag gelang gegen den Drittliga-Rückzieher SV Auerbach ein 34:24-Auswärtssieg. Eine Woche später wurde die vermeintliche Übermannschaft in der Landesliga, der SV Heidingsfeld, 29:26 zu Hause besiegt. Der 26:29-Pleite am Wochenende darauf bei der HSG Fichtelgebirge gewannen Meichel und Trainer Kai-Uwe Pekrul sogar Positives ab: „Ein Warnschuss zur rechten Zeit, ein Hallo-Wach: das wird kein Selbstläufer“, gaben die beiden Macher unisono Anfang Oktober zu Protokoll.

Die zweite Saison als Trainer und „Co.“ an der Alfons-Auerstraße im Amt: Kai-Uwe Pekrul (53, li.) und Zbynek Vesely (40). Pekrul spielte zu seiner aktiven Zeit beim Regionalligisten (heute 3. Liga) TB Roding. Vesely absolvierte vier A-Länderspiele für Tschechien, spielte als Profi unter anderem bei den damaligen Zweitligisten EHV Aue (6 Jahre) ThSV Eisenach (3) als Linkshänder auf Rechtsaußen. Foto: Brüssel

Einige Wochen (und überzeugende Siege) später demonstrierte Pekrul mit einem TVA-Interview – „wir wollen nicht nur gewinnen, sondern auch schön spielen“ – das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis in beeindruckender Manier nach Außen.

Dass die SG vor dem letzten Spieltag in Heroldsberg mit 47:3 Zählern die Tabelle anführt, ist Produkt der Trainingsarbeit. Die Trainer-Vorgabe sei „nicht mehr als 25 Gegentore, in der Abwehr ist das Spiel zu gewinnen“, sagt Meichel.

Tomas Turek ist hart im Nehmen: Gegen Forchheim kugelte sich der Abwehrchef den kleinen Finger aus. Physio Julian Gunkel renkte den ein, fixierte ihn am Ringerfinger - und weiter ging’s. „Das ist tschechische Handballschule“, sagt SG-Vorstand Helmut Meichel trocken dazu. Foto: Brüssel

Die 5:1-Defensive sei eigentlich mehr eine 3:2:1: „Der Einser vorne, die Halben vorgezogen – da brauchst du schnelle Füße – und die haben wir“, beschreibt Meichel das Erfolgsrezept: „Dadurch haben wir die Gegner zu Ballverlusten gezwungen.“ Und das Konterspiel kommt in die Gänge: In der ersten Welle über die pfeilschnellen Außen Valentin Deml und Florian Uhl, per zweiter Welle über Tom Wuka, Lukas Heinle und Marcel Elgeti.

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