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JUBILÄUM

Eine Erfolgs-Allianz aus schwarz, rot und blau

40Jahre Leichtathletik-Gemeinschaft Regensburg: vom Olympia-Vierten Magerl über DLV-Präsident Prokop bis hin zur Hindernis-Meisterin Lutz
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

  • Kennen Sie den Herrn links? Richtig, es ist DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop als LG-Weitspringer.
  • LG-Held jüngerer Tage: Zehnkämpfer Florian Schönbeck belegte bei Olympia 2004 in Athen Rang zwölf.
  • Berühmtes Bild von der LG-Gala an der Universität: Sportdirektor Kurt Ring mit Sabrina Mockenhaupt
  • Der beste LG-Einzelsportler aller Zeiten ist der Hochsprung-Olympia-Vierte Dr. Hermann Magerl.
  • Das Jubiläums-Gruppenbild mit den aktuellen LG-Athleten der deutschen Spitze und Männern, die den Ton angeben: der sportliche Leiter Kurt Ring, Dreispringer Manuel Ziegler, Weitspringerin Michelle Weitzel, Marathonläuferin Fakja Hofmann, Langstreckler Philipp Pflieger, die Mittelstreckler Florian Orth und Felix Plinke, Allrounderin Corinna Harrer, Trainer Wolfgang „Jack“ Wattolik, Hindernis-Meisterin Susi Lutz, GmbH-Geschäftsführer Otto Prinzing und der Generalbevollmächtigte Eugen Hahn von Sponsor LG Telis Finanz (von links) Fotos: Lutz, Archiv (4)

REGENSBURG. Zeitreisen in die Vergangenheit sind eine lustige Sache. Da kann einem Präsidenten mal kurzzeitig mulmig werden. „Hoffentlich tauchen keine kompromittierenden Fotos auf“, unkte Dr. Clemens Prokop, früher ganz normaler Weitspringer der Leichtathletik-Gemeinschaft Regensburg, heute Boss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Ich wünsche den jungen Athleten so schöne Erfahrungen, wie ich sie damals gemacht habe.“

Der Jubilar LG, dessen Bedeutung und Klasse noch immer nicht überall angekommen ist, packte seine Vereinsgeschichte bescheiden in eine Jahresfeier, lud sich rund 200 Gäste und ließ pfiffig moderiert vom Berliner Leichtathletik-WM-Sprecher Florian Weber mal schnell 40 Jahre in vier Stunden am passenden Ort Revue passieren. Denn nebenbei zeigte die altehrwürdige RT-Halle am Schopperplatz, welch vergessenes Regensburger Kleinod sie doch ist.

Offizieller Beginn am 20. Juli 1970

Die Erfolgsgeschichte der anfänglichen Zweckverbindung einer Vielzahl von Klubs begann unter anderem hier. Laut Prokop-Urteil hat sich die LG „gewaltig entwickelt und ist einer der führenden Vereine Deutschlands“. Die sportliche Bilanz der am 20. Juli 1970 aus der Taufe gehobenen Vereinigung blieb zwar zunächst überschaubar, beschaulich ging es jedoch nicht zu.

Nicht selten bricht im Leichtathleten nämlich das Gemüt des Individualsportlers durch. „Es gab Feindschaften“, sagte Norbert Lieske, der vorletzte von nur drei LG-Präsidenten über die Jahrzehnte, der auf Gert Binn folgte und von Gregor Neumann beerbt wurde. „Hier war die RT mit ihrer schwarzen Laufbahn, dort der SSV Jahn mit seiner roten Bahn, und dann gab es die blauen Ameisen vom ESV.“

Zusammenraufen hieß die Devise. „An Veranstaltungen war anfangs nicht zu denken“, sagte Lieske. Dass der größte Erfolg eines Einzelsportlers in den Startjahren erzielt wurde, war ein Einzelfall. Der vierte Hochsprung-Platz des von 1860 München zurückgeholten Dr. Hermann Magerl, einer der Ehrengäste in der RT-Halle, bei den Olympischen Spielen von 1972 ist bis heute unübertroffen. Mit dem ebenfalls anwesenden Richard Kick hätte ihn ein zweiter Regensburger begleiten müssen, doch der deutsche Dreisprung-Meister wurde ausgebootet. Dafür waren Gert Binn und Sportwart Rolf Watter, der noch heute dem traditionellen Saisoneröffnungs-Sportfest am Weinweg den Namen gibt, als Olympia-Kampfrichter im Einsatz.

Nur zwei, drei Bayerntitel im Jahr

Dennoch: „Die Schere ging damals weit auseinander“, erklärte Kurt Ring, wie Lieske LG-Gründungsmitglied und heute im Vorstand und der Mann der sportlichen Planung. „In den ersten zehn Jahren kamen wir auf zwei, drei bayerische Titel pro Jahr.“

RT-Mann Ring und Jahnler Lieske wussten nicht, wie sehr sich der neue Klub mit jenem Weitspringer, der 1975 mit Hermine Rengstl und seinem Bruder Wolfgang aus Saal kam, an der deutschen Spitze orientieren würde. Schon in der Grube reichte es zur Prokop’schen Bestleistung von 7,69 Meter und für das Nationaltrikot. Der Durchbruch gelang dem Juristen und künftigen Boss des Amtsgerichts in Regensburg aber als Funktionär. Seit neun Jahren steht er dem deutschen Verband vor. Die Leichtathletik-Gemeinschaft hatte erst kurz vorher den Sprung auf die bundesweite Ebene geschafft. „Von 1980 bis 89 kamen wir von sechs, sieben bayerischen Titeln im Jahr aber immer noch nicht weg“, bilanzierte Ring.

Der Einschnitt ging damit einher, dass die LG Vorreiter spielte und ihre Namensrechte verkaufte. „1995 ging es ums Überleben“, sagte Norbert Lieske. „Was half, war ein Team. So ging ein Ruck durch, das war ein Quantensprung.“ Seit März 1997 firmierte der Klub als LG Domspitzmilch. „Das war etwas total Neues“ und sorgte für Aufsehen ob des ungewöhnlichen Namens, der anfangs sogar in Fragen gipfelte, wo denn dieses Domspitzmilch genau liege.

Damit erlangte auch der bis heute beibehaltene Sixpack Milch bei der Siegerehrung Kultstatus. Noch viel wichtiger: Otto Prinzing, gerade 70 Jahre alt geworden, blieb bei der LG hängen. Mit dem Eintritt ins Rentenalter wurde er als Geschäftsführer der Veranstaltungs-GmbH verpflichtet. „Seitdem geht es noch steiler bergauf“, sagte Ring.

Frauen-Gold gibt 1997 Startschuss

Der Bekanntheitsgrad war schon zu Domspitzmilch-Zeiten schnell gestiegen, zumal 1997 endlich der erste deutsche Titel seit Magerl gelang. Das Marathon-Team der Frauen mit Katharina Kaufmann (2.), die zur Dauer(b)rennerin wurde, sowie Sophie Berkmiller und Daniela Arndt auf den Rängen fünf und acht, nutzte den Heimvorteil in Regensburg und holte Gold.

Es war der Startschuss für unzählige Mannschaftserfolge im Frauenlaufbereich. „Wir bekamen aber auch eine tolle Techniker-Truppe, waren vom Hammerwurf bis zum Sprint besetzt und haben zehnmal hintereinander den Bayern-Cup gewonnen“, blickte Kurt Ring zurück und scherzte: „Jetzt wollten die Mädels Körper sehen.“

Tief und Hoch mit Schönbeck

Sie bekamen unter anderem einen Florian Schönbeck, „der länger blieb, als ich gedacht hatte“ und Gerechtigkeitsfanatiker Kurt Ring einen seiner größten Tiefschläge versetzte. Vergeblich kämpfte er bei der Heim-EM 2002 um eine vernünftige Norm von 8000 Punkten für seinen Zehnkämpfer. Doch Schönbeck blieb in München nur die Zuschauerrolle. Noch schlimmer: Ein Kontrolleur holte ihn von der Tribüne zur Dopingkontrolle. Schönbeck aber wurde entschädigt: Mit der Olympia-Teilnahme 2004 in Athen, wo mit dem Neuseeländer Jason Stewart ein weiterer Wahl-Regensburger dabei war.

Der nächste gravierende Einschnitt in der Historie war das Jahr 2006. Zehn Jahre zuvor hatte die LG vorsichtig begonnen, eine Gala auf die Beine zu stellen – als Vorläufer des Unigeländes zunächst noch am Kaulbachweg bei der SG Post/Süd. Das Verlässlichste war anfangs der Regen bei der Veranstaltung, die aber auch schon Glanzlichter wie den deutschen Hammerwurf-Rekord von Kirsten Münchow 2000 mit sich brachte.

Gala-Durchbruch im Fußball-Jahr

Der Durchbruch folgte, als sich mitten in der Fußball-Weltmeisterschaft niemand anders als die Regensburger traute, die Europacup-Ausscheidung auszurichten – seither kommt die nationale Elite jedes Jahr. Inzwischen stehen im Deutschland-Ranking nur Berlin und Wattenscheid vor der jetzigen Sparkassen-Gala, die mehr von Ideen als von Geld lebt, was allerdings für 2011 zur Folge hat, dass es das traditionelle Stabhochspringen auf dem Neupfarrplatz nicht mehr geben wird.

Aus Partnern werden Freunde

Seit 2008 hat die LG wieder einen neuen Namen: Telis Finanz gibt jetzt den Namen, und deren Generalbevollmächtigter Eugen Hahn formulierte das Verhältnis so: „Die Partnerschaft geht fast in Freundschaft über.“ Mit sogar hiesigen Talenten wie der in U20 und U 23 zweifach mit EM-Bronze dekorierten Susi Lutz aus Sinzing oder der Junioren-WM-Sechsten Corinna Harrer hat die LG längst den Sprung auf die internationale Bühne geschafft.

Susi Lutz sorgte auch für den emotionalsten Moment der Feier: Sichtlich bewegt freute sich ihr Trainer Ring nochmal über den DM-Titel der Hindernisläuferin in Braunschweig. „Total interessant, das alles mal so komprimiert zu sehen“, fand Lutz.

Übrigens: Clemens Prokop ging beruhigt nach Hause. Kompromittierende Fotos gab es keine zu sehen.

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