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Michelle Weitzel im Scheinwerfer-Licht

Regensburger Weitspringerin ist in Paris neugierig auf Sebastian Bayer und feuert den Klubkollegen Florian Orth an.
Von Claus-dieter wotruba, MZ

Ein Bild vom bisher besten Sprung ihrer Karriere: Michelle Weitzel fliegt in Leipzig zur Weite von 6,61 Metern, die sie zur EM nach Paris bringt. Foto: dpa

REGENSBURG. Der erste Gedanke? „Fassungslosigkeit.“ Der Flug zur Hallen-Europameisterschaft nach Paris dauerte für Michelle Weitzel bei der deutschen Meisterschaft in Leipzig exakt 6,61 Meter. „Ich wusste es, kurz bevor es auf der Tafel stand. Der Weitenmesser hat es mir gesagt.“ 6,61 – das bedeutete eine Steigerung ihrer Bestleistung um elf Zentimeter. Fassungslos machte es Weitzel, weil eine Steigerung von 6,50 auf 6,61 ein stolzer Sprung ist in der Sphäre der Spitze der acht bis zehn deutschen Frauen, in der sich die 23-jährige Weitspringerin der LG Telis Finanz Regensburg inzwischen bewegt.

„Sicher, sie hat ihr Grundniveau verbessert und es war an der Zeit, dass der Knoten platzt“, sagt ihre Trainer Steffi Pietsch. „Aber wann das kommt, das weiß man eben nie so genau.“ Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Sprung bei Michelle Weitzel kam, als es darauf ankam. „Das ist ja eine meine Stärken“, sagt sie. Weitzel mag es, wenn es um etwas geht. Und sie mag – für einen Weitspringer nicht ungewöhnlich – viel Leben in der Bude.

Schon heute freut sie sich auf das Heimspiel bei der Sparkassen-Gala am 4. Juni in Regensburg. „Und mir ist die Halle auch lieber als draußen. Gut, du hast vielleicht schönes Wetter und Rückenwind. Aber in der Halle sind einfach mehr Zuschauer.“

Nun schnuppert Michelle Weitzel also das erste Mal die internationale Luft. Das Flugzeug brachte sie am Mittwoch nach Paris, wo sie als Kind zweimal war. Sie freut sich auf den ersten Auftritt für Deutschland und ist gespannt auf die Begegnung mit dem Weitsprung-Kollegen Sebastian Bayer. Alle Konzentration gilt der Qualifikation am Samstag ab 11.15 Uhr. „Das Ziel ist, sie zu überstehen, damit ich am Sonntag im Finale (ab 14.50 Uhr, d. Red.) nochmal ran darf. Dazu werde ich an Leipzig anknüpfen müssen.“

Nach dem Frankreich-Trip ist eine Woche Pause. „Körper und Geist brauchen das“, sagt die Trainerin – und die Athletin nimmt diese Auszeit auch gerne wahr. „Dann esse ich, was ich will, mache gar nix und besuche meine Freunde, Omas und Opas.“ Danach ruft wieder intensives Training bis zum Freiluft-Einstieg Ende Mai. Dann gilt es die Hallenleistung im Sommer zu bestätigen – wie im Vorjahr. Damals folgte auf die 6,50 eine 6,49.

Das größte Sommerziel für Weitzel ist die Universiade im chinesischen Shenzen im August. An die WM im südkoreanischen Daegu ein paar Tage später zu denken hält das Duo Weitzel/Pietsch für zu vermessen. „Da werden 6,73 gefordert – und das sind nochmal zwölf Zentimeter mehr.“

Entwicklungspotenzial sieht Steffi Pietsch aber einiges. „Weitsprung hat jetzt Priorität“, sagt sie. „Alles andere ist Ausgleich.“ Nicht zuletzt aufgrund ihren Bestleistungen im Hochsprung (1,77 m) und über die Hürden (14,33) ist Michelle Weitzel nämlich eine mehr als akzeptable Mehrkämpferin. Zur Weitspringerin wurde sie eher aus Verlegenheit. Weil sie arge Achillessehnen-Beschwerden plagten, nahm das Duo die stärkste Einzeldisziplin für eine verkürzte Saisonvorbereitung – und hatte prompt Erfolg.

Jetzt möchte die Lehramts-Studentin für Sport und Mathematik, die einst bei den Bundesjugendspielen entdeckt wurde, weil sie soweit sprang wie der beste Junge der Schulklasse („Ich glaube, das waren 3,90 Meter“) ihre Grenzen ausloten und denkt vorsichtig an Olympia 2012 in London.

Die geborene Hessin aus Neuberg, die beim TV Gelnhausen mit der Leichtathletik begann und seit viereinhalb in Regensburg ist, nimmt einen Landsmann mit nach Paris. Weitzel kann am Samstagnachmittag (14.50 Uhr) Florian Orth, der ebenfalls für die LG Telis Finanz antritt, im Vorlauf über 1500 Meter anfeuern.

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