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Sport aus Regensburg
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Eiskunstlauf

Ann-Christin springt in die große Welt

ECR-Talent Marold gelingt in Oberstdorf bei den Bavarian Open ein persönlicher Rekord. Die Erfolge erzeugen auch Gegenwind.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

  • Ann-Christin Marold hat eine neue Dimension erreicht: Mit den 147,10 Punkten von Oberstdorf pulverisierte sie ihre Bestleistung und ist nun schon auf dem Sprung in den B-Kader. Fotos: Brüssel (2)

Regensburg.Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist keine platte Weisheit, sondern Tatsache: Ann-Christin Marold hat es in Oberstdorf bewiesen. Das 13-jährige Aushängeschild des EC Regensburg hatte sich die deutlich ältere Kanadierin Aurora Cotop als Kontrahentin auf Augenhöhe ausgeguckt. „Die kann ich schlagen“, sagte die Eiskunstläuferin nach dem Studium der Trainingseindrücke. Gesagt, getan: Mit dem Ergebnis von 147,10:146,0 Punkten sprang sich Marold nebenbei in eine neue Dimension. Mit Rang drei war ein unerwarteter Treppchenplatz bei den Bavarian Open hinter den Japanerinnen Saya Suzuki (179,72) und Riko Takino (166,98) der Lohn für die Debütantin in der Klasse der Juniorinnen. „In Oberstdorf konnte ich das zeigen, was ich schon bei der Deutschen zeigen wollte“, versah Ann-Christin den Kommentar bei Facebook mit einem Strahle-Smilie und zwei Herzchen.

Die Bavarian Open waren in diesem Jahr international so hochkarätig besetzt, dass selbst erfahrene Trainer begeistert waren. Russen, Japaner und Nordamerikaner hoben die Veranstaltung, die seit Jahren zum Regensburger Standardprogramm gehört, auf ein alles andere als alltägliches Niveau. „In dieser Masse waren diese Starter aus den Topnationen sonst nie hier: Es ist schön, solche Leute einmal live zu sehen“, sagt Nicole Brünner, die Marold gemeinsam mit ihrem Mann Ferdinand Dedovich beim ECR betreut.

„Das ist eine Hausnummer“

Die deutschen Meisterschaften in Mannheim waren zuletzt trotz der Bronzemedaille ein kleiner Nackenschlag gewesen, weil ein Kratzer in der CD mit der Kürmusik das ECR-Talent so massiv aus dem Gleichgewicht brachte, dass Marold der scheinbar sichere Sieg noch entglitt . „Wir hatten so etwas schon vorher mal erwartet“, sagt Brünner über die Leistungsexplosion. „Vor der deutschen Meisterschaft zum Beispiel war sie eigentlich viel stabiler. Aber das jetzt war eine Hausnummer: Zwei solche Programme hatten wir noch nie. Bis auf den dreifachen Flip hat nichts mehr gefehlt. Damit kann sie auch in die Juniorenwelt gehen. Wir sind sehr, sehr stolz.“ Zur Einordnung: Jene 147,10 Punkten brächten bei einem Junioren-Grand-Prix im Normallfall wohl einen Platz unter den besten Zehn.

Schon macht sich die Trainerin fast ein wenig Sorgen: „Ann-Christin legt sich die Latte für die nächste Saison gerade selber hoch“, sagt Brünner und ist gar nicht so erpicht auf das, worauf ihr ehrgeiziger Schützling nun stark hofft. Gelingt in den Faschingsferien beim „Cup of Tirol“ in Innsbruck noch einmal eine Leistung über 140 Punkten, hätte Marold sogar die Vorgaben für die Aufnahme in den B-Kader erfüllt – und so diese Saison zwei Kaderstufen auf einmal erklommen. „Ann-Christin will dort die Dreifach-Dreifach-Kombination springen“, nennt Brünner konkrete Marold-Ziele nach der Motivationsspritze der Bavarian Open.

Vier Läuferinnen im Bundeskader

Die Topläuferin ist nicht die einzige ECR-Eiskunstläuferin, die in Deutschland für Furore sorgt. Jenseits von Oberstdorf und dem in der Auflösung befindlichen Stützpunkt in München ist Regensburg längst in Bayern ein inoffizieller Stützpunkt geworden, der noch weitere Talente vorzuweisen hat, die die Norm für den Bundeskader erfüllt haben. Neben Marold haben auch Lea Schwamberger, Jana Schwegler und Linn Jörgensen die Kriterien erfüllt: Vier auf einen Streich – das ist ECR-Vereinsrekord.

Linn Jörgensen ist ein Sonderfall und erst seit ein paar Wochen Regensburgerin – und auch das nur inoffiziell. Offiziell startet die 14-jährige Münchnerin auch nach wie vor für den Münchner EV, doch nun haben sie Brünner/Dedovich unter ihren Fittichen. In Zusammenarbeit mit Monika Scheibe, die früher das Weltklassepaar Wötzel/Steuer betreute und nun nur noch im Breitensport aktiv ist, brachte das ECR-Duo Linn Jörgensen wieder in die Spur. „Sie kam vor drei, vier Wochen als graue Maus“, berichtet Nicole Brünner von einer rasanten Entwicklung, die plakativ an den Ergebnissen abzulesen ist. „Vorher war sie hinter unserer schlechtesten Läuferin platziert“, jetzt erreichte Jörgensen als Zweite in Chemnitz und Achte in Oberstdorf die gesamte ECR-Konkurrenz nach Punkten hinter sich.

Lesen Sie hier ein Interview mit Mutter und Tochter Marold – und wie aus einem Schnupperkurs Leistungssport wurde.

Dahinter stehen die nächsten Bundeskader-Läuferinnen schon auf dem Sprung: Mit Milena Sardarian, die bei den sächsischen Meisterschaft Teil eins der Punktepflicht erbrachte, könnte schon in Innsbruck noch eine fünfte ECR-Läuferin die Kriterien erfüllen. „Eine Emily Kling und Sophia Gienger werden es dann in der nächsten Saison versuchen“, berichtet Brünner von den Zukunftsplänen.

Langsam neigt sich die Saison dem Ende zu, auch die Trainer haben Kraft gelassen. „Das war jetzt meine zwölfte Veranstaltung in der Saison“, sagt Brünner, die besonders in Chemnitz an ihre Grenzen stieß. „Da hatte ich sechs Läuferinnen in einer Klasse. Das war nur mit der Hilfe einer Kollegin zu bewältigen.“

Von Freitag bis Sonntag geht es schon wieder ins Allgäu nach Oberstdorf. Die bayerischen Jugendmeisterschaften haben für den ECR von daher eine besondere Bedeutung, weil sie eine inoffizielle Vereinsmeisterschaft sind. Der beste bayerische Verein bekommt den Karl-Klötzer-Pokal.

Klötzer-Pokal als nächstes Ziel

„Das ist immer eine schöne Sache fürs Renommee“, sagt Brünner. „Und wir würden den Pokal gerne ein fünftes Mal hintereinander gewinnen. Aber das ist immer auch ein bisschen Glückssache, weil man nie so genau weiß, wie es in den unteren Kategorien ausgeht.“

Großartige Unterstützung auf breiter Ebene aber bekommen die Regensburger trotz aller greifbarer Erfolge nicht. Im Gegenteil: „Wir bekommen immer wieder Gegenwind. Manche sagen, ohne Stützpunkt und mit acht Monaten kann man es in Regensburg nicht schaffen“, sagt Brünner. „Aber das beflügelt uns eher, kostet aber auf Dauer auch viel Kraft.“ Und Ergebnisse wie die der Bavarian Open beweisen ja auch das Gegenteil.

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