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„Auge“ gibt beim SV jetzt die Kommandos

Der Weltmeister bittet in Donaustauf erstmals zum Training. Mit dabei sind glückliche Fans und Testspieler aus Brasilien.
Von Jürgen Scharf, MZ

Hier geht‘s lang: Klaus Augenthaler (2. von rechts) beim Trainingsauftakt in Donaustauf mit seinem Co-Trainer Thomas Semmelmann (rechts)
Hier geht‘s lang: Klaus Augenthaler (2. von rechts) beim Trainingsauftakt in Donaustauf mit seinem Co-Trainer Thomas Semmelmann (rechts) Fotos: Nickl

Donaustauf.Kurz vor 19 Uhr marschiert Klaus Augenthaler am Montagabend ein. Er trägt Fußballschuhe, Stutzen, kurze Sporthose, ein enges Polo-Shirt. Mit seinem sportlichen Outfit macht er zum Trainingsauftakt des SV Donaustauf eindeutig klar, dass das hier keine Vergnügungsveranstaltung ist. Die Spieler trippeln brav hinter ihm her. Respekt ist auch angebracht: Ab sofort erhalten die Landesliga-Kicker des SV die Kommandos von einem waschechten Fußball-Weltmeister.

Kurz bevor Augenthaler seine neue Arbeit antritt, ist der Himmel über Donaustauf noch dunkel und trüb. Als „Auge“ auf dem Sportgelände des SV auftaucht, bahnt sich jedoch, wie sollte es anders sein, die Sonne ihren Weg durch die Wolken. Hier, zu Füßen der Walhalla, arbeitet nun schließlich einer, der zumindest bei Fans des FC Bayern, mit dem Augenthaler siebenmal deutscher Meister wurde, durchaus als Lichtgestalt durchgeht.

Auf dem Platz versammelt Augenthaler die Spieler um sich, begrüßt jeden mit Handschlag und hält eine kurze Ansprache. „Er hat gesagt, dass wir Vollgas geben sollen“, erzählt Torwart Daniel Hanke später. Hanke ist einer der Neuzugänge beim SV. Er wechselte von der zweiten Mannschaft des SSV Jahn Regensburg nach Donaustauf. Wegen Augenthaler? „Das war schon auch mit ein Faktor“, sagt Hanke. Von einem derart erfahrenen Trainer und Fußballer könne man wahnsinnig viel lernen – und darauf freue er sich.

„Das ist eine Bereicherung“

Große Vorfreude spüren auch Johann Huf und Erich Koller. Beide sind Donaustaufer und eingefleischte Fans ihres SV. Das mit dem Augenthaler, das sei „einwandfrei“, meint Huf: „Das ist eine Bereicherung für Donaustauf.“ Man müsse jetzt nur schauen, wie lange das geht. Er hoffe jedenfalls, dass der Weltmeister lange beim SV bleibt. Koller fügt an, dass die aktuelle Konstellation, in der Augenthaler von Sponsoren bezahlt wird, optimal sei: „So lange es dem Verein kein Geld kostet, ist alles in Ordnung.“ Nur dass jetzt schon ein paar einheimische Spieler den Verein verlassen haben, weil sie in der Landesliga keine Perspektive mehr sehen, finden sie nicht so gut: „Aber so ist das dann eben“, meint Huf.

Ein Video von Augenthalers erster Trainingseinheit

Augenthaler bittet in Donaustauf zum Training

Augenthaler hat derweil auf dem Platz Hütchen aufgestellt. An seinem ersten Trainingstag lässt er verschiedene Spielformen üben. Von Beginn an will er intensiv mit seinen neuen Jungs arbeiten – und sie dafür begeistern, voll mitzuziehen: „Ich kann nur Spaß haben, wenn ich Erfolg habe. Und Erfolg habe ich nur, wenn ich etwas dafür tue“, hat er kurz zuvor im MZ-Gespräch erklärt..

Erfolg mit dem SV Donaustauf bedeutet bei Augenthaler übrigens nichts anderes, als „oben mitzuspielen“ – auch jetzt in der neuen Spielklasse. Erst vor ein paar Wochen ist seine neue Mannschaft von der Bezirks- in die Landesliga aufgestiegen. In der kommenden Saison soll es gleich wieder Richtung Spitzengruppe gehen. „Wer mich und auch die Sponsoren kennt, die sich hier engagieren und das möglich machen, kennt, weiß, dass wir nicht damit zufrieden sind, wenn wir um Platz zehn spielen.“

Wemerson Souza dos Santos will sich im Training für einen Vertrag empfehlen.
Wemerson Souza dos Santos will sich im Training für einen Vertrag empfehlen. Foto: Nickl

Für seine Spieler sei das natürlich ein gewisser Druck, räumt Augenthaler ein: „Aber letztlich ist es meine Aufgabe, ihnen diesen Druck zu nehmen.“ In seiner langen Karriere habe er schon alles erlebt, diese Erfahrungen wolle er weitergeben. Gewaltige Unterschiede in der Trainingsarbeit mit Profis oder Amateuren macht Augenthaler übrigens nicht aus. In der Landesliga müsse er zwar Rücksicht darauf nehmen, dass er mit Spielern arbeite, die einem Beruf oder Studium nachgehen. Mehr als drei Trainingseinheiten pro Woche seien da nicht drin. Unterm Strich gehe es aber immer, egal bei welchem Klub, nur um eines, erklärt er: das Fußballspiel.

Mittelmaß ist keine Option

Um bei diesem Spiel in der kommenden Saison möglichst gut abzuschneiden, hat Augenthaler zwei exklusive Testspieler unter seinen Fittichen. Über einen niederbayerische Spielerberater, wie er erzählt, sei der Kontakt zu Mariano Borges da Silva und Wemerson Souza dos Santos geknüpft worden. Beide sind aus Brasilien und werden nun zwei bis drei Wochen vorspielen. Dann wird Augenthaler entscheiden, ob sie die Spieler sind, die den SV zum Erfolg führen könnten. Dabei wird der neue Trainer genau hinschauen, Augenthalers Ehrgeiz ist schließlich auch mit 58 Jahren noch groß: „Mit Mittelmaß gebe ich mich nicht zufrieden.“

Lesen Sie hier: Startschuss für Klaus Augenthaler

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