MyMz

Futsal

Bayern-Stars unterstützen Futsaler

Der SSV Jahn 1889 eilt von Sieg zu Sieg. Nun folgt das Derby – und am 28. November ein Knüller mit Costa, Rafinha und Thiago.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Nicht nur Bayern-Profi Costa, auch seine Teamkollegen Thiago (l.) und Rafinha (r.) unterstützen die Futsaler. Auch drei Löwen sind bei der Förderveranstaltung „Meet your heroes“ dabei.
Nicht nur Bayern-Profi Costa, auch seine Teamkollegen Thiago (l.) und Rafinha (r.) unterstützen die Futsaler. Auch drei Löwen sind bei der Förderveranstaltung „Meet your heroes“ dabei. Foto: Eibner

Regensburg.Nein, Schützenfeste sind auf die Dauer so eine leichte Sache auch wieder nicht. Das Futsal-Team des SSV Jahn 1889 dominiert die Regionalliga Süd wie man eine Liga nur dominieren kann. Zwischen sieben und zwölf Toren hat die Mannschaft von Spielertrainer Lucas Kruel in der Regel erzielt. Zweimal waren es sogar über 20 Treffer. Und doch war jener 8:3-Sieg, jener neunte Erfolg im neunten Match zuletzt im Goethe-Gymnasium gegen Villalobos Karlsruhe ein Beweis, dass Dauersiegen schwer ist. „Ich möchte am liebsten immer, dass wir 100 Prozent spielen“, sagte Lucas Kruel. „Aber wenn der erste Ball drin ist, was soll ich dann sagen?“

Schon nach zehn Sekunden hatte Luis Gustavo den sprungreduzierten Ball mit seiner inzwischen bekannten Brachialgewalt das erste Mal ins Tor gewuchtet – und doch wurde es nichts mit der sonst so oft üblichen Zielstrebigkeit. Die 1889er standen sich bisweilen sogar selbst im Weg und hatten einen Gegner, der hochmotiviert war. Wie alle zuletzt. „Jeder will gegen uns gewinnen“, sagt Kruel. Ob sich die Konkurrenz auf die Duelle freut? „Halbe-halbe. Sie wissen, entweder werden sie abgeschossen oder sie gewinnen.“

Exakt das ist der Reiz: Der Erste sein, der diesem SSV Jahn 1889 ein Bein stellt – und sei es nur, dass man nicht verliert.

„Manche Gegner haben Spieler, die nur gegen uns spielen.“

Lucas Kruel

Schon vor den Karlsruhern hatten die Hessen aus Ober-Roden die Regensburger beim 5:9 gefordert wie keiner bisher. „Manche Gegner haben Spieler, die nur gegen uns spielen“, sagt Kruel. Und auch die technisch beschlagene Multi-Kulti-Truppe aus Karlsruhe tat alles, um Kruel und Co. zu ärgern, auch wenn es im Vergleich ein wenig an mannschaftstaktischem Spiel gebrach. Aber: Mit dem 22-jährigen Daniel Renner hatte Karlsruhe einen nicht nur wegen seiner drei Tore auffälligen Spieler in ihren Reihen.

Es scheint, als würde der Weg zur deutschen Futsal-Meisterschaft 2017 über Regensburg führen. „Jetzt kenne ich das Niveau hier und wir können uns noch besser vorbereiten. Denn was wir gewinnen wollen, wird härter als dieses 8:3. Das kommt erst in den nächsten drei, vier Monaten“, lässt der stets ehrgeizige Lucas Kruel die hohen Ziele durchklingen.

Mehr Klasse als im Nationalteam

Sicher gibt es Kritiker, die fragen, was eine von Brasilianern geprägte Mannschaft dem im mühsamen Aufbau befindlichen Futsal in Deutschland bringt. Kruel hat die ersten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen England in Hamburg (5:3 und 3:3) gesehen. Individuelle Klasse wie jene, die in Regensburg zu sehen ist, fehlte dort noch. „Dafür, dass sie neu sind, war es gut“, urteilt Kruel und bietet an: „Wenn ich helfen kann, stehe ich zur Verfügung. Wenn nicht, ist es auch recht. Wir wollen unsere Geschichte vor allem hier in der Stadt schreiben.“

Auch, wenn es an der Torschützenliste wie diesmal gegen Karlsruhe nicht immer ablesbar ist, machen deutsche Spieler wie Daniel Steinhauser oder Florian Fromholzer im Sog der brasilianischen Kumpels sichtbare Fortschritte. Doch es braucht Geduld, es dauert. „Sie haben mit Futsal erst vor ein paar Monaten begonnen. Florian spielt zum Beispiel seit zwei Monaten Futsal. Aber sie verbessern sich von Woche zu Woche“, sagt Kruel und vergleicht mit der Erfahrung der Brasilianer. „Ich habe mit elf begonnen zu spielen, unser Torwart Raul mit neun, Mauricio mit neun, Luis Gustavo mit sechs glaube ich, Halison mit zwölf. Wir spielen also alle quasi unser ganzes Leben lang.“

Ohne Jahn-Ultras wenig Fans

Die deutschen Spieler müssen sich an die speziellen Fertigkeiten des Futsals gewöhnen, das Publikum auch. Wenn die Jahn-Ultras nicht die Halle bevölkern, ist der Besuch eher mau wie am vergangenen Samstag mit gerade 50 Fans. „Wir haben noch zu wenige Unterstützer“, sagt Kruel. „Ich komme aus Brasilien und das hier ist zwar nicht meine Stadt, aber ich spiele für sie. Wir bringen den Namen in Deutschland in Umlauf, vielleicht noch weiter. Es wäre schön, wenn mehr Leute die Hand zur Hilfe ausstrecken würden, sei es als Zuschauer oder Sponsor“, findet Lucas Kruel. „Es geht nicht nur um Geld. Uns würde schon helfen, mal den Schlüssel für eine Halle zum Training zu bekommen.“

„Uns würde es schon helfen, mal den Schlüssel für eine Halle zum Training zu bekommen.“

Lucas Kruel

In Regensburg dauern manche Dinge länger. „Du musst nur offen dafür sein, dann siehst du, was hier passiert. Jeder, der kommt, dem gefällt es auch. Wir tun unser Bestes, mehr geht nicht: Aber für wen spielen wir?“, fragt Kruel durchaus besorgt und stellt dennoch gemeinsam mit Futsal-Initiator Oliver Vogel unermüdlich nicht nur sportlich Besonderes auf die Beine.

Der neueste Clou ist eine Förderveranstaltung in München. Unter dem Motto „Meet your heroes“ warten am 28. November ab 18.30 Uhr im brasilinischen Grill-und-Lounge-Lokal „VIB“ in der Franziskanerstraße im Stadteil Au-Haidhausen je drei Profis der Münchner Profi-Klubs FC Bayern München und TSV 1860. „So etwas kostet normal viel Geld. Sie kommen alle, nur um uns zu helfen“, sagt Lucas Kruel, der als Personaltrainer besten Bezug hat und seinen Freund Douglas Costa diverse Male zum Futsal in Regensburg lotste.

Auch Löwen-Kicker sind dabei

Diesmal gehören auch die Bayern-Stars Rafinha und Thiago aufgrund zu den Unterstützern. Von den Löwen sind Ribamar, Rodnei und Victor Andrade bei der Veranstaltung angekündigt, für die es inklusive Essen und Getränke zum Preis von 148 Euro (Kinder 80) Karten zu erwerben gibt (Info unter Mail reservierung@vib-muenchen.de oder Telefon 0152/3790 1650). Zwei dieser Tickets haben Kruel und Co. auch für ein Benefizkonzert zugunsten von „Miracle’s Hilfsprojekt“ im Kolpinghaus zur Verfügung gestellt, wo sie am Donnerstag ab 19 Uhr bei einer amerikanischen Versteigerung zu haben sind.

Am Samstag ab 17 Uhr geht aber erstmal das zehnte Saisonspiel in der Regionalliga über die Bühne. Diesmal steht das Oberpfalz-Derby gegen Wackersdorf an, diesmal in der Clermont-Ferrand-Halle. Das Hinspiel gewann der SSV Jahn 1889 mit 9:0. Es wird wohl die nächste Etappe auf dem Weg der Dauersiege werden.

Hier erfahren Sie mehr über die Jahn-Fustaler.

Mehr Meldungen aus dem Sport lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht