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Beim Jahn hängt der Haussegen schief

Zur sportlichen Misere kommt ein umstrittenes Interview von Torwart Loboue. Der kritisiert die Fans für „Keller raus“-Rufe.
von Heinz Reichenwallner und Jürgen Scharf, MZ

Stephan Loboues „Asozial“Vorwurf sorgte für eine große Diskussion. Foto: Eibner
Stephan Loboues „Asozial“Vorwurf sorgte für eine große Diskussion. Foto: Eibner

Regensburg.Nun kracht es auch innerhalb der Jahn-Familie gewaltig. Nach der 0:2-Heimniederlage am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers hatte Torwart Stephan Loboue in einem Interview mit dem Regensburger Fernsehsender TVA Teile der eigenen Fans als „asozial“ und „Vollidioten“ bezeichnet. Die angesprochenen Anhänger hatten zuvor lautstark „Keller raus!“ skandiert und damit den Sportchef des Regensburger Fußball-Drittligisten kritisiert.

Die Aussage Loboues sorgte für eine große Diskussion. Im Internet meldeten sich viele Menschen zu Wort – mit unterschiedlichen Meinungen. Manche forderten, dass Loboue für seine „Entgleisung gegenüber den Fans“ vom Verein suspendiert werden soll, andere begrüßten die Haltung Loboues, dass man sich auch als Profi-Fußballer oder Funktionär eines Vereins nicht alles gefallen lassen müsse.

Loboue hatte in dem Interview auch an den Suizid des früheren Nationaltorwarts Robert Enke, der an Depressionen litt, erinnert. Damals sei von vielen gefordert worden, sich in Zukunft gegenseitig besser zu behandeln. Die Realität sehe in der Gegenwart aber anders aus, meint Loboue.

Am Dienstag gab der Jahn auf MZ-Anfrage bekannt, dass der Torwart für seine Aussagen nicht von Vereinsseite bestraft werde. Man habe ihm aber geraten, keine Interviews zu dieser Angelegenheit zu geben, um nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen, sagte Pressesprecher Till Müller. Intern habe man das Thema „intensiv besprochen und aufgearbeitet. Auch ein Gespräch von Stephan Loboue mit Fan-Vertretern könnte eine Option sein“.

Die MZ fragte am Dienstag beim Training des SSV Jahn bei anwesenden Fans nach. Zumindest diese waren von den Aussagen des Torwarts überrascht – und finden sie nicht gut. „Was ist an Keller-raus-Rufen eigentlich eine Beleidigung?“, fragte einer zurück. „In der Öffentlichkeit kann ein Spieler die Fans nicht als asozial bezeichnen“, meinte ein anderer. Ganz praktisch sieht es ein Dritter: „Wir zahlen Geld dafür, dass wir ‚Keller raus‘ rufen dürfen.“ Als Verantwortlicher eines Fußball-Vereins, der auf dem letzten Platz steht, müsse man mit Kritik rechnen und mit dieser umgehen können: „Der Fan gibt seine Meinung nicht mit der Eintrittskarte ab.“

Stürmersuche geht weiter

Fast zur Nebensache gerät angesichts des Wirbels um das Loboue-Interview die nach wie vor laufende Suche nach einem neuen Stürmer. Bekommt der SSV Jahn im Angriff etwa eine Verstärkung aus Finnland? In der Trainingswoche vor der letzten Partie in diesem Jahr bei der SpVgg Unterhaching (Samstag, 14 Uhr) stellte sich Juho Mäkelä vor. Der 31-jährige, 1,90 Meter große Stürmer stand zuletzt beim Seinöjon Sk, dem Zweiten der finnischen Velkkausliga, unter Vertrag. Mäkelä spielte auch schon einmal in Deutschland beim Zweitligisten SV Sandhausen, für den er in der Rückrunde der Saison 2012/13 in 13 Spielen drei Tore erzielte.

Der Finne wird derzeit von Coach Christian Brand ebenso getestet wie Christoph Kröpfl vom österreichischen Erstligisten TSV Hartberg. Der 24-Jährige kann im Sturm und auch im offensiven Mittelfeld spielen und war bereits für die österreichischen Bundesligisten Red Bull Salzburg und SK Sturm Graz am Ball. Auch wenn die Stürmersuche beim Jahn nach bisher erst 17 erzielten Treffern in 21 Saisonspielen verständlicherweise absoluten Vorrang hat, so werden beim Tabellenletzten mit Maurizio Scioscia (23) vom 1. FC Heidenheim und Ernesto de Santis (19) vom Karlsruher SC auch zwei offensive Mittelfeldspieler getestet, die zwar beide zu den Zweitligakadern ihrer Vereine gehören, aber noch keinen Saisoneinsatz vorweisen können.

Einen Blitztransfer in der laufenden Woche schließt Jahn-Sportchef Keller allerdings aus, da alle vier Kandidaten noch bei anderen Vereinen Vertrag bis zum 31. Dezember haben. Zu den „Keller raus!“-Rufen sagte er, dass Kritik im Fußball dazu gehöre, „aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Mit ist es aber lieber, wenn es gegen mich geht, als gegen Mannschaft oder Trainer“.

Jahn-Torwart nennt Fans "asozial"

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