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Fussball

Beim SSV Jahn herrscht gute Laune

Die Profis spielen super, der Nachwuchs wird immer besser. Der Präsident warnt aber davor, sich darauf auszuruhen.
Von Jürgen Scharf

„Wie ein Kletterer in der Steilwand!“ Hans Rothammer wies bei der Mitgliederversammlung auf die rasante Entwicklung des Jahn hin. Fotos; Nickl
„Wie ein Kletterer in der Steilwand!“ Hans Rothammer wies bei der Mitgliederversammlung auf die rasante Entwicklung des Jahn hin. Fotos; Nickl

Regensburg.Hans Rothammer hält einen Moment inne und blickt kurz in den großen Veranstaltungsraum des Regensburger Marina-Forums. Knapp 300 Besucher sind zur Mitgliederversammlung des SSV Jahn gekommen. Darunter auch einige Ultras, die hartgesottenen Anhänger, die bei den Spielen für Stimmung sorgen. Rothammer spricht sie direkt an. Zuletzt, beim Spiel in Fürth, gab es eine Auseinandersetzung zwischen Regensburger Fans und Polizei. Der Jahn hat sich danach voll vor seine Anhänger gestellt. Nun übt der Vorstandsvorsitzende den ultimativen Schulterschluss: Wenn es in der kommenden Saison wieder ein Auswärtsspiel in Fürth gibt, will er gemeinsam mit den Fans vom Bahnhof zum Stadion marschieren.

Es gab wahrlich schon schlechtere Zeiten beim Jahn. Es gab Mitgliederversammlungen, bei denen gestritten und gezetert wurde und bei denen hinterher weniger klar war als vorher. Im Jahr 2018 scheint es dem Regensburger Traditionsverein aber so gut wie fast noch nie zu gehen. Die Stimmung bei der Versammlung an diesem Mittwochabend ist von einer seltenen Harmonie geprägt. Es gibt keine Überraschungen, keine Gäste, die mit unangekündigten Anträgen oder Wünschen für Zoff sorgen.

Die gesamte Profimannschaft (hier, von links, Andy Geipl, Marco Grüttner und Benedikt Saller) war vertreten. Foto: Nickl
Die gesamte Profimannschaft (hier, von links, Andy Geipl, Marco Grüttner und Benedikt Saller) war vertreten. Foto: Nickl

Das Reden übernehmen die Bosse selbst. Nachwuchsvorstand und Geschäftsführer Christian Keller hat viele gute Nachrichten zu verkünden. Im Nachwuchsbereich gehe es aufwärts, berichtet er. Die Jugendmannschaften hätten immer mehr Erfolge. Als Beispiel nennt er den ältesten Jahrgang, die U19. Diese führt derzeit die Bayernliga an. Bleibt sie bis zum Saisonende oben, würde der Jahn in die U19-Bundesliga aufsteigen. Dies wäre ein Riesenerfolg, meint Keller. Vielleicht könne bald das große Ziel erreicht werden, dass es wieder Spieler aus dem eigenen Stall zu den Profis schaffen.

Rasend schnelle Entwicklung

Von der Leistung der ersten Mannschaft in der 2. Liga schwärmt der Geschäftsführer natürlich auch. Die allgemeine Erwartungshaltung steige ihm da manchmal aber zu schnell, meint er. Alleine in diesem Jahr wieder den Klassenerhalt zu schaffen, wäre eine riesige Leistung: „Jedes Spiel in der 2. Liga ist für den SSV Jahn ein riesengroßes Geschenk.“ Mit Grafiken führt er den Mitgliedern die rasend schnelle Entwicklung des Klubs vor: von einem Umsatz von 3,3 Millionen Euro vor fünf Jahren bis zu den 16,8 Millionen Euro in der vergangenen Saison.

Präsident Rothammer ist von den sensationellen Leistungen der Profimannschaft mit zwei Aufstiegen in den vergangenen drei Jahren ebenfalls begeistert. Fast mahnend erinnert er in seiner Ansprache aber mehrmals daran, dass es gerade in der Stunde des Erfolgs darum gehe, an mögliche Probleme der Zukunft zu denken. Der Jahn müsse auch darauf vorbereitet sein, wenn es irgendwann mal wieder einen Abstieg in die 3. Liga geben sollte.

Wie „ein Kletterer in einer Steilwand“, sagt Rothammer, habe sich der Klub zuletzt finanziell entwickelt. Jetzt gehe es darum, jeden Schritt abzusichern: „Wir werden keinerlei finanzielle Risiken eingehen.“

Die Jahn-Gremien

  • Vorstand des Vereins:

    Hans Rothammer (Vorstandsvorsitzender), Christian Keller (Vorstand Nachwuchsfußball), Philipp Hausner (Vorstand Marketing) und Daniel Lesser (Vorstand Finanzen & Controlling)

  • Aufsichtsrat des Vereins:

    Norbert Fritsch (Vorsitzender), Georg Martin, Stefan Reiprich, Klaus Eder, Andreas Gietl, Günter Hödl und Walter Schwabenbauer

  • Aufsichtsrat der GmbH und Co. KGaA:

    Hans Rothammer (Vorsitzender), Norbert Fritsch, Gerhard Süß, Wolfgang Gural, Georg Martin, Rudolf Schels, Dr. Werner Folger und Claus Leitl

  • Geschäftsführer:

    Christian Keller

Finanziell übernommen habe sich der Klub Rothammer zufolge übrigens auch beim Rückkauf der Vereinsanteile im vergangenen Jahr nicht. Der Streit mit einem Investor hatte für viele Schlagzeilen gesorgt. Nun sei der Weg für die Zukunft geebnet, meint der Präsident. Von dem Darlehen, dass der Verein für den Rückkauf aufgenommen habe, seien bereits 60 Prozent zurückbezahlt, verkündet er. Wie hoch dieses Darlehen genau war, sagt Rothammer aber nicht.

Die Bilanz des Vereins stellt Daniel Lesser vor. Der hat die frohe Kunde, dass es einen Überschuss von 1,6 Millionen Euro gibt. Dieser speise sich zum größten Teil aus einem Zuschuss, den es von der ausgegliederten GmbH und Co KGaA, also der Profiabteilung, an den Mutterverein gab. In einem Grundlagenvertrag zwischen beiden Institutionen ist festgeschrieben, dass es von der Profiabteilung wenn möglich eine solche Unterstützung gibt, um die Nachwuchsarbeit voranzutreiben. Das Geld werde für „Infrastruktur, für Werte für die Zukunft“ verwendet, sagt Lesser.

Wolbergs unter den Besuchern

Unter den Besuchern ist neben der gesamten Profi-Mannschaft auch der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der derzeit wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht steht. Rothammer spricht ihn bei seiner Rede an: „Ich hoffe, du bringst die ganze Geschichte bald hinter dich.“ Der Vorstandsvorsitzende erinnert dabei an den freiwilligen Rückzug Wolbergs’ aus den Vereinsgremien im vergangenen Jahr, „um den Jahn nicht in Schlagzeilen mithineinzuziehen und ihn nicht zu beschädigen“. Dies rechne er ihm hoch an.

Joachim Wolbergs war auch zu Gast. Foto: Nickl
Joachim Wolbergs war auch zu Gast. Foto: Nickl

Eine einzige kurze Mini-Debatte bei der Versammlung gibt es, als die Satzung für einen Passus zum Vereinsemblem geändert wird. Auf einen Antrag aus den Reihen der Fans hin ist im Regelwerk des Vereins nun klar festgelegt dass dieses ein „rotes, hochgestelltes J und ein darin enthaltenes rotes R mit abgerundeter Unterkante auf weißem Grund und rotem Rahmen in Schildform“ sein soll.

Hier finden Sie ein Interview mit dem neuen Aufsichtsrat Klaus Eder

Die Aufnahme dieser Beschreibung wird mit großer Mehrheit beschlossen. Der Zusatzantrag, dass der Passus in der Zukunft nur mit 80-prozentiger statt der üblichen Zwei-Drittel-Mehrheit wieder abgeschafft werden kann, wird dagegen abgelehnt. Dies trübt die Stimmung im Marina-Forum aber keineswegs. Fans und Klubführung halten derzeit fest zusammen. Und wenn der Präsident in der kommenden Saison dann wirklich in Fürth an der Spitze der Jahn-Karawane zum Stadion marschiert, wird der Zusammenhalt wohl noch größer werden.

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