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Corinna Harrer: Londons Flair verleiht Flügel


Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Langsam, aber sicher realisiert Corinna Harrer, wo sie da gelandet ist. „Es ist schwer zu beschreiben, aber dass du so abtauchst in eine eigene, ganz komische Welt, das muss man einfach erlebt haben“, sagt die 21-jährige Läuferin von der LG Telis Finanz Regensburg über das olympische Flair. Erst seit Freitag hatte sie Zeit, im Endspurt von London auch ein paar andere Dinge jenseits der Leichtathletik kennenzulernen. Corinna Harrer wollte zum Beispiel beim BMX vorbeischauen, der neuen Olympia-Sportart, erklärt sie der MZ am Telefon. „Das ist hier sehr gefragt. Ich will noch möglichst viel an Stimmung aufsaugen.“

Nicht viel hatte gefehlt und Corinna Harrer hätte den Ausflug noch einmal verschieben müssen. Zu Halbfinal-Platz fünf und damit der Qualifikation für den Endlauf am Freitagabend fehlte die Kleinigkeit von 23 Hundertstel. „Das hat mich gewurmt“, sagt Harrer. Dabei hatte sie nach dem Vorlauf „richtig Probleme. Ich war stundenlang beim Physio mit Stromtherapie und allem“. Eigentlich hatte sie schon am Dienstag beim Triathlon zuschauen wollen. Das fiel flach.

Ihr Auftritt voller Courage begeisterte auch die Fans zuhause. Wie beim Vorlauf am Montag hatte LG-Präsident Norbert Lieske ein Public viewing organisiert. „Mein Motto war: 80.000 Zuschauer im Olympiastadion, 80 bei uns. Das ist fast ausgegangen“, berichtet Lieske von der Klub-Veranstaltung, bei der auch Harrers Familie mitfieberte. „Wir hatten eine supergute Stimmung. Corinna hat ein tolles Rennen geliefert. Alle waren voll des Lobes“, sagte Lieske und begrüßte auch einige neutrale Fans. „Eine Handvoll Außenstehende war schon da. Und zwei Leute kamen eigens aus Abensberg.“

Die Gefühle der olympischen Welt beeindrucken derweil die Regensburger Vorzeigeläuferin, die aus der Heimat haufenweise Reaktionen per Anruf, SMS oder Facebook bekam. „Gänsehaut, Euphorie und Sentimentalität – es ist eine emotionale Achterbahn“, sagt Corinna über ihre Stimmungen in London. Nervosität fühlte sie nicht. „Sobald ich das Stadion betreten habe, waren Anspannung und Aufregung weg. Ich war so richtig beflügelt.“ Harrer schwärmt von Land und Leuten: „Wo du auch bist, alle sind höflich, zuvorkommend und total offen. Andererseits lassen sie dich auch in Ruhe, wenn du unterwegs bist.“ Denn am Tag nach ihrem Halbfinale blieb für Corinna Harrer endlich auch mal die Zeit, „mit ein paar Kollegen einen trinken zu gehen und zu shoppen“.

Jetzt wächst die Freude auf die Schlussfeier – zumal Corinna Harrer die Eröffnung zuhause in Regensburg am Fernsehschirm sah. Nächste Woche will sie ihre starke Form nutzen. Sicher ist ihr Start für Deutschland beim Länderkampf am Mittwoch (15. August) gegen Frankreich, China, Großbritannien, Italien, Russland, Südafrika und die USA im französischen Albi in der Nähe von Toulouse. „An die zwei Minuten oder drunter“ will Corinna Harrer da über 800 Meter laufen. „Schafft sie das auch noch, ist sie nach dieser tollen Saison sowieso die Größte“, sagte Harrer-Trainer Kurt Ring im Vorfeld. Vielleicht folgt zwei Tage später dem Dutzend 1500-Meter-Rennen der Saison in der Diamond-League in Stockholm ein letzter Start.

Corinna Harrer selbst hat die olympischen Realitäten auch auf anderem Gebiet erkannt. „Bei mir war es ja nur ein Jahr, in dem ich darauf hintrainiert habe. Ab Montag sind es vier Jahre, bis es wieder soweit ist.“ Rio 2016 ruft!

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