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Trainingslehre

Der gemeinsame Spitzensport-Nenner


Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Stefan Schnabl, Martin Helmig, Martin Brunner und Kurt Ring (hinten von links) tragen Philipp Weisehaupt auf Händen: Das Rückenzentrum in Regensburg liefert für Eishockeyspieler, Baseballer und Leichathleten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg.
Stefan Schnabl, Martin Helmig, Martin Brunner und Kurt Ring (hinten von links) tragen Philipp Weisehaupt auf Händen: Das Rückenzentrum in Regensburg liefert für Eishockeyspieler, Baseballer und Leichathleten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg.Fotos: Wotruba, Schmeilzl, Archiv

Corinna Harrer läuft in Rom über die Ziellinie. Sie strahlt, ist gegen stärkste internationale Konkurrenz so schnell wie nie über die 1500 Meter. Donald Lutz schwingt seinen Baseball-Schläger so kraftvoll, dass sie in den USA auf ihn aufmerksam werden. Er ist auf einem guten Weg, der erste Deutsche in der berühmten Major League Baseball, kurz MLB, zu werden. Henry Deuschl wirft sich in Berlin in einen, zwei, ja drei Schüsse in Serie und trifft zur Krönung gegen die großen Eisbären ins leere Tor. Er jubelt ausgelassen. Noch ist der Name des Eishockey-Nachwuchsspielers vom EV Regensburg weniger bekannt, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Ob Einzelsport wie bei Corinna Harrer von der LG Telis Finanz, die es im Eiltempo bis zu Olympia in London schaffte, oder Mannschaftssport wie bei Donald Lutz, dessen Grundlagen in Regensburg bei den Buchbinder Legionären gelegt wurden, und Henry Deuschl vom EVR: Der Erfolg hat viele Bausteine, von denen so mancher ganz und gar nicht offensichtlich ist.

„Das RFZ ist unser gemeinsamer Nenner“, formuliert es Martin Brunner von den Regensburger Baseballern. „Hier werden Potenziale geschaffen, die es nie zuvor gegeben hat. Das fällt auch den Talentsuchern auf. Sie können es nicht benennen. Ich aber weiß, was sie sehen. Das passiert im Haus des RFZ.“ Donald Lutz ist so ein Beispiel. „Ihn kannte keine Sau“, sagt Brunner deutlich. „Jetzt ist er so schnell, so stabil“, sagt Trainerkollege Martin Helmig – auch dank RFZ.

Verlängerung der Karriere

Bei der MZ-Gala der „Sportler des Jahres“ fiel erneut ins Auge, dass die Sieger einer ihrer Trainingsorte verbindet – das RFZ. Philipp Weishaupt, dem Chef im Gewerbepark, fiele nie ein, die Werbetrommel für sich zu rühren. Also tun das Brunner und Helmig, Kurt Ring und Stefan Schnabl, deren Namen in Regensburg für Baseball, Leichtathletik und Eishockey stehen. „Wir wären nie deutscher Meister geworden, hätten unsere Spieler nie so ausbilden können, ohne die RFZ-Einflüsse wirken zu lassen“, sagt Stefan Schnabl. „Wie hier gearbeitet wird, das kann die Karriere um fünf oder zehn Jahre verlängern“, sagt Helmig.

Das Rückenzentrum dient jedoch nicht vorwiegend dem Leistungssport, sondern der Allgemeinheit. Die Zivilisationskrankheit „Rücken“ wird hier behandelt, erfolgreich behandelt. Doch Philipp Weishaupt, selbst Kraftsportler und Rugbyspieler, ist einer, der dem Leistungssport verbunden ist und Athleten mit Herzblut betreut. Die deutsche Ski-Nationalmannschaft mit Sportdirektor Wolfgang Maier machte sich acht Jahre die RFZ-Dienste zunutze, eignete sich das Knowhow an und arbeitet jetzt in Eigenregie. Weishaupts errechnete Werte stimmten oft verblüffend mit den erzielten Weltcup-Punkten überein. Er prophezeite so einem Fritz Dopfer eine gute Weltcup-Zukunft, längst bevor sich Erfolge einstellten. Er half mit seinem Programm, aus einem in Regensburg eher belächelten Eishockeyspieler namens Alexander Dotzler einen gestandenen DEL-Mann zu machen.

Und Weishaupt, der mit Dr. Frank Möckel auch ärztliche Hilfe an seiner Seite weiß, gerne „außerhalb des Hauses“ Rat und Unterstützung einholt und Spezialisten im Team hat, ist mit all seinen Leistungen auch Sponsor – und oft wertvoller als jemand, der bare Münze auf den Tisch legt. „Ich habe das noch nie zusammengerechnet und sage das das erste Mal“, erklärt Weishaupt. „Die Leistungsdiagnostik und Trainingseinheiten bei uns hätten einen Wert von über 50 000 Euro, wenn die drei Vereine bezahlen müssten.“

Obendrein geht es im RFZ um viel mehr als um Zahlen. „Erfolgreich arbeiten kann man nur mit Leuten, wie sie diesen drei Vereinen vorstehen.“ Denn – und auch das loben die Partner, die sich übrigens liebend gerne auch untereinander austauschen und Anregungen holen – im RFZ wird anders gedacht. „Angewandte Sportwissenschaft“ ist eines der Zauberwörter. „Einzigartig“, nennt es Brunner.

„Es geht weit über das Training hinaus“, sagt Schnabl, „das ist weit mehr als der körperliche Aspekt“. Das findet auch Kurt Ring. „Wir leben ja in Zeiten, wo jede Sportart so tut, als müsste sie sich neu erfinden. Dabei müssen es die kleinen Bausteine sein, die passen. Im RFZ nimmt man die Probleme multipel an, es wird einem Vertrauen entgegengebracht, und es gibt kein Kompetenzgerangel. Hier geht alles lautlos – und sie verstehen etwas vom Hochleistungssport.“

Eine Postkarte als Dankeschön

Nebenbei versucht Philipp Weishaupt immer, „den Athleten zum Menschwerden zu bringen“. Er fordert mal auf, einem Kollegen eine Dankeskarte zu schicken, wenn eine Behandlung gelungen ist und sagt: „Schau, wo du herkommst.“ Wenn Athleten erfolgreich ins Ziel kommen, umso schöner. Auch, wenn kaum einer weiß, wie viel dahintersteckt. Wohl auch in Zukunft nicht. Das RFZ bleibt ein Mosaikstein aus dem Hintergrund.

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