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REGENSBURG.

„Der Radsport in Deutschland wird wieder sauber“

Barbara Wilfurth, die neue Präsidentin des Bayerischen Radsport-Verbandes, sprach mit Heinz Gläser und Wolfgang Endlein über ihre Ziele.

Selbstbewusste Verbands-Chefin: Barbara Wilfurth

Eine Beckenfraktur, erlitten beim Skifahren, bremst derzeit den Tatendrang von Barbara Wilfurth ein wenig. „Glücklicherweise lässt sich vieles am Computer oder übers Telefon erledigen“, sagt die Regensburgerin, die Ende November zur Präsidentin des Bayerischen Radsportverbandes (BRV) gewählt wurde. Die MZ-Sportredaktion sprach mit Wilfurth über die Situation des Radsports.

Frau Wilfurth, Gratulation zu Ihrer Wahl als BRV-Präsidentin. Ein Verband, der zuletzt allerdings vor allem durch heftige Streitigkeiten in der Führung auf sich aufmerksam gemacht hat. Was war los?

Barbara Wilfurth: Im Vorgänger-Präsidium gab es Knatsch. Der Präsident (Dieter Kappelsberger/d. Red) war nur ein Vorzeigepräsident, ohne wirkliche Ahnung vom Radsport. Die Geschäfte hat tatsächlich einer seiner Vizepräsidenten geführt. Da wurde auch unsauber gearbeitet, deswegen kam es zum Konflikt mit Schatzmeister Manfred Wimmer. Den wollte das Präsidium durch ein Amtsenthebungsverfahren absägen. Als das nicht geklappt hat, ist dem Präsidium alles zu viel geworden, und Kappelsberger und alle anderen sind zurückgetreten.

Wie kam es zu Ihrer Kandidatur?

Der Notvorstand hat nach geeigneten Kandidaten gesucht. Ich war schon früher im Gespräch. Ich habe schon immer gesagt, mit einer eigenen Präsidiumsmannschaft würde ich es machen. Jetzt war der Weg dafür frei.

Der umstrittene Schatzmeister Manfred Wimmer findet sich aber auch in Ihrem Präsidium?

Ja. Für mich ist er der wichtigste Mann. Er kennt den Radsport, und ich kann mich im Tagesgeschäft blind auf ihn verlassen. Die Vorwürfe gegen Wimmer kamen aus dem alten Präsidium. Dabei ging es um Zahlungen, die er nicht für korrekt hielt. Man hat ihm damals gedroht: Wenn du nicht folgst, musst du gehen. Da hat er sich natürlich gewehrt, und das Ganze kam ins Rollen.

Steht jetzt nicht zu befürchten, dass die Gräben im Verband fortbestehen?

Nein, ich glaube nicht. Ich spüre eine breite Mehrheit der Vereine hinter mir und hatte 85 Prozent der Stimmen in geheimer Wahl. Sicher gibt es noch ein Fähnlein, das zum alten Präsidium hält und quertreiben will. Aber das ist eine Minderheit. Überhaupt interessiert mich nicht, was war. Baustellen müssen natürlich bearbeitet werden, aber ich will vor allem nach vorne schauen.

Was sind Ihre Ziele in der Zukunft?

Ich möchte zunächst erreichen, dass der BRV im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und in der Öffentlichkeit wieder so positiv dasteht, wie es früher der Fall war. Angesichts der Doping-Problematik müssen wir unsere Erfolge im Hallensport oder BMX-Sport besser verkaufen.

Stichwort BDR: Gab es schon eine Rückmeldung von Präsident Rudolf Scharping zu Ihrer Wahl?

Nein. Ich wurde sogar gefragt, ob ich schon ein Antrittsschreiben an den BDR geschrieben hätte. Das halte ich aber nicht für nötig. Es würde sich doch gehören, dass sich Scharping bei mir meldet.

Wie beurteilen Sie grundsätzlich die Arbeit von Rudolf Scharping im BDR?

(Wilfurth zögert sehr lange) Kann ich mir noch kein Bild von machen.

Könnten Sie sich denn auch eine Funktion auf Bundesebene vorstellen?

Darüber kann ich jetzt nicht nachdenken. Derzeit ist so viel zu tun.

Das beherrschende Thema der vergangenen Jahre im Radsport war Doping. Wie kann der Sport dieser Seuche begegnen?

Indem man Doping auf das Stärkste bekämpft. Ich bin absolut dafür, alle Maßnahmen einzusetzen.

Als eine der Maßnahmen wurde aber auch diskutiert, die staatlichen Fördermittel für den BDR zu streichen.

Es gibt keine Sportart, in der so viel kontrolliert wird wie im Radsport. Das kostet aber auch sehr viel Geld. Eine Streichung der Gelder wäre kontraproduktiv.

Wie stehen Sie zum Ausstieg von ARD und ZDF aus der Übertragung von Radrennen?

Für den Radsport ist das die total falsche Entscheidung. Dadurch ziehen sich die Sponsoren zurück, und es wird weniger Geld geben – auch für Doping-Kontrollen. Ohne Geld ist heute kein Spitzensport möglich.

Als BRV-Präsidentin sind Sie nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für den Breitensport verantwortlich. Wie steht es dort um die Dopingproblematik?

Auch da wird es sicherlich welche geben, die etwas nehmen. Es wird ja nicht kontrolliert. Aber es gibt wie zum Beispiel beim Arber-Radmarathon auch keinen Sieger. Da geht es darum, Spaß zu haben, sich zu treffen.

Der Arber-Radmarathon wird von Ihnen mitorganisiert. Kann man bei den Teilnehmerzahlen Auswirkungen der Dopingschlagzeilen im Profiradsport feststellen?

Nein. Wir haben zwar dieses Jahr bei den Langdistanzfahrern über 250 Kilometer zum ersten Mal Einbußen um rund ein Viertel hinnehmen müssen. Dagegen steigen bei den Mountainbikern und auf den kürzeren Strecken die Teilnehmerzahlen. Der Breitensport fährt für sich. Die Freude am Radfahren ist ungebrochen.

Wenn man so lange im Radsport tätig ist, begegnet man da automatisch Doping?

Meine beiden Söhne Markus und Matthias waren ja im Nationalkader. Mein ältester Sohn Markus hat dann alle sechs Wochen einen Umschlag mit Tabletten von der Uniklinik Freiburg zugeschickt bekommen. Er sagte dann aber: Das nehme ich nicht! (die MZ berichtete) Da weiß ich ja nicht, was drin ist. Ich selbst wäre damals darauf reingefallen und hätte die Tabletten geschluckt. Ein anderes Mal sind mein Mann und ich zur Deutschen Meisterschaft nach Gera gefahren. Damals war gerade der Festina-Skandal (Rad-Team, das während der Tour de France 1998 des systematischen Dopings überführt wurde/d. Red.) das große Thema. Ich habe mich ganz erschüttert an einen der Trainer, das war Mario Kummer (damals bayerischer Landestrainer, später sportlicher Leiter bei den Teams Telekom und T-Mobile), gewandt. Der meinte aber nur, wie blauäugig ich denn sei, zu glauben, dass es hier einen gibt, der nicht dopt. Das muss jeder mit seinem Körper verantworten, es geht ja um viel Geld, hat er gesagt.

Sollte man als Verband angesichts solcher Beispiele und der Ereignisse in den vergangenen Jahren nicht überlegen, sich aus dem Spitzensport zu verabschieden?

Nein. Gerade junge Menschen brauchen Vorbilder und den Wettkampf.

Mit Vorbildern ist das im Radsport aber so eine Sache. Siehe Jan Ullrich.

Stimmt. Da hat sich der Radsport sehr viel selbst kaputt gemacht. Aber ich bin mir sicher, der Radsport in Deutschland wird wieder sauber.

Das kann man auch anders sehen.

Es ist doch so: Die Doper sind den Testern immer etwas voraus. Aber die Kontrolleure ziehen doch relativ schnell nach. Mit einem halben Jahr Verzögerung kann man doch alles nachweisen. Die Geschichte mit dem Cera-Epo bei der Tour de France (fünf Fahrer, darunter die Gerolsteiner-Profis Bernhard Kohl und Stefan Schumacher, wurden positiv auf das neue Epo-Präparat getestet/d. Red.) beweist das doch. Was die Veranstaltungen in Bayern betrifft, die sind überkontrolliert. Und das kostet natürlich Geld, das bei der Nachwuchsförderung fehlt.

Wie sehen Ihre Pläne für die Nachwuchsförderung aus?

Das Wichtigste sind die Trainer. Auch in Sachen Doping müssen die Trainer geschult werden. Ich werde mich daher demnächst mit den wichtigen Trainern in Bayern treffen, um mir ein Bild zu machen. Gerade das Radsportinternat in Marktoberdorf wird ein Thema sein. Als das Internat vor sechs Jahren eingerichtet wurde, war ich eh der Meinung, dass Regensburg strategisch besser liegen würde.

Sie wollen das Radsportinternat also nach Regensburg holen?

Wenn möglich, ja. Es ist hier nicht so früh und so lange Winter, du hast ideale Bedingungen für Rennradfahrer und Mountainbiker. Ich muss mich aber erst noch über Marktoberdorf informieren. Was ich bis jetzt darüber weiß, macht mich allerdings nicht sehr glücklich.

Wie sind Sie überhaupt zum Radsport gekommen?

Durch meinen Mann. Der meinte, als wir uns kennenlernten: Wenn du mit mir zusammen sein willst, musst du Rad fahren. Ich hab mich dann zum Glück gefügt.

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