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Handball

Die Adler schauen in die Röhre

Ein Super-GAU in Heidingsfeld beschert dem Bayernligisten SG Regensburg nun einen spielfreien Samstag.
Von Gerd Winkler

Tom Wuka (Mitte) und seine Regensburger Kollegen müssen am Wochenende nicht ran.  Foto: Brüssel
Tom Wuka (Mitte) und seine Regensburger Kollegen müssen am Wochenende nicht ran. Foto: Brüssel

Regensburg.Den Samstagabend hatten sich die Adler des Handball-Bayernligisten SG Regensburg (8., 15:11 Punkte) in etwa so vorgestellt: Um 19 Uhr Anwurf im Horst an der Alfons-Auer-Straße gegen Aufsteiger TG Heidingsfeld (11., 7:19) – Wiedergutmachung für die bittere 28:33-Heimpleite vor Wochenfrist gegen den abstiegsbedrohten TSV Friedberg. Anschließend Public Viewing nebenan in der Sportgaststätte des Sportclubs, wenn um 20.30 Uhr die deutsche Nationalmannschaft ihr vorentscheidendes EM-Spiel in der Zwischenrunde gegen Kroatien bestreitet.

Die Verantwortlichen und die Mannschaft der Adler brauchen sich nun keinen Kopf machen, etwas zu verpassen. Gerade die Anfangsviertelstunde hat es oft in sich, siehe den deutschen 31:23-Erfolg am Donnerstag über Weißrussland. Während Deutschland gerade den Pflichtsieg über den Außenseiter einfuhr, wurden Trainer Heiko Karrer und das verbliebene Häuflein an Spielern des TG Heidingsfeld von der Vorstandschaft informiert, dass der Verein die Notbremse zieht und mit sofortiger Wirkung aus der Bayernliga zurückzieht. Am Nachmittag hatte die Abteilungsleitung den Verband und die SG Regensburg in Person von Vorstand Helmut Meichel per E-Mail informiert. Ganz aus dem Nichts ist Meichel nicht überrascht worden: Am Samstag erlebte Heidingsfeld mit dem Großteil seiner 3. Mannschaft – die Zweite war geschlossen im Ski-Wochenende – im Heimspiel gegen Spitzenreiter ein 15:43-Waterloo. In den letzten Monaten hatten sich einzelne Spieler verabschiedet, nach der Jahreswende folgte ein Quartett auf einen Streich.

ESV II ist gefordert

  • Spiel: Höherklassigen Handball zu sehen gibt es diesen Samstag trotzdem: Um 19.30 Uhr erwartet Frauen-Landesliga-Tabellenführer ESV 1927 Regensburg II (1., 22:4 Punkte) den TV Marktsteft (8., 13:13) in der Sporthalle an der Clermont-Ferrand-Allee.

Der Traum von der 2. Bundesliga

Was ging dem unterfränkischen Super-GAU voraus? Die Internet-Recherche der in Würzburg beheimateten Mainpost bringt ein Dilemma und eine Kettenreaktion zutage, das nach einem längeren Telefonat mit der Sportredaktion jeden Sportsmann die Haare zu Berge stehen lässt. Im vorigen Sommer wurde scheinbar der bis dahin über Jahre alleinregierende Handball-Abteilungsleiter vom Vorstand des Gesamtvereins zum Rückzug gezwungen. Die 2. Bundesliga hatte der Ex-Abteilungsleiter öffentlich auf die Fahnen geschrieben, wobei trotz hochkarätigen Personals erst im dritten Anlauf der Aufstieg aus der Landesliga gelang.

Während die Adler um Geschäftsführer Hermann Reiss beim Antritt vor drei Jahren das Projekt „höherklassigen Handball in Regensburg etablieren“ sinnvoller Weise in eine GmbH ausgliederten, lief das Vorhaben von Würzburgs „Alleinherrscher“ scheinbar über die Vereinsschiene. Bei Summen, die sich pro Saison im sechsstelligen Bereich bewegen, ist das ein unberechenbares Risiko für den Gesamtverein TG Heidingsfeld. Heißt: Der Verein haftet mit dem vereinseigenen Sportgelände inklusive neuer Sporthalle und Tennisplätzen.

Der vom Hof gejagte Abteilungsleiter und Hauptsponsor in Personalunion hatte wohl ein schwer durchschaubares Konstrukt geschaffen, Spielerverträge abgeschlossen – obwohl in seiner Funktion dazu nicht autorisiert. Was bei der Recherche unter anderem Erschreckendes zutage trat: Als Heidingsfeld in der Aufstiegsrelegation im Mai 2017 im Rückspiel in Ottobeuren final scheiterte, blieb der Bus einigen Spielern vorenthalten, per Bahn mussten sich diese auf den Heimweg machen. Außerdem sollen entgegen der Vereinbarungen willkürlich Spielern finanzielle Zusagen mittendrin gekürzt worden sein.

Die Adler sind fassungslos

Simon Dillinger, sportlicher Leiter der Adler, kommentiert fassungslos die Geschehnisse bei den Unterfranken: „Die haben jahrelang versucht, das aus den Boden zu stampfen, und dann ist das implodiert“. Verständlich sei, dass man in Heidingsfeld nun versucht habe, mit einem blauen Auge aus der Sache herauszukommen. Die zu annullierenden Spiele seien jedoch für die Adler tabellarisch ein Nachteil. Vorstand Meichel betont, dass Hermann Reiss von Haus aus das Projekt mit einer Reihe nach Regensburg gelotster Spieler mit der SG per risikoeinschränkender GmbH stemmen wollte.

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