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Die Adler ziehen eine durchwachsene Bilanz

Bayernligist ist trotz Etatkürzung zuversichtlich, dass das auswärtige Personal bleibt.
Von Gerd Winkler

Adler-Chef Hermann Reiss (l.) hält an Trainer Kai-Uwe Pekrul fest.  Foto: ocb
Adler-Chef Hermann Reiss (l.) hält an Trainer Kai-Uwe Pekrul fest. Foto: ocb

REGENSBURG.So eine Unterstützung und Rückendeckung hätte sich Hans Moser 2005 gewünscht, beim ersten drei Jahre dauernden Aufenthalt der SG Regensburg in der Handball-Bayernliga: Bei der jetzt in eine Adler-GmbH ausgegliederten Mannschaft lässt Hauptsponsor Hermann Reiss seit dem Amtsantritt von Coach Kai-Uwe Pekrul an personellen Anstrengungen nichts unversucht. Seit Sommer 2015 wurden 28 auswärtige Spieler verpflichtet, von denen 18 nur eine Saison bleiben durften - oder wollten.

In der abgebrochenen „Corona-Saison“ hatte Pekrul im Vorfeld sechs Neue, davon mit Kreisläufer Jakub Šíra, Halblinks Konstantin Singwald und Spielmacher Steffan Mayer ausgesprochene Hochkaräter, an die Hand bekommen. Bei der Konkurrenz galten die Adler als Anwärter auf eine Top-Platzierung. Die Verantwortlichen hatten als Losung „vorne mitspielen“ ausgegeben. Das Resultat der Runderneuerung: Enormer (finanzieller) Aufwand, dürftiger Ertrag. Nach zwischenzeitlich 14:6 Zählern folgte ein zweimonatiger Absturz, der in einer 17:19-Punkte-Bilanz und Platz acht mündete. Längerfristige Ausfälle oder schwerere Verletzungen: Fehlanzeige.

Augenscheinlich bekam der Anhang die Defizite nach der Jahreswende vorgeführt: Alle vier Heimspiele gingen in die Binsen – inklusive der 27:28-Pleite gegen das Schlusslicht TuS Fürstenfeldbruck II. Nach dem ersten Saisondrittel war die DNA von der Konkurrenz in Zeiten von Videoanalysen ausgelesen: Eine doppelte kurze Deckung gegen Singwald und Meyer reichte, um das Spiel der Greifvögel lahmzulegen.

Am Donnerstag haben die Verantwortlichen eine bemerkenswerte Saisonbilanz von Roland Seitz auf der Homepage veröffentlicht. Fundiert in Breite und Tiefe – und, für einen sogenannten Eigentext, erstaunlich selbstkritisch. Eine „deprimierende Ratlosigkeit“ habe sich angesichts von fünf Pleiten am Stück breitgemacht. Im Positionsangriff „taktisch unflexibel“ habe man sich „mit einfachsten Mitteln die Punkte abnehmen lassen“. Zudem moniert Seitz zu Recht „die Vorliebe, den Torhüter zugunsten eines Feldspielers herauszunehmen: Mehrfach ging der Schuss nach hinten los“. Fast nie hätten die Angreifer ein Überzahl-Erfolgserlebnis vorzuweisen gehabt. Als Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Trainerbank schreibt Seitz über die Abwehrarbeit: „Die Einübung weiterer, offensiverer Deckungssysteme, als häufig nur zaghaftes 6:0 und asymmetrisches 5:1, wäre zweifellos eine Überlegung wert“. Und weiter: „Der Verzicht auf (von Anpfiff an erfolgende) Kurzdeckung bekannt spieltragender gegnerischer Akteure machte es dem einen oder anderen Kontrahenten nicht schwer, sein gewohntes Spiel abzuspulen.“

Dieser Tage plant das Dreigestirn Reiss, Pekrul und sportlicher Leiter Simon Dillinger die dritte Bayernliga-Saison. Pekrul bleibt an Bord und der Kader soll trotz Etat-Reduzierung um 40 Prozent sich nicht groß ändern. „Wenn’s nach mir geht, bleibt es so. In 14 Tagen kann ich mehr sagen, ich habe noch nicht mit allen Spielern gesprochen“, sagt Dillinger.

Nichts tun wird sich mit einem zusätzlichen, größeren Sponsor, in Zeiten von Corona sowieso ein schwieriges Unterfangen, das Dreigestirn bleibt „in der Phase der Konsolidierung“ lieber unter sich: „Ein Neuer will natürlich auch mitreden“, sagt Dillinger. Außen vor ist, respektive keinen Einfluss in die Belange der Adler-GmbH hat die SG um Vorstand Helmut Meichel – frei nach dem Motto: Wer zahlt, schafft an.

Beim ersten Bayernliga-Aufenthalt seinerzeit war Hauptsponsor Reiss noch kein Thema. Mit dem Stamm, mit dem Trainer Hans Moser vor der Jahrtausendwende bayerischer A- und B-Jugendmeister wurde, gelang unter dem heute 62-Jährigen die Landesliga-Meisterschaft. In der neuen Liga angekommen seien ihm von frustrierten Funktionären Knüppel vor die Füße geworfen worden, weil deren Söhne nicht mehr zum Zug kamen, erinnert sich Moser: „Ich musste um jeden Cent kämpfen, dass die Spieler bei Auswärtsspielen zumindest zwei Wurstsemmeln kriegen“. Teilweise sei es so gewesen, dass die Mannschaftskasse herhalten musste „oder ich die selbst bezahlt habe“.

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