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Fussball

Die ASV-Jungs und ihr Fußball-Märchen

Eine verschworene Truppe aus Burglengenfeld hat es bis in die Bayernliga geschafft und will dort weiter Spaß haben.
Von Jürgen Scharf, MZ

Zwei in der Mitte gegen den Rest der Welt: die Kicker des ASV Burglengenfeld beim Aufwärmspielchen vorm Training.
Zwei in der Mitte gegen den Rest der Welt: die Kicker des ASV Burglengenfeld beim Aufwärmspielchen vorm Training. Fotos: Scharf

Burglengenfeld.„Da drüben“, sagt Patrick Schleicher, steht auf und deutet mit dem Finger auf die Siedlung neben dem Burglengenfelder Fußballpark: „Da steht mein Elternhaus.“ Mit einem weiten Abschlag hätte er vom Kinderzimmer aus Bälle aufs ASV-Gelände dreschen können. Musste er aber gar nicht, er spielte ja ohnehin dauernd selbst dort. Schleicher ist ein Burglengenfelder Urgestein und mit seinen 27 Jahren Kapitän der Mannschaft, die den größten Erfolg der Vereinsgeschichte eingetütet hat: den Aufstieg in die Bayernliga. Am Sonntag beginnt das neue Abenteuer mit dem ersten Spiel gegen Erlenbach.

Einer nach dem anderen schlendert am Mittwochabend zum Training in die Umkleidekabine. Alexander Fuchs. Der kommt direkt aus Burglengenfeld. Philipp Sander. Gebürtiger Wackersdorfer. Das ist nur ein paar Autominuten entfernt, „und ich spiel jetzt auch schon das neunte Jahr hier beim ASV“. Oder die Zwillinge Benjamin und Marco Epifani. Die kommen aus der Nachbarstadt Teublitz.

Beim ASV gibt es fast keinen Spieler, der nicht direkt aus Burglengenfeld oder zumindest aus dem Landkreis Schwandorf kommt. Hier scheint es sie noch zu geben: Die Jungs von nebenan, die sich aus der Schule kennen, gemeinsam kicken und dann alle an die Wand spielen.

Zusammengestellt und auf Kurs gebracht hat sie, natürlich, auch ein echter Burglengenfelder. Trainer Matthias Bösl, 34 Jahre alt, Spitzname: „Bö“.

Der Coach sitzt jetzt auf der Terrasse des ASV-Geländes und redet über die Vergangenheit. Vor vier Jahren habe er die Arbeit hier begonnen. Mit Ende zwanzig. Sehr jung für einen Coach im Erwachsenenbereich, der zudem von sich selbst sagt, dass er als Spieler selbst nie über die zweite Mannschaft beim ASV hinausgekommen ist. Autoritätsprobleme habe es aber nie gegeben, sagt er, vielmehr von Beginn an einen „genauso freundschaftlichen wie respektvollen“ Umgang zwischen Trainer und Spielern. Die Jungs sagen Du und „Bö“ zu ihm, er sagt, wo es langgeht. Und in den letzten drei Jahren ging es steil bergauf. Aufstieg in die Landesliga, dort auf Anhieb ein toller fünfter Platz, nun der Aufstieg in die Bayernliga.

Die ersten Wochen waren steinig

Begonnen hat aber alles gar nicht gut. In seiner ersten Saison, als der ASV in der Bezirksoberliga spielte, „da hatten wir nach zehn Spielen nur zwei Punkte“. Da hätte auch alles auseinanderbrechen können. Das Konzept, auf junge, hungrige Spieler zu setzen, die dann eine erfolgreiche Einheit bilden, schien da bereits gescheitert. Beim ASV blieb man dennoch ruhig. Bösl durfte weitermachen, glaubte weiter an seine Jungs, und die zahlten es ihm bald doppelt und dreifach zurück.

Patrick Schleicher und Philipp Sander waren die ganze Zeit dabei und sind sowas wie die alten Hasen der Truppe. Beide sind 27 – der Rest ist jünger. Da war es Ehrensache, dass einer der beiden „Routiniers“ bei den Relegationsspielen vor wenigen Wochen voranging. Der ASV war Zweiter der Landesliga geworden. Im ersten Entscheidungsspiel um den Aufstieg empfing er Ammerthal. 1700 Zuschauer drängten sich um das Spielfeld, auf dem Sander kurz nach der Halbzeit den Ball nach einer Ecke volley in den Winkel des Ammerthaler Tores drosch. „Das krieg ich so schnell nicht wieder hin“, sagt er heute mit einem Lächeln. Sonst räumt er ja hinten ab. „Mit Toreschießen ist da eigentlich wenig“, meint er. Zur richtigen Zeit war er aber voll da – und nach seinem Treffer lag die ganze Mannschaft auf ihm drauf. Mit diesem Team-Spirit hielten sie Ammerthal auch im Rückspiel stand, setzten sich in der zweiten Relegationsrunde gegen Kötzting durch und waren am Ziel.

Eine Woche lang wurde gefeiert. Die ganze Stadt genoss den Triumph. Bürgermeister Thomas Gesche empfing das Team im Rathaus. „Die Spieler falten hier noch die Stadionhefte. Diese Mannschaft hat Super-Typen“, sagte er. Und der ASV ist nun ganz nebenbei nichts anderes als die Nummer eins im Fußball des Landkreises Schwandorf.

Wer oben ist, kann tief fallen. Angst, dass in der Bayernliga nach einer Pleitenserie ein Hauen und Stechen beginnen könnte, hat Trainer Bösl aber nicht. „Wir haben vor vier Jahren so eine Phase schließlich schon mal erlebt, und sind nicht auseinandergebrochen.“ Selbst wenn es mit fliegenden Fahnen wieder runtergehen sollte, würde die Welt nicht untergehen, meint er. Und eine Alternative zum eingeschlagenen Weg gebe es nicht. Die Truppe halte zusammen wie Pech und Schwefel. Dies liege auch daran, dass jeder gleich viel Geld bekomme. Ein paar Euro für jeden Punkt und ein paar Euro für jeden Einsatz. „Und das ist wirklich so bei uns, auch wenn das im Fußball immer keiner glauben will“, betont Bösl.

In die Infrastruktur investiert

Der Verein habe in andere Sachen investiert. Etwa in den nagelneuen Kunstrasenplatz fürs Training. So einen hat nicht einmal der große Nachbar, der SSV Jahn aus Regensburg. Den Jungs werden tolle Bedingungen geboten, mehr geht nicht, sagen sie beim ASV. Wohl wissend über ihre eigene Vergangenheit. Auch in Burglengenfeld wurden früher schließlich zigtausende Euro für die vermeintlichen Stars der Region ausgegeben. Gebracht hat es wenig bis nichts. Für die früheren Mannschaften hat zumindest nie eine Band ein eigenes Lied komponiert, wie es die Burglengenfelder Gruppe Schmarrnkerl und Funkerl nun nach dem Aufstieg tat.

Wie viel Dichtung und Wahrheit in diesem Fußball-Märchen ist, wird die Zukunft zeigen. Irgendwie scheinen die Uhren hier aber wirklich etwas anders zu gehen. Bei der Frage, ob er denn auch in der Bayernliga noch Kapitän sein wird, schaut Schleicher jedenfalls zunächst verblüfft drein. „Weiß ich gar nicht, denke schon“, meint er, um mit einem Lächeln abzuschließen: „Jedenfalls hab’ ich noch nichts anderes gehört.“

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