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Leichtathletik

Die Regensburger Jagd nach Normen

Während Maren Kock am Samstagabend in Regensburg ihr Ziel erreichen kann, geht es für Philipp Pflieger und Florian Orth auch danach munter weiter.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Regensburg.Warum einfach, wenn es auch umständlich geht: Eigentlich könnte Maren Kock schon längst gezielt für die Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich trainieren. In Koblenz unterbot die Läuferin der LG Telis Finanz Ende Mai zwar die national geforderten 15:28 Minuten über 5000 Meter deutlich – doch es zählte nicht. Nach einem Wirrwarr um die Zulässigkeit des Rennens mit unkorrekten Auskünften des Verbandes im Vorfeld kostete der Einsatz männlicher Tempomacher die Anerkennung.

Das Zugeständnis, nur noch die übrigens weit niederigere internationale EM-Norm von 15:45 Minuten erfüllen zu müssen, greift die 24-Jährige am Samstagabend (21.40 Uhr) im Universitätsstadion in Regensburg im Rahmen der süddeutschen Meisterschaften an. „Ein künstliches Rennen“, findet Kurt Ring von der LG Telis Finanz, den auch aus Österreich ein Hilferuf ereilte, weil dort Jenny Wendt vor dem gleichen Dilemma stand. „In ganz Europa gibt es ja sonst kein reines Frauenrennen dieser Qualität“, sagt Ring. Jetzt soll eine „von den Österreichern eingekaufte“ ukrainische Tempomacherin dem Duo in die Spur helfen.

Dazu muss man wissen, dass anders als in anderen leichtathletischen Disziplinen die Normerfüllung durchaus an der Qualität der Gegnerschaft hängt – und obendrein gewisse Distanzen auch nicht beliebig häufig versucht werden können. Wie dem auch sei: Maren Kock bewies am vergangenen Wochenende mit dem Formtest über 3000 Meter in Osterode, wo sie in 8:50,12 eine neue Bestszeit aufstellte, ihre Qualitäten. „Zu einer 15:35 müsste sie auf alle Fälle in der Lage sein“, sagt Ring. Dann wäre die EM-Norm mit über vier Wochen Verspätung endgültig hieb- und stichfest.

Auch über 1500 Meter wollte Ring eine Normjagd in die Meisterschaften einbetten. Das ist nach dem Ausfall von Corinna Harrer (Mittelfußbruch) hinfällig. „Das Feld ist auseinandergefallen“, sagt Ring. „Eine wurde krank, einer haben wir abgesagt – und der US-Tempomacherin dann auch.“

Für die EM haben die Regensburger noch zwei Eisen im Feuer. Philipp Pflieger „trainiert bei den süddeutschen Meisterschaften über 1500 und 5000 Meter“, erklärt Ring. Am 11. Juli dient ein 3000-Meter-Start vorher als Reiz für das Rennen am 19. Juli, wo „Philipp im belgischen Heusden versucht, im Bereich der A-Norm über 5000 Meter zu laufen“.

Derweil will Florian Orth, der eigentlich in Regensburg laufen wollte, als Nummer drei der deutschen 1500-Meter-Rangliste am Samstag im belgischen Oordegem seine Karten verbessern und seine Saisonbestzeit (3:36,88) drücken. Neben den derzeit unangefochtenen Homiyu Tesfaye und Timo Benitz lauert im Hintergrund Carsten Schlangen zum Fernduell, der aktuell bei 3:37,78 acht Hundertstel über der Norm liegt. Sollte der Altmeister Orth übertrumpfen, würde diesem nur ein deutscher Titel am 26./27. Juli in Ulm helfen. Nur der Meister ist nämlich sicher dabei, ansonsten gilt die schnellere Normzeit. Kurt Ring hätte sich auch da eine andere Regelung gewünscht: „Man könnte beiden den Druck nehmen, sie vernünftig vorbereiten lassen und den besseren von Ulm starten lassen.“ Aber warum einfach, wenn es umständlich auch geht.

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