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Die Suche nach dem perfekten Sprung

In China schnupperte Michelle Weitzel die Luft der großen, weiten Sportwelt. Die Universiade machte ihr Mut für den Traum von Olympia.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Nicht perfekt, aber auch nicht schlecht: Für Michelle Weitzel war der fünfte Platz bei der Universiade in China der nächste Schritt in die richtige Richtung, vielleicht sogar nach London? Foto: Alexander Vogel

REGENSBURG. Die Sache dauert nur ein paar Sekunden: Schnell anlaufen, gut abspringen, spät landen. So einfach ist die Sportwelt der Michelle Weitzel. Im Weitsprung ist sie eine der Aufsteigerinnen in Deutschland. National lief es perfekt für die 24-jährige Hessin, die seit fünf Jahren im blauen Trikot der LG Telis Finanz steckt. Die Meistertitel in der Halle und im Freien heimste sie ein und verbesserte ihre Bestleistung auf 6,64 Meter.

International ist Luft nach oben: Bei der Hallen-EM Platz 15 mit 6,44 Meter, jetzt war’s im chinesischen Shenzhen ein Zentimeterchen weniger, aber Platz fünf. „Mittelmäßig“, nennt Weitzel das trotzdem. Unzufrieden ist sie dennoch nicht: „Ich habe mich gut gefühlt und gesehen, dass mehr geht. Es war ja auch erst mein zweiter Auftritt im Nationaltrikot.“

Die laufende Weltmeisterschaft in Daegu schaut Weitzel natürlich im Fernsehen. Wehmut aber packt sie nicht, auch nicht beim Weitsprung-Wettbewerb der Frauen. Im Gegenteil: Sowohl ihr China-Auftritt als auch Daegu machen Mut. Bronze dort ging mit 6,76 Meter weg, mit 6,51 Meter wäre man im Finale gewesen. „Ich habe gesehen, dass die Weltspitze soweit nicht weg ist“, sagt Michelle Weitzel.

Das nährt den Mut. Denn 2012 ist ein besonderes Jahr, Olympiajahr. „Ich lebe gerade meinen Traum“, sagt die Lehramts-Studentin, die schon wieder mit den Hufen scharrt. Trainerin Steffi Pietsch wollte ihr zwei Wochen länger Pause gönnen, aber zwei Wochen reichen Michelle Weitzel. „Ich bin noch nicht müde und noch immer hungrig auf mehr“, sagt sie.

Vor allem aber ist Weitzel auf der Suche – nach dem perfekten Sprung. „6,75 Meter hätte ich springen können heuer“, sagt sie. „Da bin ich mir mit meiner Trainerin einig.“ Das Ziel für 2012 klingt so: „Mit einem perfekten Sprung zu Olympia fahren – und sich dann nicht nur qualifizieren, sondern den am besten zwei, drei Mal bringen.“

Dazu müsste Weitzel aber eines lösen: ihr Brett-Problem. Vor dem Kopf hat sie wahrlich keines: Mit viel Eifer hat sie in diesem Jahr im Studium vorgearbeitet und ihre letzte Prüfung am Tag des Abflugs nach China geschrieben. „Das war viel und ich habe mir schon selbst Sorgen gemacht.“ Vielmehr geht es um das Brett, das es im Weitsprung möglichst gut zu treffen gilt. Michelle Weitzel verschenkt dort regelmäßig etliche Zentimeter. „Auch in Shenzhen habe ich es wieder mal nicht getroffen.“ Hierin steckt also Potenzial. „Man muss sich trauen, voll draufzugehen“, sagt Weitzel. „Mir fehlt noch die letzte Konsequenz.“

Erlernbar ist das nur im Wettkampf, dessen Niveau die Regensburgerin heuer höchst konstant hielt. „Nächstes Jahr will ich noch öfter über 6,60 Meter springen. Der Ausreißer soll über 6,70 liegen“, hat Weitzel formuliert und will auf jeden Fall auch wieder in der Halle starten. Mehr Krafttraining soll helfen („Da habe ich Reserven“) – und die vertraute Zusammenarbeit mit Steffi Pietsch, mit der sie ein Duo bildet, das sich gesucht und gefunden hat. „Ich stehe voll hinter dem, was sie mir sagt und aufschreibt.“ Ändern wird sich trotzdem etwas: Pietsch wird Mama. „Aber das kriegen wir hin“, sagt Weitzel.

Shenzhen war für sie Motivation. „Es war besser als ich es erwartet hatte“, sagt Weitzel, „fast wie Olympia“. Sie lobt Land und Leute. „Ich bin begeistert von diesem Volk. Die haben alle angefeuert. Das war eine schöne Erfahrung.“ Schön fand sie auch, hinter der deutschen Fahne einzumarschieren. Am liebsten würde es Michelle Weitzel in London wieder tun.

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